In letzter Zeit bin ich wieder aktiver auf verschiedenen Social-Media-Plattformen unterwegs. Dadurch habe ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, welche Plattformen es inzwischen gibt, welche heute noch genutzt werden und welche davon bekannt sind. Wenn man schon eine ganze Weile im Internet unterwegs ist, nimmt man viele dieser Dienste irgendwann einfach als selbstverständlich wahr. Dabei hat sich die Social-Media-Landschaft in den vergangenen Jahren enorm verändert.

Wenn ich an meine eigenen Anfänge zurückdenke, war die Auswahl noch deutlich überschaubarer. Im September 2009 machte ich meine erste Bekanntschaft mit Facebook, etwa ein Jahr später kam Twitter dazu und irgendwann danach meldete ich mich auch bei Instagram an. Danach folgten nach und nach immer mehr. Manche Plattformen habe ich nur kurz ausprobiert, andere über Jahre genutzt, einige irgendwann wieder verlassen und bei wieder anderen bin ich nach einer längeren Pause erneut gelandet.

Gerade dadurch ist mir erst bewusst geworden, wie unterschiedlich diese Plattformen inzwischen sind. Das heutige Facebook hat mit dem Facebook meiner Anfangszeit nur noch bedingt etwas gemeinsam. Twitter heißt inzwischen X, Instagram ist schon lange nicht mehr nur eine Plattform für Fotos, und neben den großen Namen gibt es inzwischen Netzwerke wie Threads, Bluesky oder Mastodon. Gleichzeitig gehören auch Dienste wie Reddit, Pinterest oder YouTube zum Bereich Social Media, obwohl sie sich ganz anders anfühlen.

Besonders interessant finde ich außerdem eine weitere Entwicklung: neue Social-Media-Projekte aus Europa, die bewusst versuchen, Alternativen zu den großen amerikanischen und chinesischen Plattformen aufzubauen.

Da lag die Frage irgendwann ziemlich nahe: Was gibt es heute eigentlich alles und was davon gehört überhaupt zu Social Media?

Was bedeutet Social Media eigentlich?

Als Social Media werden digitale Plattformen bezeichnet, auf denen Menschen eigene Inhalte erstellen, veröffentlichen, teilen und miteinander interagieren können. Dabei kann es sich um Texte, Fotos, Videos, Livestreams oder Links handeln. Gleichzeitig können andere Nutzer auf die Inhalte reagieren, sie kommentieren, weiterverbreiten oder eigene Communities bilden.

So einfach ist die Einordnung trotzdem nicht. Ein Instagram-Profil funktioniert schließlich ganz anders als ein Subreddit. Pinterest wird von vielen eher wie eine visuelle Suchmaschine benutzt, YouTube ist gleichzeitig Videoplattform und soziales Netzwerk und Discord bewegt sich zwischen Messenger, Forum und Community-Plattform.

Es gibt also nicht die eine Form von Social Media. Vielleicht ist gerade deshalb die Liste inzwischen wesentlich länger als zunächst vermutet.

Facebook – mein persönlicher Einstieg in Social Media

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Facebook war für mich der Anfang. Als ich mich im September 2009 dort anmeldete, fühlte sich die Plattform noch deutlich anders an als heute. Facebook war vor allem ein Ort, an dem man Menschen wiederfand, die man aus der Schule, von der Arbeit oder dem echten Leben kannte. Man schrieb auf Pinnwände, lud ganze Fotoalben hoch, kommentierte bei Freunden und bekam mit, was im näheren Umfeld passierte.

Mit der Zeit wurde Facebook immer größer und umfangreicher. Es kamen Gruppen, Unternehmensseiten, Veranstaltungen, Videos, Reels und der Marketplace hinzu. Aus dem vergleichsweise einfachen sozialen Netzwerk wurde eine Plattform, die gefühlt alles gleichzeitig sein möchte.

Auch wenn Facebook heute gerade bei jüngeren Nutzern deutlich weniger präsent ist als früher, ist die Plattform deshalb keineswegs verschwunden. Gerade Gruppen, lokale Veranstaltungen und bestimmte Communities funktionieren dort weiterhin erstaunlich gut.

