Es gibt diese Momente, die brennen sich ein. Ich dachte, da war eine echte Freundschaft, weil wir viel miteinander geteilt haben, weil da Vertrauen war, echtes Interesse, vielleicht sogar eine tiefe Verbindung. Und dann kam dieser Augenblick, in dem mir klar wurde: Ich war nur eine Option. Eine von vielen. Und nur so lange interessant, wie ich etwas zu bieten hatte.

Ich habe das nicht nur einmal erlebt. Und jedes Mal hinterlässt es Spuren. Irgendwann fängt man an, zu zweifeln: War das jemals ehrlich? Oder war ich einfach nur bequem, weil ich zugehört habe, unterstützt habe, Zeit hatte? Weil ich verfügbar war und gegeben habe, ohne etwas zurückzuverlangen?

Was mich am meisten enttäuscht: Genau diese Menschen stellen sich oft als besonders loyale Freunde dar. Als die, die immer für andere da sind, die selbst so oft enttäuscht wurden, so viel durchgemacht haben. Sie verstehen sich als empathisch und aufopferungsvoll und gleichzeitig behandeln sie andere so berechnend, so distanziert, sobald sie keinen Vorteil mehr daraus ziehen können.

Es wirkt fast wie ein Schutzschild: Solange sie sich selbst als gute Menschen sehen oder dieses Bild nach außen aufrechterhalten, müssen sie ihr eigenes Verhalten nicht hinterfragen. Und viele lassen sich davon täuschen. Ich lange Zeit auch.

Aber irgendwann wird es still. Und in dieser Stille liegt die Wahrheit. Sie melden sich nicht mehr. Antworten nicht. Fragen nicht. Sie sind weg, nicht, weil man ihnen etwas getan hätte, sondern weil man gerade nichts mehr „wert“ ist. Keine Aufmerksamkeit, keine Hilfe, keine Bühne.

Toxische Freundschaft: Wenn Nähe nur Mittel zum Zweck ist

Ich will nicht behaupten, dass ich alles richtig mache. Aber ich weiß, dass ich ehrlich bin in meinen Beziehungen. Und dass ich mich bemühe, auch dann da zu sein, wenn es gerade nichts zurückgibt. Genau das wünsche ich mir auch von anderen.

Gerade ist dieses Thema für mich wieder besonders präsent. Ich dachte, wir wären befreundet. Nicht unzertrennlich, aber doch auf einer ehrlichen, vertrauten Ebene. Und dann tauchten andere Menschen auf. Interessanter, präsenter, vielleicht auch nützlicher. Und plötzlich war ich abgeschrieben. Nicht völlig weg, aber deutlich auf Abstand. Ab und zu bekomme ich noch eine Antwort, aber man spürt die Distanziertheit in jeder Zeile.

Und natürlich frage ich mich dann auch: Liegt das an mir? Bin ich zu langweilig, zu ruhig, vielleicht in manchen Momenten zu feige? Ich weiß, dass meine Stärke nicht in großen Worten liegt. Ich bin keine, die sich immer perfekt ausdrücken kann oder besonders umschmeichelnde Formulierungen findet. Aber ich höre zu. Ich bin da. Und ich bin ehrlich. Auch wenn das oft leiser klingt als andere, es ist nicht weniger wert.

Was mir wichtig ist: Ich spreche hier nicht von Menschen, die – so wie ich selbst – neurodivergent sind. Ich weiß, wie herausfordernd es sein kann, mit Reizüberflutung, sozialen Unsicherheiten oder eigenen Grenzen umzugehen. Ich kenne das Gefühl, sich in Freundschaften manchmal fehl am Platz zu fühlen, obwohl man eigentlich verbunden ist.
Aber darum geht es hier nicht.
Die Menschen, von denen ich schreibe, verhalten sich nicht so, weil sie überfordert sind oder kämpfen – sondern weil sie ganz bewusst auswählen, wen sie um sich haben wollen. Und sobald du nicht mehr „interessant“ genug bist, wirst du ersetzt. Das ist ein anderes Muster. Und es tut weh auf eine Weise, die nichts mit Missverständnissen oder Überforderung zu tun hat.

Ich frage mich oft, wie man so sein kann und wie man mit so einem Verhalten mit sich selbst im Reinen bleibt. Vielleicht kommt früher oder später das Karma. Oder einfach das Bewusstsein, was man da leichtfertig aufs Spiel gesetzt hat.

Ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben, weil es schon so lange in mir arbeitet. Vielleicht hilft es mir, die Enttäuschung ein Stück weit loszulassen. Und vielleicht fühlt sich ja jemand da draußen durch diese Zeilen verstanden.

Kennt ihr solche Menschen auch? Die sich selbst als Opfer sehen, aber gleichzeitig mit dem Herzen anderer spielen? Ich würde wirklich gern wissen, wie ihr mit toxischen Freundschaften umgeht.

Freundschaft bedeutet nicht, immer etwas leisten zu müssen.
Manchmal reicht es, einfach da zu sein.


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