Manchmal entstehen die schönsten Ausflüge ganz spontan. So war es auch diesmal mit Nördlingen. Okay, nicht ganz spontan, es war schon ein paar Wochen ausgemacht 😉

Judi und Bär hatten geplant, ein Wochenende dort zu verbringen. Nördlingen ist unter „Attack on Titan”-Fans ziemlich bekannt, da die vollständig erhaltene Stadtmauer und das mittelalterliche Stadtbild viele an Shiganshina aus dem Anime erinnern. Ob die Stadt tatsächlich als direkte Vorlage diente, ist zwar nicht bestätigt, aber für Fans ist die Ähnlichkeit natürlich trotzdem spannend. Da Bär ein großer Fan ist, stand Nördlingen für die beiden auf der Liste.

Was hat Nördlingen mit „Attack on Titan“ zu tun?

Fans des Anime oder Manga „Attack on Titan” werden bei Nördlingens Stadtmauer schnell an die ummauerten Städte der Serie erinnert. Besonders häufig wird Nördlingen mit dem Bezirk Shiganshina in Verbindung gebracht.

Deshalb hält sich im Internet seit Jahren die Behauptung, Nördlingen habe dem Manga-Schöpfer Hajime Isayama als direkte Vorlage gedient. Isayama hat diese Verbindung allerdings nie offiziell bestätigt. Treffender ist deshalb die Formulierung, dass Nördlingen unter Fans als mögliche Inspiration gilt. Die Ähnlichkeit hat inzwischen sogar dazu geführt, dass Fans aus aller Welt die Stadt besuchen.

Ich hatte eher zufällig in Judis Stream von ihren Plänen erfahren und dachte mir sofort: Moment mal, Nördlingen ist doch gar nicht so weit von mir entfernt. Also fragte ich, ob wir uns dort treffen wollen.

Gesagt, getan.

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Ein Teil der Stadtmauer von Nördlingen und der Feilturm

Auf nach Nördlingen

Am Samstagmittag setzte ich mich also in meinen Hexenbesen und düste knapp 90 Kilometer über die Bundesstraße nach Nördlingen. Tatsächlich war ich zuletzt irgendwann während meiner Schulzeit dort gewesen. Vermutlich bei einem Schulausflug. Besonders viele Erinnerungen daran hatte ich allerdings nicht mehr, weshalb sich der Besuch fast wie ein kleines Wiederentdecken angefühlt hat.

Nördlingen auf einen Blick

Die Stadt Nördlingen liegt im bayerischen Schwaben, mitten im Nördlinger Ries, und gehört zur Romantischen Straße. Die Stadt ist besonders bekannt für ihren mittelalterlichen Stadtkern und die vollständig erhaltene Stadtmauer. Letztere umschließt den historischen Stadtkern einmal komplett und ist begehbar.

Die heutige Stadtmauer stammt aus dem Jahr 1327 und verfügt über fünf Tore, zwölf Türme und eine Bastei. Über der Altstadt ragt der rund 90 Meter hohe Kirchturm „Daniel“ der St.-Georgs-Kirche empor. Nördlingen war über Jahrhunderte hinweg eine freie Reichsstadt und hat heute rund 22.000 Einwohner.

Eine weitere Besonderheit liegt unter der Stadt selbst: Die Stadt befindet sich im rund 15 Millionen Jahre alten Nördlinger Ries, einem durch einen Asteroiden entstandenen Einschlagkrater.

Kurz vor 14 Uhr kam ich in Nördlingen an, wo wir uns in einem Eiscafé trafen. Ich habe mich sehr gefreut, Judi und Bär wiederzusehen. Bevor wir uns weiter durch die Stadt bewegten, gab es deshalb erst einmal Latte Macchiato und Eis. Man muss schließlich Prioritäten setzen 😄.

Judi und Bär hatten zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich mehr von Nördlingen gesehen als ich. Sie waren schon auf dem Daniel gewesen und hatten außerdem die komplette Stadtmauer umrundet.