Für mich ist Facebook inzwischen fast so etwas wie ein digitales Fossil meiner eigenen Internetgeschichte. Nur eines, das sich hartnäckig weigert, auszusterben. Mein Feed besteht gefühlt nur noch aus Werbung und Vorschlägen für Seiten (und Personen), die mich nicht interessieren.

Twitter beziehungsweise X – kurze Gedanken öffentlich teilen

Etwa ein Jahr nach Facebook kam bei mir Twitter dazu. Und Twitter fühlte sich damals vollkommen anders an.

Während bei Facebook der Fokus noch sehr stark darauf lag, mit Menschen verbunden zu sein, die man kannte, drehte sich bei Twitter alles um öffentliche Gespräche. Man schrieb kurze Gedanken, kommentierte aktuelle Ereignisse und folgte Menschen, die man persönlich gar nicht kannte. Über gemeinsame Interessen kam man teilweise sogar miteinander ins Gespräch.

Gerade für Nachrichten, Veranstaltungen, Medien oder einfach spontane Alltagsbeobachtungen fand ich das Konzept lange Zeit sehr spannend. Twitter war deutlich offener und schneller als Facebook.

2022 wurde die Plattform von Elon Musk übernommen und 2023 schließlich in „X„ umbenannt. Seitdem hat sich dort einiges verändert. Gleichzeitig sind mehrere andere Plattformen gewachsen, die zumindest teilweise das frühere Twitter-Gefühl aufgreifen.

Trotzdem bleibt das Grundprinzip bis heute erkennbar: kurze öffentliche Beiträge, Antworten, Diskussionen und das berühmte Gefühl, dass plötzlich vollkommen fremde Menschen sehr leidenschaftlich über ein Thema streiten, über das man vor zehn Minuten noch überhaupt nicht nachgedacht hat.

Instagram – als Fotos noch wirklich im Mittelpunkt standen

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Nach Facebook und Twitter kam für mich Instagram.

Als (Hobby-)Fotografin fand ich die Plattform besonders interessant, denn ursprünglich war Instagram sehr stark auf Fotografie ausgerichtet. Man konnte einzelne Bilder veröffentlichen, erhielt Feedback, entdeckte andere Fotografen und konnte vergleichsweise einfach eine kleine Community rund um die eigenen Bilder aufbauen.

Wenn ich Instagram heute öffne, merke ich allerdings ziemlich deutlich, wie stark sich die Plattform verändert hat. Zwar gibt es Fotos weiterhin, aber Stories, Reels, Videos und algorithmisch vorgeschlagene Inhalte spielen inzwischen eine wesentlich größere Rolle.

Besonders spannend finde ich, dass ausgerechnet eine Plattform, die durch Fotos groß geworden ist, ihre Nutzer nun sehr stark in Richtung Video drängt. Für Fotografen ist Instagram deshalb heute eine merkwürdige Mischung: Einerseits ist es nach wie vor eine der bekanntesten Plattformen, um eigene Bilder zu zeigen. Andererseits hat man manchmal das Gefühl, mit einem einzelnen Foto gegen eine Flut von Reels anzutreten.

Und genau an diesem Punkt begann sich Social Media insgesamt deutlich zu verändern. Es ging immer weniger darum, Menschen zu folgen, die man bereits kannte oder bewusst ausgewählt hatte. Stattdessen rückten Algorithmen in den Mittelpunkt, die zunehmend mitentscheiden, welche Inhalte überhaupt sichtbar werden.

TikTok – wenn der Algorithmus wichtiger wird als das eigene Netzwerk

TikTok hat diese Entwicklung besonders stark geprägt. Im Gegensatz zu Facebook oder dem früheren Instagram muss man dort nicht erst vielen Accounts folgen, damit der eigene Feed interessant wird. Stattdessen versucht der „Für dich“-Feed anhand des bisherigen Nutzungsverhaltens vorherzusagen, welche Inhalte gefallen könnten.

Dadurch hat sich die Art und Weise, wie wir Social Media konsumieren, verändert. Wir suchen uns nicht mehr selbst aus, wem wir folgen möchten. Stattdessen werden uns ständig neue Inhalte von Menschen vorgeschlagen, von denen wir vorher noch nie gehört haben.

