Wenn man sich mit SEO beschäftigt, kommt man irgendwann zu derselben Erkenntnis: Viele Erklärungen, Tools und Beispiele stammen aus dem englischsprachigen Raum. Beim eigenen deutschsprachigen Blog funktioniert dann plötzlich manches nicht ganz so elegant wie erwartet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Google mit deutschen Inhalten grundsätzlich schlechter umgehen kann. Vielmehr kommen mehrere Dinge zusammen: die Eigenheiten unserer Sprache, teilweise recht starre SEO-Tools und eine Google-Suche, die längst nicht mehr nur einzelne Keywords miteinander vergleicht.

Genau darüber habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Update September 2026: Seit der Veröffentlichung dieses Beitrags im Juni 2025 hat sich bei Google einiges getan. Vor allem KI-gestützte Funktionen wie AI Overviews und der KI-Modus spielen inzwischen eine deutlich größere Rolle. Deshalb habe ich einige Aussagen aktualisiert und ergänzt.

Typisch deutsch? Warum SEO bei uns extra Herausforderungen mitbringt

Unsere Sprache liebt Komplexität

Die deutsche Sprache kann sehr kreativ werden, wenn es darum geht, Wörter zusammenzufügen. So entstehen aus mehreren einzelnen Begriffen kurzerhand neue Wörter. Das Leben wäre ohne Komposita offenbar zu einfach.

Während im Englischen beispielsweise mehrere einzelne Wörter miteinander kombiniert werden, entstehen im Deutschen Begriffe wie „Reisefotografie“ oder „Suchmaschinenoptimierung“ – oder sogar noch deutlich längere Wortkonstruktionen. Hinzu kommen verschiedene Fälle, Pluralformen und Beugungen.

Google selbst kann sprachliche Zusammenhänge inzwischen wesentlich besser erkennen als früher. Bei SEO-Plugins sieht es allerdings teilweise anders aus. Sie prüfen ein Fokus-Keyword häufig deutlich strenger und können Varianten oder natürlich formulierte Abweichungen nicht immer so bewerten, wie es eine Suchmaschine tatsächlich tun würde.

Das führt schnell zu der bekannten Situation: Der Text liest sich völlig normal, aber die SEO-Ampel zeigt trotzdem Rot.

SEO-Tools sind nicht Google

Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Tools wie Rank Math oder Yoast versuchen, anhand bestimmter Regeln einzuschätzen, wie gut ein Beitrag optimiert ist. Sie prüfen beispielsweise, ob das Fokus-Keyword in der Überschrift, im Text, in Zwischenüberschriften oder in der Meta-Beschreibung vorkommt.

Das kann hilfreich sein, stellt aber keine direkte Bewertung durch Google dar.

Eine rote oder gelbe Ampel bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Artikel in den Suchergebnissen schlecht abschneidet. Und umgekehrt garantiert ein Score von 100 Punkten natürlich keinen Spitzenplatz.

Google nutzt zahlreiche Systeme, um die Bedeutung, die Suchintention und die Relevanz von Inhalten zu verstehen. Dazu gehören unter anderem BERT, der neuronale Abgleich und weitere Ranking-Systeme. MUM existiert ebenfalls weiterhin, wird laut Google allerdings nicht für das allgemeine Ranking, sondern für bestimmte Anwendungen eingesetzt. 1

Die Plugin-Ampel ist also eher eine Checkliste als ein Orakel. Vermutlich ist das auch besser so, sonst würde ich irgendwann anfangen, ihr Opfergaben darzubringen.

Menschen suchen längst nicht mehr nur nach einzelnen Keywords

Früher stellte man sich Suchmaschinenoptimierung oft ziemlich einfach vor. Man gab einige Begriffe ein, Google suchte Seiten mit möglichst passenden Begriffen und fertig.

So funktioniert die Suche jedoch schon lange nicht mehr.

Google versucht zunehmend, Zusammenhänge und die eigentliche Absicht hinter einer Suchanfrage zu verstehen. Dazu kommen KI-Funktionen wie „AI Overviews” und der „KI-Modus”, über die Nutzer auch längere, komplexere Fragen stellen und anschließend weitere Rückfragen stellen können. Google beschreibt die Suche im Jahr 2026 zunehmend als fortlaufenden Dialog statt als Aneinanderreihung einzelner Suchanfragen. 2

Für mich bedeutet das vor allem, dass natürliches Schreiben wichtiger wird.

