Ich gehe seit Jahren zu den Spielen des ERC Ingolstadt und verfolge den Verein auch außerhalb der Arena. Gerade deshalb fällt mir momentan stärker auf, dass es nicht nur sportlich an mehreren Stellen hakt, sondern auch rund um die Kommunikation und Außendarstellung. Das Heimspiel gegen Köln am 4. Oktober war ein deutlicher Moment dafür, denn neben einer schwachen Leistung auf dem Eis wurde auf den Rängen sichtbar, wie groß die Unzufriedenheit inzwischen ist.

Im ersten Drittel stellte der Fanblock die Unterstützung weitgehend ein und machte seinen Protest mit Bannern deutlich. Darauf war unter anderem zu lesen: „ERC-GmbH, ihr tragt die Verantwortung! Eine Marketing-Agentur darf sich nicht verselbstständigen! Meinungsfreiheit wahren!” Ein weiterer Spruch lautete: „‚Sichtbar‘ sind beim ERC nur die KI-Fehler!“ Damit richtete sich die Kritik nicht nur gegen die Mannschaft oder das Trainerteam, sondern auch gegen die Außendarstellung und die Verantwortlichen im Verein.

Wenn ein Heimspiel plötzlich erstaunlich still wird

Ein schweigender Fanblock fällt im Eishockey sofort auf. Gerade in einer Halle, in der die Stimmung normalerweise einen großen Teil der Atmosphäre ausmacht, wirkt ein stilles erstes Drittel beinahe gespenstisch. Deshalb fand ich die Aktion deutlich eindrucksvoller als irgendeinen wütenden Kommentar unter einem Facebook-Post.

Es handelte sich nicht um eine spontane Reaktion auf ein schlechtes Drittel, sondern um einen gezielten Protest. Die Botschaft lautete sinngemäß: Hier stimmt etwas grundsätzlich nicht. Dass dabei Marketing, Verantwortung und Meinungsfreiheit angesprochen wurden, zeigt, dass die Unzufriedenheit längst über die sportliche Situation hinausgeht.

ERCI Starting Six

Was mir an der Kommunikation fehlt

Schon seit einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass vor den Spielen weniger konkrete Informationen veröffentlicht werden als früher. Besonders vermisse ich die Mannschaftsaufstellung. Ich fand diese Beiträge immer sehr hilfreich, da man kurz vor Spielbeginn sofort sehen konnte, wer im Kader steht, wer fehlt, welche Reihen verändert wurden und ob es Überraschungen gibt.

Gerade bei Verletzungen, Ausfällen oder Änderungen in der Aufstellung ist das für Fans eine relevante Information. Für mich gehört so etwas zu einem Spieltag einfach dazu. Es muss keine aufwendige Produktion sein und auch kein besonders kreativer Beitrag. Manchmal möchte man als Fan einfach nur wissen, wer heute spielt.

Genau deshalb wirkt es auf mich seltsam, wenn solche einfachen und nützlichen Informationen wegfallen. Die Social-Media-Präsenz eines Profivereins sollte nicht nur hübsch aussehen, sondern vor allem informieren. Wenn genau dieser Teil schwächer wird, merkt man das ziemlich schnell.

Es gibt durchaus gute Inhalte

Dabei möchte ich keineswegs behaupten, dass die Social-Media-Arbeit des ERC grundsätzlich schlecht ist. Im Gegenteil: Vor jedem Spiel gibt es inzwischen historische Beiträge zum jeweiligen Gegner. Dort werden frühere Duelle, besondere Ergebnisse oder Statistiken aus der DEL-Geschichte aufgegriffen und optisch sehr ansprechend präsentiert.

Diese Beiträge finde ich wirklich gelungen. Sie sind sauber gestaltet, interessant und bieten einen echten Mehrwert. Man erfährt etwas über frühere Begegnungen und erhält einen historischen Kontext für das aktuelle Spiel. Gerade solche Formate zeigen, dass gute Ideen vorhanden sind und hochwertige Inhalte produziert werden.

Umso stärker fällt mir allerdings auf, dass parallel dazu grundlegende Spieltagsinformationen fehlen. Historische Rückblicke sind nett und machen Spaß, aber sie ersetzen keine aktuelle Mannschaftsaufstellung. Wenn beides nebeneinander existieren würde, wäre das für mich vollkommen stimmig. Wenn der aufwendig gestaltete Rückblick kommt, die unmittelbaren Informationen zum heutigen Spiel aber nicht, wirkt die Gewichtung merkwürdig.

Marketing ist nicht dasselbe wie Kommunikation

Genau hier liegt für mich einer der größten Punkte. Marketing und Kommunikation sind nicht dasselbe. Ein Verein kann sehr hübschen Content produzieren und trotzdem kommunikativ an seinen Fans vorbeiarbeiten.