Das System war so erfolgreich, dass andere Plattformen ähnliche Funktionen übernommen haben. So hat Instagram Reels eingeführt, YouTube Shorts und inzwischen scheint kaum noch eine größere Plattform ohne kurze Hochkantvideos auszukommen.

Offensichtlich hat das Internet irgendwann kollektiv beschlossen, dass unsere Aufmerksamkeit eine äußerst knappe Ressource ist, weshalb spätestens nach drei Sekunden etwas Neues passieren muss.

Threads – zurück zum kurzen Text

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Threads gehört wie Facebook und Instagram zu Meta und wurde im Jahr 2023 gestartet. Im Mittelpunkt stehen wieder stärker kurze Textbeiträge und öffentliche Gespräche. Beiträge können beantwortet, zitiert und geteilt werden. Daneben lassen sich natürlich auch Fotos, Videos und Links veröffentlichen.

Für Instagram-Nutzer ist der Einstieg ziemlich unkompliziert, da beide Plattformen eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig erinnert das grundlegende Konzept deutlich an Twitter bzw. X.

Threads gehört inzwischen auch zu den Plattformen, auf denen ich wieder häufiger unterwegs bin. Dadurch kam bei mir überhaupt erst wieder die Frage auf, welche sozialen Netzwerke es gibt und wie ich sie benutze.

Während ich Instagram beispielsweise sehr stark visuell nutze, geht es bei Threads eher um Gedanken, Beobachtungen, Diskussionen und den direkten Austausch mit anderen.

Bluesky – ziemlich viel vom alten Twitter

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Auch Bluesky erinnert auf den ersten Blick sehr stark an das frühere Twitter. Kurze Beiträge, Antworten, Likes, Reposts und öffentliche Feeds sorgen dafür, dass man sich relativ schnell zurechtfindet.

Interessanter wird es allerdings beim technischen Hintergrund. Die Plattform basiert auf dem offenen AT Protocol und verfolgt damit einen dezentraleren Ansatz. Langfristig soll dadurch die Kommunikation zwischen verschiedenen Diensten ermöglicht werden und Nutzer sollen weniger stark an einen einzelnen Anbieter gebunden sein.

Bluesky selbst ist allerdings ein US-amerikanisches Unternehmen. Dezentral bedeutet also nicht automatisch europäisch oder unabhängig von amerikanischen Firmen.

Trotzdem finde ich die technische Idee dahinter interessant, da sie sich deutlich von den vollständig abgeschlossenen Systemen klassischer Plattformen unterscheidet.

Mastodon – Social Media ohne einen großen zentralen Betreiber

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Mastodon verfolgt einen noch konsequenteren dezentralen Ansatz. Anstelle eines zentralen Netzwerks gibt es zahlreiche unabhängige Server, sogenannte Instanzen. Nutzer melden sich auf einer dieser Instanzen an und können dennoch mit Personen auf anderen, kompatiblen Servern kommunizieren.

Mastodon gehört zum sogenannten Fediverse. Dahinter steckt vereinfacht gesagt die Idee, dass verschiedene unabhängige soziale Dienste miteinander kommunizieren können, anstatt sämtliche Accounts und Inhalte bei einem einzigen Unternehmen zu sammeln.

Das klingt im ersten Moment komplizierter als „App installieren, Account erstellen, fertig“ – und das ist es teilweise auch. Gleichzeitig bietet dieses System deutlich mehr Unabhängigkeit vom Betreiber einer einzelnen Plattform.

Mastodon wurde 2016 vom deutschen Entwickler Eugen Rochko ins Leben gerufen und hat bis heute seine organisatorischen Wurzeln in Europa. Hinter dem Projekt steht unter anderem die Mastodon GmbH mit Sitz in Deutschland. Gleichzeitig arbeitet das Team an der Gründung einer neuen, gemeinnützigen europäischen Mutterorganisation. Diese soll langfristig sicherstellen, dass Mastodon unabhängig bleibt und nicht von einer einzelnen Person kontrolliert werden kann. Damit ist Mastodon auch Teil der Diskussion um europäischere und dezentralere Social-Media-Strukturen, obwohl das Netzwerk schon wesentlich länger existiert als viele der neuen Projekte.