Ich muss nicht zwanghaft fünfmal exakt dieselbe Formulierung in einen Text quetschen, nur weil ein Plug-in mein Fokus-Keyword noch einmal sehen möchte.

Persönlichkeit leidet schnell unter Keyword-Zwang

Gerade bei persönlichen Blogs wird Suchmaschinenoptimierung (SEO) schnell zur Gratwanderung. Einerseits möchte ich, dass meine Beiträge gefunden werden. Gleichzeitig möchte ich aber keine Texte schreiben, die sich anhören, als hätte eine Suchmaschine jedes dritte Wort persönlich diktiert.

Deshalb versuche ich, einen Mittelweg zu finden. SEO ist für mich ein Wegweiser, aber keine Vorschrift. Ich schaue mir Empfehlungen an und setze um, was sinnvoll erscheint. Den Rest ignoriere ich notfalls auch mit erstaunlicher Konsequenz 😇

Was sagt eigentlich Google selbst?

Google arbeitet bereits seit vielen Jahren mit KI-Systemen, die Sprache nicht nur anhand einzelner Wörter beurteilen sollen.

BERT hilft Google beispielsweise dabei, zu verstehen, wie Wörter innerhalb eines Satzes zusammenspielen und welche Bedeutung oder Suchintention sich daraus ergibt. Laut Google gehört BERT nach wie vor zu den eingesetzten Suchsystemen.

MUM wurde später vorgestellt und kann Sprache sowohl verstehen als auch erzeugen. Das System wurde auf 75 Sprachen trainiert und ist multimodal aufgebaut. Interessant ist allerdings eine wichtige Ergänzung, die ich in meiner ursprünglichen Version des Artikels noch anders dargestellt hatte: Google nutzt MUM derzeit nicht allgemein für das Ranking der Suchergebnisse, sondern für bestimmte Anwendungen.

Inzwischen ist die Entwicklung ohnehin noch einige Schritte weiter.
Bis 2026 werden Gemini, AI Overviews und der KI-Modus eine wesentlich sichtbarere Rolle in der Google-Suche spielen. Google hat den KI-Modus weiter ausgebaut und die Gemini-Modelle direkt in diese Sucherfahrung integriert.

Was ist BERT und MUM?“

BERT
Bidirectional Encoder Representations from Transformers
BERT hilft Google dabei, den Zusammenhang zwischen Wörtern und somit die Bedeutung und Intention einer Suchanfrage besser zu verstehen. Das System zählt weiterhin zu den von Google verwendeten Technologien für die Suche.

MUM
Multitask Unified Model
MUM kann Sprache verstehen und erzeugen. Es wurde auf 75 Sprachen trainiert und kann unterschiedliche Arten von Informationen miteinander verknüpfen. Anders als in diesem Artikel ursprünglich dargestellt, wird MUM laut Google allerdings nicht für das allgemeine Ranking verwendet, sondern für bestimmte Anwendungen innerhalb der Suche..

Und heute? (aktualisiert 09/2026)
Inzwischen spielen vor allem Gemini, AI Overviews und der KI-Modus eine große Rolle bei Googles Weiterentwicklung der Suche. Nutzer können dadurch wesentlich komplexere Fragen stellen und ihre Suche teilweise wie ein Gespräch fortführen.

Und was ist mit Bing, DuckDuckGo oder Ecosia?

Google ist zwar die Suchmaschine, über die im SEO-Bereich am meisten gesprochen wird, aber natürlich nicht die einzige. Auch Bing, DuckDuckGo oder Ecosia können Besucher:innen auf einen Blog bringen. Interessant ist, dass nicht alle dieser Suchmaschinen einen vollständig eigenen Suchindex betreiben.

Microsoft Bing verfügt über einen eigenen Index und eigene Ranking-Systeme. Laut Microsoft sind unter anderem die Relevanz zur Suchintention, die Qualität und Glaubwürdigkeit der Inhalte sowie Nutzerinteraktionen wichtige Faktoren. Bing versteht dabei auch Synonyme und semantisch ähnliche Begriffe. Exakte Keyword-Wiederholungen sind also auch dort nicht das Maß aller Dinge.