Gerade ein Sportverein lebt von Aktualität, Nähe und Emotion. Die Fans wollen wissen, was rund um die Mannschaft passiert. Sie wollen vor dem Spiel informiert werden, während des Spieltags mitgenommen werden und im besten Fall das Gefühl haben, dass der Verein nah am Geschehen ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass täglich zwanzig Beiträge veröffentlicht werden müssen. Dauerbeschallung braucht niemand. An einem Spieltag sollten jedoch einige Dinge selbstverständlich sein: eine Spielankündigung, eine Aufstellung, Informationen zu Ausfällen, vielleicht ein paar Eindrücke aus der Arena und nach dem Spiel eine vernünftige Einordnung.

Das ist für mich kein Luxus, sondern Fanservice. (Und vielleicht übertreibe ich hier gerade etwas mit meinen Ausführungen.)

Was ist mit der externen Marketing-Agentur?

Aus dem Umfeld wurde mir mitgeteilt, dass die Marketingaufgaben inzwischen an eine externe Agentur vergeben wurden, die nicht aus Ingolstadt stammt. Ich kann selbst nicht offiziell belegen, welche Aufgaben genau dort liegen und wie weit diese Zusammenarbeit geht. Deshalb möchte ich daraus auch keine Tatsachenbehauptung machen.

Fanblock des ERCI Demonstration gegen Marketing Agentur
„ERC-GmbH, ihr tragt die Verantwortung! Eine Marketing-Agentur darf sich nicht verselbstständigen! Meinungsfreiheit wahren!“

Die Banner im Fanblock zeigen jedoch ziemlich eindeutig, dass dieses Thema offenbar auch innerhalb der Fanszene diskutiert wird. Der Satz „Eine Marketing-Agentur darf sich nicht verselbstständigen“ ist schließlich sehr konkret formuliert.

Für mich wäre dabei übrigens überhaupt nicht entscheidend, wo diese Agentur sitzt. Ob Ingolstadt, München, Leipzig oder irgendwo anders, ist vollkommen nebensächlich. Entscheidend ist, ob eine Agentur versteht, wie ein Eishockeyverein funktioniert und welche Informationen Fans brauchen (und wollen).

Ein Sportverein ist eben kein austauschbares Produkt. Es gibt Spieltage, Verletzungen, Rivalitäten, Geschichte, besondere Momente und eine gewachsene Fanszene. Wenn die Kommunikation zu weit vom Verein entfernt stattfindet, besteht immer die Gefahr, dass genau diese Nähe verloren geht.

Wenn KI wichtiger wirkt als Information

Auch der zweite Banner mit der Aussage „‚Sichtbar‘ sind beim ERC nur die KI-Fehler!“ wurde nicht zufällig gewählt. Offenbar gab es zuletzt Kritik an den grafischen Inhalten, bei denen Fehler aufgefallen sind und bei denen der Verdacht nahe lag, dass es sich um KI-generierte Elemente handelt.

Fanblock des ERCI Demonstration gegen Marketing Agentur
„‚Sichtbar‘ sind beim ERC nur die KI-Fehler!“

Grundsätzlich habe ich kein Problem mit künstlicher Intelligenz. KI kann ein hilfreiches Werkzeug sein, und ich nutze sie selbst. Das Problem beginnt für mich nicht beim Einsatz von KI, sondern dort, wo Inhalte ungeprüft veröffentlicht werden.

Wenn bei einem offiziellen Vereinsauftritt Logos verändert erscheinen, Details nicht stimmen oder sichtbare Fehler enthalten sind, dann ist das schlicht eine schlechte Qualitätskontrolle. Gerade ein Vereinslogo gehört zu den Dingen, bei denen besonders genau hingeschaut werden sollte.

Noch problematischer wird es, wenn gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass für kreative oder grafische Inhalte Zeit vorhanden ist, einfache Spieltagsinformationen aber fehlen. Dann entsteht schnell das Gefühl, dass am falschen Ende priorisiert wird.

ERCI Aushang Kiosk
Ich habe den Rechtschreibfehler gefunden

Hier wird besonders deutlich, was ich mit KI-Fehlern meine. Beim Panther im Logo stimmen die Proportionen und die Gesichtszüge teilweise nicht mehr. Stellenweise sieht die Raubkatze fast wie ein Hund aus. Das ist für mich besonders problematisch, weil es sich um das Vereinslogo handelt. KI kann ein nützliches Werkzeug sein, aber gerade bei offiziellen Motiven sollte am Ende unbedingt jemand sehr genau prüfen, ob das Logo, die Farben und die Details korrekt dargestellt sind.

ERCI Aushang Kiosk
Quelle: Instagram-Story von „derpantherholiker“ https://www.instagram.com/derpantherholiker/

Unabhängig von den Fehlern gefallen mir diese KI-generierten Plakate optisch überhaupt nicht. Viele Motive ähneln sich inzwischen sehr und verlieren dadurch genau die Eigenständigkeit, die ich bei einem Vereinsauftritt erwarten würde.

Die sportliche Situation macht alles lauter

Natürlich spielt auch die aktuelle sportliche Lage eine Rolle. Gewinnt eine Mannschaft, werden viele Dinge weniger kritisch wahrgenommen. Läuft es hingegen schlecht, stehen automatisch auch andere Bereiche stärker unter Beobachtung.