Snapchat – Social Media mit Verfallsdatum

Snapchat wurde durch eine damals ziemlich ungewöhnliche Idee bekannt: Bilder und Nachrichten mussten nicht dauerhaft im eigenen Profil bleiben, sondern konnten nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Später kamen Stories, Videos, Filter, öffentliche Inhalte und zahlreiche weitere Funktionen hinzu. Einige Konzepte, die heute bei Instagram und anderen Plattformen völlig selbstverständlich sind, wurden maßgeblich von Snapchat mitgeprägt.

Gerade bei jüngeren Nutzern spielt Snapchat nach wie vor eine Rolle. In meinem eigenen Umfeld nehme ich die Plattform allerdings wesentlich weniger wahr als beispielsweise Instagram, Threads oder TikTok.

Das zeigt wiederum ganz gut, wie subjektiv die Frage ist, welche Social-Media-Plattform eigentlich „groß“ oder „relevant“ ist. Je nach Altersgruppe, Interessen und Umfeld kann die Antwort vollkommen unterschiedlich ausfallen.

Reddit – Forum oder Social Media?

Bei Reddit musste ich tatsächlich kurz überlegen. Gehört das überhaupt zu Social Media?

Ja, tut es.

Reddit fühlt sich allerdings ganz anders an als Instagram, Facebook oder TikTok. Die Plattform besteht aus unzähligen sogenannten Subreddits, die jeweils bestimmten Themen gewidmet sind. Es gibt Communities für Bücher, Gaming, Fotografie, Reisen, Technik, bestimmte Städte, Tiere, Wissenschaft und sogar für Dinge, von deren Existenz man lieber nichts erfahren hätte.

Nutzer:innen veröffentlichen Beiträge, Bilder oder Links, kommentieren miteinander und können Inhalte hoch- bzw. herunterwählen. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen sozialen Netzwerken besteht darin, dass bei Reddit meistens das Thema und nicht die Person im Mittelpunkt steht.

Ich muss niemanden persönlich kennen oder einem bestimmten Menschen folgen. Stattdessen suche ich mir die Communities aus, deren Themen mich interessieren.

Reddit ist somit eine interessante Mischung aus klassischem Internetforum und modernem sozialen Netzwerk und ein gutes Beispiel dafür, wie weit der Begriff Social Media inzwischen gefasst werden kann.

Pinterest – Social Media oder doch eher Suchmaschine?

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Auch Pinterest lässt sich nicht eindeutig in eine Kategorie einordnen. Nutzer können Inhalte als sogenannte Pins speichern, Pinnwände anlegen, anderen Accounts folgen und Inhalte anderer Nutzer weiterverbreiten. Damit verfügt Pinterest über typische Social-Media-Funktionen.

Gleichzeitig nutzen viele Menschen Pinterest eher wie eine visuelle Suchmaschine. Sie suchen dort beispielsweise nach Einrichtungsideen, Rezepten, Reisezielen, Bastelprojekten, Mode oder Fotografie und speichern interessante Inhalte für später.

Die direkte Kommunikation zwischen Nutzern spielt eine wesentlich geringere Rolle als beispielsweise bei Threads, Facebook oder Reddit.

Trotzdem wird Pinterest normalerweise dem Bereich Social Media zugerechnet. Und vielleicht zeigt gerade Pinterest sehr schön, dass eine Plattform nicht zwingend hauptsächlich aus Diskussionen, Likes und Selbstdarstellung bestehen muss, um sozial zu sein.

YouTube – eigentlich irgendwie Social Media

YouTube wird in der Regel zuerst als Videoplattform bezeichnet. Das ist natürlich vollkommen richtig. Gleichzeitig erfüllt YouTube aber auch praktisch alle grundlegenden Merkmale einer Social-Media-Plattform.

Menschen erstellen eigene Inhalte, veröffentlichen Videos, abonnieren andere Kanäle, kommentieren, bewerten und diskutieren miteinander. Hinzu kommen Livestreams, Community-Beiträge und mit YouTube Shorts inzwischen natürlich auch die inzwischen fast unvermeidlichen kurzen Hochkantvideos.