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Der „Daniel“. Judi und Bär waren da oben, ich nicht.

Der „Daniel“

Der rund 90 Meter hohe Kirchturm der St.-Georgs-Kirche ist eines der Wahrzeichen Nördlingens. Von seiner Spitze aus hat man einen weiten Blick über die kreisförmige Altstadt und das Nördlinger Ries. Bis heute ruft der Türmer am Abend vom „Daniel” den historischen Wächterruf „So G’sell, so”.

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Der Hexenfelsen

Nach unserer kleinen Stärkung machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Hexenfelsen außerhalb der Stadtmauer. Allein der Name war natürlich schon ein überzeugendes Argument für einen Besuch. Danach zog es uns wieder zurück in die Stadt und in das kleine Café Kasarm.

Was bedeutet eigentlich „Kasarm“?

Der Name „Kasarm“ geht auf das italienische Wort „caserma“ zurück. Das Gebäude an der Reimlinger Mauer war früher eine sogenannte Soldatenwohnung und wurde im 17. oder 18. Jahrhundert errichtet. In Kriegszeiten diente es zur Unterbringung fremder Soldaten.

Die erste archivalische Erwähnung stammt aus dem Jahr 1735, später wurde das Gebäude erweitert und ausgebaut. 2015 wurde es instand gesetzt und saniert. Heute befindet sich dort das kleine Café Kasarm.

Überhaupt bestand ein überraschend großer Teil unseres Tages aus Laufen, Kaffee trinken, Essen und gemütlichem Zusammensitzen. Ich finde, das ist ein ziemlich gelungenes Konzept 😄.

Einmal quer durch die Speisekarte

Für den Abend hatte Bär einen Tisch im „Ba Tu“ reserviert. Das ist eine „Asian Cuisine & Sushi Bar“ in Nördlingen. Ich entschied mich für das Peanut Vegan mit veganer Ente und das Essen war wirklich sehr lecker.

Nach dem Abendessen gingen wir gegen halb acht noch einmal auf die Stadtmauer. Für Judi und Bär war es bereits die zweite Runde des Tages, für mich immerhin die erste. Natürlich hatte ich meine Kamera dabei und konnte das schöne Abendlicht noch für ein paar Fotos nutzen.

nördlingen stadtmauer sonnenuntergang

Gerade am Abend hat Nördlingen eine ganz besondere Atmosphäre. Die alten Häuser, die engen Straßen und die Stadtmauer wirken ohnehin schon ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Wenn dann das Licht langsam weicher wird und weniger Menschen unterwegs sind, wird es noch einmal richtig gemütlich.

Später ließen wir den Abend in einem griechischen Restaurant ausklingen. Gegessen haben wir dort nichts mehr, irgendwann war selbst bei uns die Grenze erreicht. Wir haben einfach noch etwas getrunken, weitergeredet und den Tag ganz entspannt ausklingen lassen.

nördlingen fachwerkhaus

Und genau das mochte ich an diesem Treffen besonders.

Es gab keinen Stress und kein riesiges Programm, das unbedingt abgearbeitet werden musste. Wir sind durch Nördlingen gelaufen, haben gegessen, Kaffee getrunken und uns unterhalten. Es gab schöne Gespräche, viel Lachen und alles war ganz entspannt.

nördlingen fachwerkhaus

Auch Nördlingen selbst hat mir richtig gut gefallen. Die Stadt war angenehm ruhig, die Menschen, denen wir begegnet sind, waren freundlich, und ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, mich durch Menschenmassen bewegen zu müssen. Vielleicht lag es auch daran, dass mein letzter Besuch schon so lange zurücklag, aber ich war positiv überrascht, wie schön ich die Stadt fand.