Das Spiel gegen Köln war jedenfalls alles andere als überzeugend. Es fehlte an vielen Stellen und die Unzufriedenheit der Fans war im Anschluss deutlich zu spüren. In den Kommentaren ging es um die schwache Defensive, die fehlende Konsequenz, die Special Teams, die Fitness und die generelle Frage, warum die Mannschaft momentan so wenig Stabilität zeigt.

Trotzdem sollte man die sportlichen Probleme und die Kritik an Marketing und Kommunikation nicht vermischen. Ein schlechtes Powerplay hat beispielsweise nichts damit zu tun, ob eine Mannschaftsaufstellung veröffentlicht wird. Eine schwache Defensive erklärt auch nicht, warum Fans das Gefühl haben, vor einem Heimspiel kaum abgeholt zu werden.

Beides kann gleichzeitig schlecht laufen. Und vielleicht ist genau das momentan das Problem. I don’t know…

Kritik bedeutet nicht, gegen den Verein zu sein

Bei solchen Themen wird schnell der Vorwurf laut, man solle doch hinter dem Verein stehen und nicht ständig kritisieren. Für mich gehört Kritik aber gerade dann dazu, wenn einem ein Verein wichtig ist..

Wer regelmäßig zu Spielen geht, Eintritt oder eine Dauerkarte bezahlt, Trikots trägt und einen großen Teil seiner Freizeit mit dem Verein verbringt, ist nicht weniger Fan, nur weil er Entscheidungen hinterfragt. Im Gegenteil: Wenn mir der ERC egal wäre, würde mich all das überhaupt nicht beschäftigen.

Kritik ist nicht automatisch Illoyalität. Sie kann auch bedeuten, dass man möchte, dass etwas wieder besser funktioniert.

Genau deshalb fand ich den Protest des Fanblocks so wichtig. Ein schweigendes erstes Drittel ist keine schöne Sache, aber manchmal vielleicht notwendig, damit sichtbar wird, wie groß der Frust inzwischen ist.

Was ich mir vom ERC wünsche

Ich wünsche mir weder eine gigantische Social-Media-Offensive noch eine künstlich erzeugte Dauerbegeisterung. Vor allem wünsche ich mir wieder mehr Nähe und Verlässlichkeit.

Die historischen Spieltagsserien dürfen gerne bleiben, denn die finde ich wirklich gelungen. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass die einfachen Dinge wieder stärker berücksichtigt werden. Dazu gehören Mannschaftsaufstellungen, aktuelle Informationen zum Spiel und ein klarer Überblick darüber, wer fehlt und was rund um die Mannschaft passiert.

Außerdem wünsche ich mir, dass Kritik aus der Fanszene nicht als Störung, sondern als Signal wahrgenommen wird. Wenn ein kompletter Fanblock während eines Heimspiels schweigt und Banner gegen die Außendarstellung des Vereins hochhält, sollte man das nicht einfach abtun.

Ein Profiverein lebt nicht nur von Ergebnissen und Sponsoren. Er lebt auch davon, dass sich Menschen mit ihm identifizieren. Und diese Verbindung sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Also in Zukunft bitte Finger weg von KI erzeugten Inhalten!

Mein Fazit

Beim ERC Ingolstadt läuft es momentan nicht schlecht. Es gibt gute Ideen, gelungene Inhalte und Formate, die mir gefallen. Gerade deshalb finde ich die aktuellen Schwächen bei der direkten Kommunikation umso bedauerlicher.

Derzeit wirkt es auf mich, als würde an manchen Stellen sehr viel Wert auf Gestaltung und Marketing gelegt, während einfache, fanrelevante Informationen zu kurz kommen. Hinzu kommt die Kritik an KI-Fehlern, die Diskussion um eine externe Agentur und nun ein sichtbarer Protest aus dem Fanblock.

Das sollte man ernst nehmen.
Denn am Ende braucht ein Eishockeyverein nicht nur gutes Marketing.
Er braucht vor allem eine gute Verbindung zu seinen Fans.

Wie erlebt ihr die aktuelle Außendarstellung des ERCI? Fehlen euch ebenfalls Mannschaftsaufstellungen und mehr direkte Spieltagsinformationen, und wie steht ihr zum Einsatz von KI im Vereinsmarketing?

trenner strich

PS: Mir ist wichtig zu ergänzen, dass ich nicht glaube, dass beim ERC inzwischen grundsätzlich jede Grafik mit KI erstellt wird. Es gibt weiterhin Inhalte, die auf mich klassisch gestaltet wirken und die ich auch wirklich gelungen finde. Meine Kritik bezieht sich auf die Motive, bei denen sichtbare KI-Fehler auftauchen und vor allem darauf, dass solche Fehler offenbar trotzdem veröffentlicht (damit meine ich auch, als Plakate am Kiosk ausgehängt) werden.

5 1 abstimmen
Artikel Bewertung

Kategorie:

Eishockey,