YouTube ist somit eine Videoplattform, eine riesige Suchmaschine, ein Unterhaltungsangebot und ein soziales Netzwerk.

Vielleicht wird YouTube gerade deshalb im normalen Sprachgebrauch seltener mitgedacht, wenn jemand von Social Media spricht. Dabei verbringen viele Menschen vermutlich wesentlich mehr Zeit auf YouTube als auf manchen Plattformen, die wir ganz selbstverständlich als soziale Netzwerke bezeichnen.

Twitch – wenn die Community live dabei ist

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Bei Twitch steht das Livestreaming im Mittelpunkt. Die Plattform wurde vor allem durch Gaming bekannt. Inzwischen wird dort aber zu zahlreichen anderen Themen gestreamt: von Kunst über Musik bis hin zu sogenannten IRL-Streams.

Der soziale Aspekt entsteht insbesondere durch die direkte Kommunikation zwischen Streamern und Zuschauern. Im Chat können Menschen unmittelbar auf das Geschehen reagieren, und rund um einzelne Kanäle entstehen teilweise über Jahre hinweg ziemlich feste Communities.

Twitch bewegt sich damit irgendwo zwischen Streamingdienst, Unterhaltungsplattform und Social Media.

Gerade diese Mischformen finde ich interessant, da sie zeigen, dass sich Social Media nicht mehr nur darüber definiert, dass jemand einen Beitrag veröffentlicht und andere diesen kommentieren.

LinkedIn und Xing – Social Media im Businesskostüm

Auch berufliche Netzwerke sind soziale Netzwerke. Letztendlich funktioniert LinkedIn gar nicht so grundlegend anders als Facebook: Menschen besitzen Profile, vernetzen sich miteinander, veröffentlichen Beiträge, kommentieren diese, reagieren auf sie und folgen Unternehmen oder anderen Personen.

Der Schwerpunkt ist jedoch ein anderer. Hier geht es hauptsächlich um Beruf, Karriere, Unternehmen und Fachthemen statt um Urlaub, Hobby und Alltag.

Im deutschsprachigen Raum gibt es daneben weiterhin Xing, obwohl LinkedIn international wesentlich stärker vertreten ist.

Man könnte also sagen: Es ist Social Media mit Hemd und Blazer. Gelegentlich gibt es auch einen längeren Beitrag darüber, welche tiefgreifende Leadership-Erkenntnis jemand gewonnen hat, weil der Bäcker morgens versehentlich das falsche Brötchen eingepackt hat.

Tumblr – irgendwo zwischen Blog und sozialem Netzwerk

Tumblr existiert seit 2007 und war insbesondere in den 2010er-Jahren für zahlreiche Internet-Subkulturen sehr prägend.

Nutzer können Texte, Bilder, GIFs, Videos und andere Inhalte veröffentlichen. Besonders wichtig ist die Möglichkeit, Beiträge anderer Nutzer auf dem eigenen Tumblr-Blog weiterzuverbreiten. Dieser Vorgang wird auch „Rebloggen” genannt.

Dadurch verbindet Tumblr Elemente eines klassischen Blogs mit denen eines sozialen Netzwerks.

Und ja, für alle, die sich gerade dieselbe Frage stellen wie ich: Tumblr gibt es tatsächlich immer noch.

BeReal – bewusst weniger perfekt

Die aus Frankreich stammende App BeReal wurde als eine Art Gegenentwurf zur Hochglanzwelt vieler anderer sozialer Netzwerke bekannt.

Nutzer:innen erhalten einmal täglich zu einem zufälligen Zeitpunkt die Aufforderung, innerhalb kurzer Zeit ein Foto aufzunehmen. Dabei werden Vorder- und Rückkamera genutzt. Die Idee dahinter war, weniger inszenierte und spontanere Einblicke in den Alltag zu teilen.

Natürlich wird auch dort irgendwann aus „ganz spontan“ ein eigenes Social-Media-Verhalten. Das ursprüngliche Konzept fand ich aber durchaus interessant, da bewusst mit dem Gedanken gespielt wurde, dass nicht jeder Moment perfekt ausgeleuchtet, gefiltert und mehrfach neu aufgenommen werden muss.