Gegen 22:30 Uhr verabschiedete ich mich schließlich von Judi und Bär und machte mich wieder auf den Heimweg. Unterwegs sah ich sogar noch eine Sternschnuppe. Das war so das i-Tüpfelchen des Tages. Eigentlich hätte der Tag damit ziemlich perfekt enden können.

nördlingen stadtmauer

Und dann kam die Bundesstraße

Leider war die Heimfahrt deutlich weniger entspannt.

Dass auf Bundesstraßen gerne einmal zu schnell gefahren oder viel zu dicht aufgefahren wird, ist ja leider nichts Neues. Was mich an diesem Abend aber wirklich wahnsinnig gemacht hat, waren die Autofahrer, die ihr Fernlicht einfach nicht ausgeschaltet haben.

Einige reagierten zumindest auf meine Lichthupe und schalteten anschließend das Fernlicht ab. Damit kann ich leben. Menschen vergessen schließlich auch mal etwas.

Einer allerdings überhaupt nicht.

nördlingen daniel

Der Wagen kam mir mit vollem Fernlicht entgegen und blendete mich so stark, dass ich schließlich abbremsen musste, da ich für einen Moment kaum noch etwas erkennen konnte. Auch auf meine Lichthupe hat der Fahrer nicht reagiert. Zum Glück war direkt hinter mir niemand.

Ich bin ohnehin ziemlich lichtempfindlich, aber selbst ohne diese Empfindlichkeit ist so etwas schlicht gefährlich. Fernlicht ist großartig, wenn man nachts auf einer dunklen Straße unterwegs ist und niemanden vor sich oder im Gegenverkehr hat. Sobald ein anderes Fahrzeug entgegenkommt, gehört es ausgeschaltet.

Das ist nun wirklich keine komplizierte Verkehrsregel.

Wenn euch also nachts jemand entgegenkommt: Macht bitte euer verdammtes Fernlicht aus.

Danke! 😑

Trotzdem ein richtig schöner Tag

Von der nervigen Heimfahrt lasse ich mir den Tag trotzdem nicht kaputtmachen, denn der Rest war einfach viel zu schön. Ich habe Judi und Bär wiedergetroffen, Nördlingen nach vielen Jahren neu entdeckt, lecker gegessen, ein paar schöne Fotos gemacht und vor allem einen wunderbar entspannten Nachmittag und Abend verbracht.

Gerade solche Tage zeigen mir immer wieder, dass es gar kein spektakuläres Programm braucht. Ein schöner Ort, Menschen, die man gerne hat, gutes Essen, viel Zeit zum Reden und ein bisschen durch die Gegend laufen reichen manchmal völlig aus. Und dass ich auf dem Heimweg dann auch noch eine Sternschnuppe gesehen habe, war irgendwie noch der passende kleine Abschluss für diesen schönen Tag ✨.

nördlingen stadtmauer

Attack on Titan ist in Nördlingen überall ein bisschen sichtbar

Zum Schluss noch eine kleine Beobachtung, die mir während unseres Spaziergangs aufgefallen ist: Der Fankult rund um „Attack on Titan” ist in Nördlingen tatsächlich an vielen Stellen sichtbar. An der Stadtmauer und auch an anderen Orten findet man immer wieder Zeichnungen, Kritzeleien oder kleine Motive aus der Serie, die von Fans dort hinterlassen wurden.

Einerseits zeigt das, wie stark Nördlingen inzwischen mit „Attack on Titan” verbunden wird und wie viele Fans wegen dieser Verbindung in die Stadt kommen. Andererseits sind solche Zeichnungen an historischen Mauern und Gebäuden nicht erlaubt. So sehr ich die Begeisterung für die Serie auch nachvollziehen kann, finde ich, dass historische Bauwerke einfach der falsche Ort dafür sind.

Ich habe ein paar dieser Spuren fotografiert, da sie inzwischen selbst Teil dieses außergewöhnlichen Fankults rund um Nördlingen geworden sind.

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Wart ihr schon einmal in Nördlingen? Und wenn ja: Was ist euch dort besonders in Erinnerung geblieben?

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