Blogparaden sind ein fester Bestandteil der Blogwelt und werden dennoch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Für manche sind sie ein willkommener Schreibanlass und eine Möglichkeit zum Austausch, für andere wirken sie eher abschreckend oder unnötig. Nach einem Vorfall, der mich zum Nachdenken gebracht hat, habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Sinn und der Wirkung solcher Aktionen auseinanderzusetzen. Dabei ging es mir weniger um eine Grundsatzdiskussion, sondern vielmehr um die Frage, was Blogparaden leisten können, wo ihre Grenzen liegen und warum sie aus meiner Sicht gerne missverstanden werden.

Austausch und neue Perspektiven

Der Grundgedanke hinter Blogparaden ist einfach. Ein Thema wird in den Raum gestellt und jede Person entscheidet selbst, ob sie sich damit auseinandersetzen möchte oder nicht. Wer teilnimmt, schreibt einen eigenen Beitrag, verlinkt auf die Ursprungsidee und oft auch auf andere Beiträge, die im Rahmen der Aktion entstanden sind. So entsteht eine lose Sammlung unterschiedlicher Sichtweisen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Übereinstimmung.

Gerade dieser Austausch macht für mich einen großen Reiz von Blogparaden aus. Man bleibt nicht in der eigenen Gedankenwelt hängen, sondern bekommt Einblicke darin, wie andere Bloggerinnen und Blogger ein Thema wahrnehmen, bewerten oder ganz anders einordnen. Überschneidungen sind dabei kaum zu vermeiden, denn schließlich beschäftigen sich alle mit derselben Fragestellung. Trotzdem unterscheiden sich die Texte meist deutlich, weil sie von persönlichen Erfahrungen, individuellen Schwerpunkten und unterschiedlichen Hintergründen geprägt sind.

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Vernetzung. Blogparaden führen dazu, neue Blogs zu entdecken, bekannte Stimmen wiederzulesen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Kommentare entstehen häufiger, Diskussionen entwickeln sich organisch und nicht selten bleibt man auch über die Aktion hinaus miteinander verbunden. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig und oberflächlich geworden ist, empfinde ich diesen ruhigeren Austausch als wohltuend.

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Freiwilligkeit statt Verpflichtung

Dabei wird jedoch oft übersehen, dass Blogparaden vollständig auf Freiwilligkeit beruhen. Niemand ist verpflichtet, an einem Thema teilzunehmen, nur weil es existiert. Genauso wenig muss man zu jedem Aufruf eine Meinung haben oder diese öffentlich teilen. Es ist völlig legitim, einen Themenaufruf interessant zu finden, die Beiträge anderer zu lesen und vielleicht zu kommentieren, ohne selbst einen eigenen Artikel zu verfassen. Auch das ist Teil von Austausch und Beteiligung.

Natürlich haben Blogparaden nicht nur positive Seiten. Inhalte können sich ähneln, manche Texte bleiben oberflächlich und nicht jedes Thema spricht alle gleichermaßen an. Das gehört jedoch zur Natur eines offenen Formats. Diese Punkte sind kein Zeichen dafür, dass Blogparaden grundsätzlich problematisch wären, sondern eher Ausdruck davon, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen aufeinandertreffen.

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Die Sache mit dem Missverständnis und der Ablehnung

Manche Menschen reagieren auffallend ablehnend auf Blogparaden, was meist weniger mit dem Format selbst zu tun hat als mit den Bedeutungen, die ihm zugeschrieben werden. Häufig spielt dabei ein starkes Bedürfnis nach Abgrenzung eine Rolle. Wer großen Wert auf Unabhängigkeit und Individualität legt, interpretiert gemeinschaftliche Aktionen schnell als Anpassung oder Gleichschritt. Dass Blogparaden freiwillig sind und keinerlei inhaltliche Vorgaben machen, gerät dabei oft aus dem Blick.