Discord, WhatsApp und Telegram – wo hört Social Media eigentlich auf?

Bei einigen Diensten wird die Einordnung zunehmend schwieriger.

discord

Discord verfügt über Server, große Communities, Text- und Sprachkanäle, Rollen und zahlreiche weitere soziale Funktionen. Trotzdem würde ich Discord eher als Kommunikations- und Community-Plattform bezeichnen als als klassisches soziales Netzwerk.

WhatsApp ist eindeutig ein Messenger. Durch die Einführung von Communities und Kanälen sind allerdings Funktionen hinzugekommen, die wiederum an Social Media erinnern. Ähnlich sieht es bei Telegram aus, wo neben privaten Chats auch große öffentliche Kanäle und Gruppen existieren.

Die Grenzen verschwimmen also.

Es ist wahrscheinlich auch gar nicht notwendig, jeden Dienst zwanghaft in eine einzige Schublade zu stecken. Ein Messenger kann soziale Funktionen besitzen, ohne deshalb automatisch dasselbe zu sein wie Instagram oder Reddit.

Social Media aus Europa – geht es auch ohne Silicon Valley?

Während ich mich mit all diesen Plattformen beschäftigt habe, bin ich auf einen Bereich gestoßen, der mich aktuell besonders interessiert: neue europäische Social-Media-Angebote.

Denn ein großer Teil unserer digitalen Kommunikation läuft über Unternehmen außerhalb Europas. Facebook, Instagram und Threads gehören zum US-amerikanischen Konzern Meta, YouTube zu Google beziehungsweise Alphabet. X und Bluesky stammen ebenfalls aus den USA, und TikTok gehört zum chinesischen Unternehmen ByteDance.

Somit hängt ein erstaunlich großer Teil unseres digitalen Alltags von einigen wenigen außereuropäischen Firmen ab.

In diesem Zusammenhang fällt inzwischen häufig der Begriff „digitale Souveränität”. Dahinter steckt für mich jedoch nicht der Gedanke, amerikanische oder chinesische Plattformen grundsätzlich schlechtzureden oder morgen kollektiv sämtliche Accounts zu löschen. Vielmehr finde ich die Frage interessanter, ob Europa langfristig eigene Alternativen und Infrastrukturen braucht und wie abhängig wir eigentlich sein möchten.

Wo liegen unsere Daten? Welchem Recht unterliegt ein Unternehmen? Wer entscheidet darüber, welche Inhalte uns ein Algorithmus bevorzugt anzeigt? Und muss nahezu jede größere Plattform zwangsläufig aus dem Silicon Valley kommen?

Gerade im Jahr 2026 sind mehrere europäische Projekte sichtbarer geworden, die genau an diesen Punkten ansetzen.

eYou – eine europäische Alternative mit Faktencheck

weltenwanderer eYou

Eine dieser Plattformen ist eYou. Das dahinterstehende Unternehmen hat seinen Sitz in Kroatien. Die App ist inzwischen für iOS und Android erhältlich und eYou wirbt ausdrücklich damit, Daten in Europa zu speichern und gemäß den europäischen Datenschutzregeln zu verarbeiten.

Besonders interessant finde ich den Ansatz beim Feed. Laut Anbieter sollen Nutzer mehr Kontrolle darüber erhalten, welche Inhalte sie sehen, statt einem vollkommen undurchsichtigen Empfehlungsalgorithmus ausgeliefert zu sein. Zusätzlich verfügt eYou über ein integriertes Faktencheck-System. Veröffentlichte Beiträge können überprüft und die Ergebnisse durch Quellen ergänzt oder korrigiert werden.

Natürlich sind das zunächst einmal Versprechen des Betreibers. Ob und wie gut ein solches Konzept langfristig funktioniert, lässt sich bei einer vergleichsweise jungen Plattform noch nicht wirklich beurteilen.

Trotzdem finde ich es interessant, dass nicht einfach versucht wird, Instagram oder X möglichst exakt nachzubauen, sondern dass einige der Dinge aufgegriffen werden, die viele Menschen an den heutigen sozialen Netzwerken zunehmend kritisch sehen: undurchsichtige Algorithmen, Desinformation und die Frage, was eigentlich mit den eigenen Daten passiert.