Außerdem betont Microsoft, dass klassische SEO-Grundlagen auch für Copilot und KI-basierte Sucherfahrungen wichtig bleiben. Eine technisch gut erreichbare, klar strukturierte und verständliche Website hat also nicht nur Chancen in den klassischen Bing-Ergebnissen, sondern grundsätzlich auch darauf, als Quelle in KI-Antworten berücksichtigt zu werden. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. 3

DuckDuckGo ist etwas anders aufgebaut. Die Suchmaschine verfügt zwar über einen eigenen Crawler und eigene Indizes für bestimmte Funktionen, die klassischen organischen Links werden jedoch größtenteils von Bing bezogen. Wer für Bing gut aufgestellt ist, optimiert somit also auch indirekt für einen großen Teil der DuckDuckGo-Suche. Google-Ergebnisse verwendet DuckDuckGo eigenen Aussagen zufolge nicht. 4

Ecosia greift derzeit wiederum auf mehrere Suchanbieter zurück. Je nach Suche können die Ergebnisse von Microsoft Bing, Google oder der European Search Perspective (EUSP) stammen. Ecosia ordnet diese organischen Ergebnisse eigenen Aussagen zufolge nicht noch einmal selbst neu. 5

Für mich bedeutet das vor allem, dass ich meinen Blog nicht für Google, Bing und DuckDuckGo umschreiben muss. Gute SEO-Grundlagen funktionieren suchmaschinenübergreifend. Zwar gibt es Unterschiede bei den jeweiligen Algorithmen, aber ein verständlicher, hilfreicher und technisch sauberer Beitrag ist überall die sinnvollere Strategie als krampfhaftes Keyword-Stuffing.

SuchmaschineEigener Index?Für SEO besonders relevant
GoogleJaGoogle Search, AI Overviews, KI-Modus
BingJaBing Search, Copilot
DuckDuckGoteilweiseklassische Ergebnisse überwiegend aus Bing
Ecosianein bzw. Partner-ModellErgebnisse u. a. aus Bing, Google und EUSP

Typische SEO-Fails auf Deutsch

  • Keyword-Wurstigkeit: „Autoversicherungskostenvergleich Online Rechner 2025 günstig“
  • Zwangsoptimierte Texte: „Wenn du ein Hotel suchst, um ein Hotel zu buchen, dann buche ein Hotel.“
  • Das Fokus-Keyword um jeden Preis: Ein Begriff wird exakt wiederholt, obwohl eine natürliche Variante wesentlich besser klingen würde.
  • Übersehen von Alternativen: „Günstig“ vs. „billig“ vs. „preiswert“, nicht jeder Begriff funktioniert gleich gut.
  • Die Plugin-Wertung mit Google verwechseln: Grün bedeutet nicht automatisch gutes Ranking und Gelb bedeutet nicht, dass der Artikel verloren ist.

Was du trotzdem tun kannst

  • Natürlich schreiben: Der Text sollte in erster Linie für Menschen funktionieren.
  • Suchintention berücksichtigen: Überlege, welche Frage jemand wahrscheinlich beantwortet haben möchte, wenn er auf deinem Beitrag landet.
  • Begriffe und Zusammenhänge sinnvoll verwenden: Du musst dein Fokus-Keyword nicht künstlich zehnmal wiederholen. Thematisch passende Begriffe und klare Formulierungen sind sinnvoller.
  • Titel und Beschreibung pflegen: Ein verständlicher Titel und eine gute Beschreibung helfen Menschen dabei, einzuschätzen, ob dein Artikel zu ihrer Suche passt.
  • Interne Verlinkungen nutzen: Es ist hilfreich für Leser:innen und erleichtert Suchmaschinen das Verständnis deiner Seitenstruktur, wenn du passende ältere Beiträge miteinander verbindest.
  • SEO-Tools nicht blind vertrauen: Rank Math & Co. geben zwar Hinweise, kennen aber weder Googles vollständigen Algorithmus noch die Qualität deines Textes. Sie kennen jedoch weder den vollständigen Algorithmus von Google noch die Qualität deines Textes.

