Tromsø im Dezember – das klingt nach Dunkelheit, klirrender Kälte und verschneiten Straßen. Und genau das wollten wir erleben. Vom 30. November bis zum 7. Dezember 2024 waren Micha und ich zum ersten Mal während der Polarnacht in Nordnorwegen unterwegs. Eine Woche zwischen tiefblauem Dämmerlicht, knirschendem Schnee, tanzenden Polarlichtern und magischer Stille. In gemütlichen Hütten, inmitten von Rentieren, bei einer Fjordkreuzfahrt und in der wohl kleinsten Bar des Universums haben wir wieder einmal gespürt, warum unser Herz an dieser Region hängt.

Weil es so viel zu erzählen und zu zeigen gibt, habe ich unseren Reisebericht in zwei Teile aufgeteilt.
In diesem ersten Teil nehme ich euch mit nach Lyngen, wo wir in einer Cabin direkt am Fjord wohnten, den ersten Schnee genossen und schließlich mit Nordlichtern belohnt wurden.

📌 Hier geht’s zu Teil 2

Besonderheit: Die Polarnacht in Tromsø

Die Polarnacht ist die Zeit, in der die Sonne nicht über den Horizont steigt. Dieses faszinierende Naturphänomen tritt nördlich des Polarkreises auf. In Tromsø dauert sie von ca. dem 21. November bis zum 21. Januar.
Es wird jedoch nicht komplett dunkel: Zur Mittagszeit gibt es oft ein tiefblaues Dämmerlicht, das den Himmel in magische Farben taucht. Diese besondere Atmosphäre sorgt für eine fast mystische Stimmung: Alles ist ruhig, entschleunigt und eindrucksvoll.


Tipp: Licht ist Mangelware, dafür wirken Kerzen, Lichterketten und Polarlichter umso magischer.

norwegen tromo anflug
Etwa gegen 12:30 Uhr im Landeanflug auf Tromsø

Anreise und erste Eindrücke

Los ging es am Samstagmorgen früh mit Lufthansa von München nach Tromsø. Der Flughafen war bei unserem letzten Besuch im Februar 2023 noch eine einzige Großbaustelle, diesmal war er jedoch fast fertiggestellt. Nur der internationale Terminalbereich ließ uns kurz rätseln, wo genau unser Gepäck auf uns wartete.

Als wir gegen 12:40 Uhr landeten, dämmerte es bereits, und als wir schließlich um 14:00 Uhr im Mietwagen saßen, war es komplett dunkel. Der norwegische Winter begrüßte uns mit Schnee und glatten Straßen. Die Autofahrt war anspruchsvoll, aber die atemberaubende Kulisse war eine Entschädigung. Zum Glück bin ich mit den dort herrschenden Straßenverhältnissen vertraut.

norwegen faehre svensby
15:30 Uhr und schon stockdunkel – Warten auf die Fähre von Breivikeidet nach Svensby

Wissenswert: Tromsø – das Tor zur Arktis

Tromsø liegt auf etwa 69° nördlicher Breite und gilt als eines der wichtigsten Zentren nördlich des Polarkreises. Mit rund 78.000 Einwohnern (Stand 2024) ist es die größte Stadt Nordnorwegens.
Tromsø wird oft als „Tor zur Arktis“ bezeichnet. Früher war die Stadt Ausgangspunkt vieler Polarexpeditionen. Heute begeistert die Stadt mit Nordlichtern, einer modernen Eismeerkathedrale, dem Polarmuseum und einem überraschend lebendigen Kulturleben mitten im hohen Norden.
🌌 Tipp: Zwischen Mitte September und Mitte April hat man hier beste Chancen, die Aurora Borealis zu sehen!

norwegen lyngen
Abenteuer norwegische Straßen. Zum Glück kreuzte kein Elch oder Rentier unseren Weg in tiefster Dunkelheit.

Cabin-Traum in Årøybukt, Lyngen

Unsere erste Unterkunft lag in Årøybukt, Lyngen, direkt am Fjord. In einer dieser berühmten Aurora Fjord Cabins, die wir schon 2020 bei unserem Besuch der Aurora Spirit Distillery bewundert hatten.

Aurora Fjord Cabins Norwegen
Aurora Fjord Cabins

Die Cabin war modern, kompakt und bestens ausgestattet, auch wenn sie ein paar Quadratmeter mehr gut vertragen hätte. Wir haben uns besonders über die große Fensterfront mit Blick auf den Fjord gefreut, auch wenn die Polarnacht nur wenige Stunden Dämmerlicht bot. In der letzten Nacht zeigte sich dann endlich das, worauf wir gehofft hatten: Polarlichter. Magisch wie immer.

Ein Manko war, dass es weder einen Kleiderschrank noch eine Kommode gab, in der man sein Reisegepäck unterbringen konnte. Im Flur stand zwar eine kleine Garderobe, aber die war schon recht eng. Wir haben unsere Koffer daher im Wohnbereich deponiert. Außerdem passte das Bad nicht so ganz zur gehobenen Einrichtung.

Winterstille und Polarlichter

Norwegen Polarlichter Lyngen

Wir verbrachten die Tage in Lyngen ruhig und bewusst entschleunigt. Wir unternahmen kleine Spaziergänge bei Dämmerlicht, waren dabei warm in unsere Winterkleidung eingepackt und genossen einfach das Sein. Genau das hatten wir uns für diesen Teil der Reise gewünscht. Es ist schon sehr seltsam, wenn es erst um 10 Uhr dämmert und um 14 Uhr schon wieder Nacht wird.

Magisch: Die Polarlichter in Nordnorwegen

Die Aurora Borealis, auch Polarlichter genannt, entsteht, wenn Sonnenwinde auf das Magnetfeld der Erde treffen. Die dabei entstehenden Lichtspiele leuchten meist grün, manchmal auch violett, rot oder weißlich, je nach Intensität und Höhe in der Atmosphäre.
Nordnorwegen gilt als einer der weltweit besten Orte, um Polarlichter zu beobachten, insbesondere in den Monaten September bis April. Wichtig sind klare Nächte, möglichst wenig Lichtverschmutzung und etwas Geduld.
❄️ Tipp: Es lohnt sich, auch bei schwacher Aktivität einen Blick gen Himmel zu werfen, oft tanzt das Licht leise und zart über die Berge.

Der erste Abschnitt unserer Reise in Lyngen hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie besonders die Polarnacht ist. Die wenigen Stunden Licht, die Stille, der Schnee und das Fjordpanorama haben diese Tage zu etwas Einzigartigem gemacht. Und auch wenn die Dunkelheit eine Herausforderung war, hat sie uns gleichzeitig näher an das herangebracht, was wir am Norden so lieben.

Nach zwei Tagen zwischen Schnee, Fjord und Nordlicht hieß es für uns: weiterziehen. Die nächste Etappe führte uns auf die Insel Ringvassøya, wo wir neue Eindrücke sammelten, besondere Ausflüge unternahmen und in einer ganz anderen Unterkunft wohnten.
Was wir dort erlebt haben, erfahrt ihr im zweiten Teil: Tromsø zur Polarnacht (Teil 2)

5 5 Abstimmungen
Artikel Bewertung