Reflip – der Feed nach den eigenen Regeln

Auch Reflip ist ein europäisches Social-Media-Projekt. Die Plattform wird von der TTI – Technologie-Transfer-Initiative GmbH an der Universität Stuttgart betrieben. Reflip ist somit ein echtes deutsches Projekt und keine App, bei der auf der Startseite lediglich eine Europaflagge zu sehen ist.

Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, den eigenen Feed relativ gezielt zusammenzustellen. Nutzer können festlegen, wie viele Beiträge von den Accounts, denen sie folgen, angezeigt werden sollen, wie stark Empfehlungen einfließen sollen und welche selbst gewählten Themen im Feed erscheinen sollen. Auch die Sprachen sowie die Verteilung zwischen Text-, Bild- und Videobeiträgen lassen sich beeinflussen.

Außerdem setzt Reflip stark auf Faktenchecks. Beiträge aus Bereichen wie Politik, Nachrichten, Gesundheit oder Wissenschaft können automatisch analysiert werden. Anschließend können sich Nutzer Quellen anzeigen lassen, die die Aussagen unterstützen oder ihnen widersprechen. Laut Reflip sollen problematische Aussagen dabei nicht einfach verschwinden, sondern mit zusätzlichen Informationen eingeordnet werden.

Die App ist inzwischen für Android und iOS verfügbar. Auch hier gilt allerdings: Ein interessantes Konzept allein macht noch kein erfolgreiches soziales Netzwerk. Dafür braucht es irgendwann vor allem eines: andere Menschen.

W – ein neues Netzwerk aus Schweden

Ein weiterer ziemlich neuer Kandidat heißt schlicht W und hat seinen Sitz in Schweden. Die Plattform wurde Anfang 2026 vorgestellt und ist im Juni mit einer Beta-Version an den Start gegangen. Nach eigenen Angaben setzt das Unternehmen unter anderem auf verifizierte menschliche Nutzer, Datenschutz und mehr Transparenz.

Anfang 2026 gab es übrigens einige falsche Behauptungen rund um W. In den sozialen Netzwerken wurde verbreitet, die Europäische Union selbst würde die Plattform entwickeln und mit Steuergeldern finanzieren. Das stimmt nicht. W ist ein privat finanziertes schwedisches Unternehmen. Die Europäische Kommission ist später lediglich selbst auf der Plattform aktiv geworden.

Wie sich W entwickeln wird, lässt sich derzeit natürlich kaum sagen. Dafür ist die Plattform schlicht zu jung.

Das gilt letztlich für viele dieser neuen europäischen Angebote.

Das eigentliche Problem neuer sozialer Netzwerke: Wo sind die Menschen?

Eine Social-Media-Plattform kann technisch hervorragend sein, den Datenschutz ernst nehmen, einen ausgezeichneten Algorithmus besitzen und bei jeder Anmeldung persönlich ein Einhorn vorbeischicken. Wenn sich dort jedoch niemand aufhält, mit dem ich mich austauschen möchte, werde ich sie trotzdem kaum benutzen.

Das ist vermutlich die größte Hürde für eYou, Reflip, W und andere neue Netzwerke.

Facebook, Instagram, TikTok oder YouTube besitzen einen gewaltigen Vorteil, der sich nicht einfach durch bessere Technik kopieren lässt. Die Menschen sind bereits dort. Freunde, Unternehmen, Creator, Medien und Communities haben sich über viele Jahre hinweg ihre Netzwerke aufgebaut.

Neue Plattformen kämpfen deshalb mit einem klassischen Henne-Ei-Problem. Nutzer kommen nur, wenn es interessante Inhalte und andere Nutzer gibt. Doch interessante Inhalte und Communities entstehen erst, wenn genügend Nutzer vorhanden sind.

Genau deshalb würde ich aktuell auch noch keine dieser neuen europäischen Plattformen als ernsthaften „Facebook-Killer” oder „X-Konkurrenten” bezeichnen. Dafür ist es schlichtweg zu früh.

Interessant sind sie trotzdem.