Die Realität der SEO-Ampel

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Das ist meine SEO-Übersicht in Rank Math. Wie man sieht, ist von einer vollständig grünen SEO-Welt nicht besonders viel zu erkennen 😅

Nur 28 meiner Beiträge wurden als „gut“ eingestuft, der Großteil landet im Mittelfeld und viele ältere Beiträge habe ich überhaupt nicht gezielt optimiert.
Entsprechend liegt der angezeigte Durchschnitt bei gerade einmal 14 von 100 Punkten. Das klingt dramatisch. Ist es aber nicht.

Denn diese Zahl sagt zunächst einmal nur aus, wie gut meine Beiträge bestimmte Kriterien von Rank Math erfüllen. Sie sagt nicht aus, dass 86 Prozent meines Blogs für Google unbrauchbar wären oder dass niemand meine Artikel finden könnte.

Genau deshalb versuche ich auch nicht mehr zwanghaft, jeden Beitrag auf „Grün” zu bringen. Manche Empfehlungen sind sinnvoll und leicht umzusetzen. Andere würden jedoch dazu führen, dass ein natürlicher Satz plötzlich klingt, als hätte ihn eine überhitzte Keyword-Maschine geschrieben.

Mein Tipp zur Ampel
Lass dich nicht verrückt machen! Nutze SEO als Werkzeug, aber nicht als Maßstab für deinen Wert als Blogger:in.

Warum ich mich trotzdem mit SEO beschäftige

Vielleicht fragst du dich jetzt: „Warum machst du dir eigentlich so viele Gedanken über SEO, wenn es doch nur ein privater Blog ist?“
Gute Frage. Und ja, rein technisch gesehen müsste ich das alles gar nicht so ernst nehmen. Ich verkaufe nichts und ich muss niemanden „überzeugen“.

Ich mag es einfach, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die nicht auf den ersten Blick verständlich sind. SEO ist so ein Thema. Es bewegt sich irgendwo zwischen Sprache, Technik und Strategie. Und ganz nebenbei triggert es auch meinen Perfektionismus.

Wenn es etwas gibt, das zur Sichtbarkeit meines Blogs beitragen kann, möchte ich verstehen, wie es funktioniert, und es möglichst sinnvoll umsetzen. Nicht, weil jeder Artikel unbedingt Platz 1 bei Google erreichen muss. Sondern weil ich neugierig bin und gerne verstehen möchte, warum bestimmte Dinge funktionieren oder eben nicht. Und weil es Spaß macht. Irgendwie…

Wenn es etwas gibt, das zur Sichtbarkeit beitragen kann, dann möchte ich es verstehen und bestmöglich umsetzen. Nicht, um auf Platz eins zu landen, sondern weil ich es kann. Sondern weil ich es kann. Und weil es Spaß macht.

Ob ich es dann tatsächlich kann, sei dahingestellt. Meine Rank-Math-Analyse hat dazu offenbar eine recht deutliche Meinung 😅

Und was ist mein Fazit?

Ich bin der Meinung, dass sich der Aufwand von SEO auf Deutsch lohnt, gerade auch langfristig. Aber eben in einer Form, die zum eigenen Stil passt.

Ich bin kein SEO-Guru, sondern jemand, der einfach gerne schreibt.
Was aber, wenn ein Artikel nicht auf Platz eins bei Google landet? Dann hat er vielleicht trotzdem genau die richtigen Menschen erreicht. Und das ist oft mehr wert als jeder Algorithmus 💜

Aber keine Sorge, jetzt höre ich auf, dich mit SEO zuzutexten. Zurück zu den schönen Dingen des Bloggerlebens 😉 Der nächste Beitrag dreht sich wieder um Bücher, Reisen und andere Herzensdinge. SEO darf jetzt erst einmal wieder Pause machen 😅 (Vielleicht … Durch das Titelbild habe ich noch eine Idee für einen weiteren Blogartikel zum Thema SEO 😇)

trenner strich

Quellen und weitere Links:

  1. Leitfaden zu Ranking-Systemen der Google Suche ↩︎
  2. Google: Eine neue Ära der KI-Suche ↩︎
  3. So liefert Bing Suchergebnisse
    Bing Webmaster Guidelines ↩︎
  4. Where do DuckDuckGo search results come from? ↩︎
  5. Where do Ecosia search results come from? ↩︎
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