Alchemy of Secrets von Stephanie Garber – Renzension
Manchmal merkt man schon nach wenigen Seiten: Das hier will Atmosphäre. Alchemy of Secrets macht daraus keinen Hehl. Alte Kinos, urbane Legenden, Hollywood-Mythen und eine Professorin ohne Namen. Stephanie Garber wirft ihre Leser*innen direkt in eine Welt, in der nichts ganz sicher ist. Nicht die Vergangenheit, nicht die Magie und schon gar nicht die Menschen.
Ob das am Ende aufgeht? Jein.
Inhalt
Alles beginnt mit einem Kurs in einem alten Kino.
Folklore 517: Lokale Legenden und urbane Mythen, unterrichtet von einer Frau, die alle nur die Professorin nennen. Die meisten Studierenden betrachten die Geschichten als nette Gruselunterhaltung, als erfundene Legenden ohne realen Kern. Magie? Aberglaube. Der Teufel? Symbolik.
Holland St. James sieht das anders.
Ihre Eltern starben früh, ihr Nachname ist nicht ihr echter, und sie hütet ihre Vergangenheit wie ein gut gehütetes Geheimnis. Holland ist überzeugt, dass der Teufel selbst etwas mit den Todesfällen zu tun hatte und dass viele berüchtigte Todesfälle des alten Hollywood in Wahrheit Morde waren.
Was als Recherche für ihre Abschlussarbeit beginnt, zieht sie immer tiefer in eine gefährliche Welt aus Magie, jahrhundertealten Lügen und zwei (eigentlich vier) extrem undurchsichtigen Männern hinein. Eine Suche nach Antworten, die Hollands Leben entweder retten oder endgültig zerstören könnte.
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Informationen zum Buch

Autorin: Stephanie Garber
Übersetzerin: Diana Bürgel
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570167748
Erscheinungsdatum: 08.10.2025
Preis: 20,00 € (gebundenes Buch)
448 Seiten
Genre: Fantasy / Urban Fantasy
Bezugsquellen: Amazon* · Hugendubel · Thalia*

TL;DR – Kurzfazit zu Alchemy of Secrets
Alchemy of Secrets von Stephanie Garber ist ein atmosphärischer Urban-Fantasy-Roman mit düsterem Hollywood-Setting, starken Mythen und viel geheimnisvoller Stimmung.
Die Grundidee des Romans ist überzeugend, seine Umsetzung lässt jedoch viele Fragen offen. Die Motive bleiben unklar, die Handlung wirkt stellenweise konstruiert und der Showdown fragmentarisch.
Leser*innen, die Dark Academia, urbane Legenden und Magie lieben, werden die Atmosphäre genießen. Wer klare Antworten und stringente Auflösungen erwartet, wird jedoch zwiegespalten zurückbleiben.
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Erzählweise & Einstieg
Der Roman wird aus der personalen Perspektive der 25-jährigen Holland erzählt. Gerade zu Beginn werden die Leser*innen immer wieder direkt angesprochen, wenn der Kurs „Folklore 517” besucht wird. Das schafft Nähe und verstärkt das Gefühl, selbst Teil dieser Vorlesung zu sein.
Atmosphärisch funktioniert das gut, erzählerisch hat es jedoch einen Nebeneffekt: Man begleitet jede Entscheidung sehr direkt. Und merkt schnell, wenn diese … sagen wir: fragwürdig werden.
Atmosphäre & Setting
Hier spielt Stephanie Garber ihre größte Stärke aus.
Los Angeles wird nicht als moderne Großstadt dargestellt, sondern als Ort voller Schatten, Legenden und alter Geschichten. Der Bezug zur Filmbranche und zum alten Hollywood verleiht dem Buch eine zeitlose, beinah träumerische Stimmung. Oft hatte ich das Gefühl, mich in einer vergangenen Ära zu bewegen, nicht in der Gegenwart.
Die Mythen, Märchen und folkloristischen Elemente sind spannend, düster und wirken magisch. Das Buch lebt weniger von Action als von diesem unterschwelligen Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt und genau das macht seinen Reiz aus.
Holland als Protagonistin
Ich mochte Holland grundsätzlich gern.
Sie glaubt an Magie, verliert sich gerne und zwar ganz bewusst, in Kaninchenlöchern und hat durch die Schnitzeljagden ihres Vaters gelernt, Hinweise zu erkennen und miteinander zu verknüpfen. Diese Anlage ist interessant und hätte enormes Potenzial.
Gleichzeitig wirkt sie oft zu vertrauensselig und sprunghaft. Mehrfach wird ihr geraten, bestimmten Personen nicht zu trauen, doch im Grunde vertraut sie allen. Nicht, weil es logisch begründet wäre, sondern weil es die Handlung gerade verlangt. Dadurch wirkt Holland stellenweise naiv, ohne dass dies im Narrativ aufgefangen wird.
Figuren, Misstrauen & offene Fragen
Die Idee, dass es nicht den einen klaren Love Interest gibt, sondern mehrere Männer mit potenziell gefährlichen Motiven, ist spannend. Man weiß nie genau, wem man trauen kann und genau das soll die Spannung ausmachen.
Das Problem ist jedoch, dass dieses Misstrauen meist unbegründet bleibt. Aussagen stehen im Raum, Warnungen werden ausgesprochen, doch die Motive dahinter bleiben im Dunkeln. Für mich fühlte es sich weniger wie ein cleveres Rätsel und mehr wie bewusst zurückgehaltene Informationen an.
Besonders unbefriedigend blieben:
- die Rolle von Hollands Zwillingsschwester January
- die ungeklärten Umstände des Todes der Eltern
- die Bedeutung der Visitenkarten
- fehlende klärende Gespräche mit Hollands Freundeskreis (vor allem Chance)
- sowie diverse übernatürliche Effekte, die auftreten, aber nicht konsequent erklärt werden
Der Showdown am Ende hat mich eher ratlos als begeistert zurückgelassen. Mir fehlten schlicht Teile des Puzzles, nicht, weil ich unaufmerksam war, sondern weil sie nicht geliefert wurden.
Erzählfluss & Struktur
Ab der zweiten Hälfte gewinnt die Geschichte spürbar an Spannung. Man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht und bleibt dran. Gleichzeitig häufen sich abrupte Szenenwechsel und harte Schnitte. Teilweise springt der Text innerhalb eines Absatzes an einen anderen Ort oder Zeitpunkt, ohne einen sauberen Übergang zu schaffen.
Das mag filmisch gedacht sein, liest sich aber stellenweise holprig. Einige Twists wirken weniger überraschend als vielmehr konstruiert, als wolle der Text die Spannung erzwingen, statt sie organisch entstehen zu lassen
Fazit
Alchemy of Secrets lässt mich zwiegespalten zurück.
Ich liebe die düstere, magische Atmosphäre und das alte Hollywood-Setting, das Stephanie Garber wieder einmal meisterhaft erschafft. Gleichzeitig hat es lange gedauert, bis mich die Geschichte wirklich gepackt hat, und selbst dann sind mir zu viele Fragen offen geblieben.
Die Grundidee ist stark, die Umsetzung jedoch unausgewogen. Motive werden angedeutet, aber nicht erklärt und Konflikte eher vertagt als aufgelöst. Holland ist eine sympathische Protagonistin, wirkt aber oft zu naiv für die Gefahren, in die sie sich begibt.
Ich hoffe sehr, dass der zweite Band hier nachzieht, offene Fäden aufgreift und den Figuren mehr Tiefe verleiht. Das Potenzial ist definitiv da. Jetzt muss es nur noch sauber ausgespielt werden.

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