Europäisch bedeutet nicht automatisch besser

Einen Punkt finde ich bei der ganzen Diskussion allerdings wichtig: Nur weil eine Plattform aus Europa kommt, ist sie nicht automatisch gut.

Ein europäisches Unternehmen kann genauso schlechte Entscheidungen treffen, Daten fragwürdig nutzen, einen nervigen Algorithmus entwickeln oder seine Plattform irgendwann mit Werbung vollstopfen.

„Made in Europe“ ist für mich deshalb kein Qualitätssiegel, sondern zunächst einmal eine Information darüber, wo ein Unternehmen seinen Sitz hat und welchem rechtlichen Rahmen es unterliegt.

Trotzdem begrüße ich es, dass überhaupt mehr Alternativen entstehen. Konkurrenz kann schließlich auch dafür sorgen, dass sich etablierte Plattformen bewegen müssen. Und allein die Tatsache, dass zunehmend darüber gesprochen wird, wer unsere digitale Infrastruktur kontrolliert, halte ich für sinnvoll.

Mir geht es weniger darum, sich vollständig von den USA „abzukoppeln“, sondern darum, weniger abhängig zu sein.

Das ist ein ziemlich großer Unterschied.

Welche Plattform ist nun die beste?

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto weniger sinnvoll erscheint mir die Frage, welches soziale Netzwerk das beste ist.

Es kommt ganz darauf an, was ich dort machen möchte.

Für die Fotografie ist Instagram trotz aller Veränderungen nach wie vor interessant. Auf Threads kann ich kurze Gedanken veröffentlichen und relativ unkompliziert mit anderen ins Gespräch kommen. Reddit finde ich spannend, wenn mich ein bestimmtes Thema interessiert und die Person hinter einem Account weniger wichtig ist. YouTube nutze ich vollkommen anders als Twitch, Pinterest hingegen eher wie eine Suchmaschine.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich inzwischen auf mehreren Plattformen unterwegs bin. Nicht jede Plattform muss alles können. Und vielleicht müssen wir auch gar nicht mehr das eine soziale Netzwerk finden, auf dem unser komplettes digitales Leben stattfindet.

Wo ihr mich findet

Ich bin selbst auf verschiedenen Plattformen unterwegs – manche nutze ich regelmäßig, andere eher sporadisch. Wenn ihr mir auch außerhalb des Blogs folgen möchtet, findet ihr mich hier:

Von Facebook 2009 bis Social Media 2026

Wenn ich heute zurückblicke, finde ich es schon faszinierend, wie sehr sich Social Media seit meiner Anmeldung bei Facebook im September 2009 verändert hat.

Damals waren soziale Netzwerke für mich vor allem Orte, an denen man Menschen wiederfand und mit ihnen in Kontakt blieb. Etwa ein Jahr später kam Twitter hinzu und plötzlich schrieb man kurze Gedanken öffentlich ins Internet. Mit Instagram wurden Fotos für mich noch wichtiger und nach und nach kamen immer weitere Plattformen hinzu.

Heute diskutieren wir über algorithmisch zusammengestellte Feeds, Kurzvideos, dezentrale Netzwerke, offene Protokolle, Faktenchecks und europäische Datensouveränität. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen immer mehr. Ein Forum kann Social Media sein. Eine Videoplattform ebenfalls. Ein soziales Netzwerk kann gleichzeitig Suchmaschine, Messenger, Marktplatz oder Streamingdienst sein.

Und vermutlich wird dieser Artikel in ein paar Jahren an einigen Stellen schon wieder veraltet sein.

Einige Plattformen werden dann nicht mehr existieren, andere werden plötzlich sehr groß sein. Ein Milliardär wird möglicherweise eine bekannte Plattform in einen einzelnen Buchstaben umbenennen und mindestens eine App wird ein vollkommen neues Format erfinden, das anschließend innerhalb eines halben Jahres von allen anderen kopiert wird.

So funktioniert Social Media inzwischen wohl auch.

Auf welchen Social-Media-Plattformen seid ihr heute noch aktiv? Gibt es eine Plattform, die ihr bewusst verlassen habt? Oder nutzt ihr vielleicht eine kleinere oder europäische Alternative, die mir noch nicht bekannt ist?

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