Ein weiterer Faktor ist Unsicherheit im Umgang mit Sichtbarkeit. Wenn viele Menschen zu einem Thema schreiben, relativiert das die eigene Stimme. Für manche fühlt sich das wie ein Bedeutungsverlust an, obwohl es objektiv keiner ist. Statt diese Unsicherheit zu reflektieren, wird das Format selbst abgewertet. Blogparaden dienen dann als Projektionsfläche für das Gefühl, nicht gehört oder nicht ausreichend wahrgenommen zu werden.

Auch Frustration kann eine Rolle spielen. Wer schlechte Erfahrungen mit Communities, Challenges oder dem eigenen Blogwachstum gemacht hat, überträgt diese Erlebnisse mitunter auf Blogparaden. Dabei wird nicht mehr zwischen einzelnen Formaten oder konkreten Abläufen unterschieden, sondern pauschal bewertet. Die Kritik richtet sich dann weniger gegen Inhalte oder Strukturen, sondern gegen das Prinzip gemeinschaftlicher Aktionen an sich.

Hinzu kommt, dass persönliches Nichtgefallen und sachliche Analyse oft miteinander vermischt werden. Es ist völlig legitim, Blogparaden uninteressant zu finden oder sich bewusst dagegen zu entscheiden. Problematisch wird es erst dort, wo aus dieser persönlichen Haltung eine allgemeine Abwertung entsteht. In solchen Fällen geht es nicht mehr um das Format, sondern darum, sich durch Distanzierung selbst aufzuwerten.

Insgesamt entsteht die starke Ablehnung von Blogparaden selten aus nüchterner Betrachtung. Meist spielen emotionale Faktoren wie Abgrenzung, Frustration oder Unsicherheit eine größere Rolle als tatsächliche Schwächen des Formats. Das erklärt, warum die Kritik oft schärfer ausfällt, als es der Sache angemessen wäre.

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Fazit

Blogparaden sind ein freiwilliges Angebot und kein verpflichtendes Format. Sie leben davon, dass Menschen sich bewusst dafür entscheiden, an einem Thema teilzunehmen, ihre eigenen Gedanken zu teilen und andere Perspektiven kennenzulernen. Überschneidungen in den Inhalten sind dabei unvermeidlich und auch kein Zeichen von Einfallslosigkeit, sondern ein natürlicher Bestandteil eines gemeinsamen Diskurses. Genauso legitim ist es jedoch, ein Thema interessant zu finden und dennoch nicht selbst mit einem Beitrag teilzunehmen, sondern lediglich zu lesen und zu kommentieren. Blogparaden sind weder gut noch schlecht, sie sind ein Werkzeug. Wie sinnvoll sie sind, hängt allein davon ab, wie man sie nutzt und welche Erwartungen man an sie stellt.

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Meine persönlichen Erfahrungen mit Blogparaden

Persönlich kann ich sagen, dass ich durch Blogparaden einige wirklich interessante Blogs kennengelernt habe. Oft lese ich nicht nur den eigentlichen Beitrag zur Aktion, sondern schaue mich anschließend noch weiter auf dem jeweiligen Blog um. Genau so sind bei mir schon mehrfach Blogs hängen geblieben, die ich heute regelmäßig lese. Mein eigener Einstieg in solche Formate war der Media Monday vom Medienjournal. Darüber sind über die Zeit auch Kontakte entstanden, mit denen man sich immer Mal wieder austauscht.

Die Teilnahme bei klassischen Challenges fällt mir dagegen deutlich schwerer. Die Idee dahinter ist oft spannend, aber das Dranbleiben fällt mir nicht immer leicht. Wenn Themen sehr eng getaktet sind oder über einen längeren Zeitraum hinweg feste Vorgaben bestehen, gerät das schnell in Konflikt mit meinem Alltag und meiner eigenen Art zu bloggen. Das ist kein grundsätzliches Urteil über Challenges, sondern eher eine persönliche Erkenntnis darüber, was für mich gut funktioniert und was eher nicht.

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