2016 waren Aya und ich bereits mit dem Auto in Schottland unterwegs. Nach dieser Reise war ziemlich schnell klar, dass wir 2017 wieder verreisen wollten. Am liebsten erneut als Roadtrip. Zuerst stand Norwegen auf unserer Wunschliste, doch ein realistischer Blick auf die Kosten hat diesen Plan recht schnell beendet. Also haben wir umgeplant und Irland rückte in den Fokus. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als genau richtig herausgestellt hat.
Irland war für uns kein Ziel für einen kurzen Städtetrip. Wir wollten das Land erfahren, im wahrsten Sinne des Wortes. Schmale Straßen, wechselndes Wetter, Küsten, Klöster und Landschaften, die sich ständig verändern. Gestartet sind wir in Dublin und sind dann gegen den Uhrzeigersinn einmal um die Insel gefahren. In zwölf Tagen legten wir knapp 2.000 Kilometer zurück und sammelten Eindrücke, die bis heute nachwirken.
Kurzüberblick zur Reise
- Reisedauer: 12 Tage (1. – 12. Mai 2017)
- Volle Fahrtage: 10
- Strecke: ca. 2.000 Kilometer
- Start und Ende: Dublin
- Reiseart: Roadtrip mit Mietwagen
- Fahrtrichtung: gegen den Uhrzeigersinn
- Kosten pro Person: 903,29 € (enthält Flug, Unterkünfte, Mietauto, Tanken)
Unsere Unterkünfte hatten wir im Voraus gebucht, alles andere ließen wir bewusst offen. Oft entschieden wir erst am Abend vorher, welche Orte wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Diese Freiheit hat die Reise sehr entspannt gemacht und dafür gesorgt, dass wir uns nicht von einem starren Plan treiben ließen.
Kurzinfos zu Irland
Irland liegt im Nordwesten Europas und ist bekannt für seine abwechslungsreiche Landschaft, lange Küstenlinien und vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte außerhalb der Städte. Gerade für Roadtrips eignet sich das Land sehr gut, da viele Regionen ländlich geprägt sind und sich landschaftlich stark voneinander unterscheiden.
Der Linksverkehr erfordert zu Beginn etwas Umgewöhnung, ist aber auch für ungeübte Fahrer gut machbar. Wichtig ist, Fahrzeiten realistisch einzuschätzen, da schmale Landstraßen und kurvige Strecken das Vorankommen deutlich verlangsamen können. Kurze Distanzen auf der Karte bedeuten in Irland nicht automatisch kurze Fahrzeiten.
Das Wetter gilt als wechselhaft, kann aber sehr unterschiedlich ausfallen. Während unserer Reise hatten wir außergewöhnlich viel Glück, was in Irland keineswegs selbstverständlich ist. Genau diese Unberechenbarkeit gehört jedoch zum Reiseerlebnis dazu.

Reisephilosophie statt striktem Zeitplan
Auch wenn die Route im Rückblick klar strukturiert wirkt, entstand der Roadtrip selbst sehr flexibel. Wir haben Orte ausgelassen, an anderen länger verweilt und unsere Tagesetappen immer wieder angepasst. Mal spielte das Wetter eine Rolle, mal schlicht die eigene Energie. Gerade diese Mischung aus grober Planung und spontanen Entscheidungen hat die Reise für uns so angenehm gemacht.
Irland eignet sich hervorragend für diese Art des Reisens. Entfernungen wirken auf der Karte oft harmlos, fühlen sich auf irischen Straßen aber ganz anders an. Wer jeden Tag minutiös durchplant, verpasst schnell das Gefühl für das Land.

Glück mit Wetter und Unterkünften
Wir hatten auf dieser Reise unglaublich viel Glück mit dem Wetter. Während der gesamten elf Tage hat es kein einziges Mal richtig geregnet. Vielleicht ein paar vereinzelte Tropfen in der letzten Nacht in Dublin, mehr nicht. Erst als wir an der Haltestelle für den Airport Bus standen, fing es tatsächlich an zu regnen. Davor blieb es trocken. Es war zwischendurch bewölkt und gerade zu Beginn auch sehr windig, aber das hat uns nicht gestört. Im Gegenteil. An vielen Orten wurde uns immer wieder gesagt, wie viel Glück wir mit dem Wetter hätten und dass wir echte Lucky Girls seien. Für uns fühlte sich diese Reise wettertechnisch einfach wie ein Traum an.
Auch mit unseren Unterkünften hatten wir großes Glück. Wir übernachteten fast ausschließlich in Bed and Breakfasts (B&B) und hatten entweder ein sehr gutes Händchen bei der Auswahl oder einfach das richtige Timing. Jede Unterkunft war herzlich, angenehm und genau das, was man sich nach langen Tagen auf irischen Straßen wünscht.
Warum gegen den Uhrzeigersinn?
Die Route gegen den Uhrzeigersinn ergab sich für uns ganz natürlich. So konnten wir die spektakulären Küstenabschnitte über die Reise verteilen und hatten keinen einzigen Abschnitt, der sich wie ein Pflichtprogramm anfühlte. Außerdem war der Übergang von der wilden Westküste zu den ruhigeren Wicklow Mountains ein sehr stimmiger Abschluss.

Ein kurzer historischer Blick auf Irland
Die Geschichte von Irland ist bis heute überall sichtbar. Klöster, Burgruinen und alte Siedlungen prägen das Landschaftsbild und begleiten einen auf fast jeder Fahrt über die Insel. Viele dieser Orte stammen aus dem frühen Mittelalter, als Irland ein bedeutendes Zentrum des Christentums und der Gelehrsamkeit war.
Später wurde das Land stark von englischer Herrschaft geprägt. Konflikte, Enteignungen und politische Spannungen hinterließen tiefe Spuren, die sich nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der kulturellen Identität widerspiegeln. Besonders im Norden Irlands ist diese Vergangenheit bis heute spürbar, auch wenn sich das Land in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat.
Für Reisende bedeutet das, dass Irland weit mehr ist als grüne Landschaft und raue Küste. Viele der Orte, die man besucht, erzählen Geschichten von Umbrüchen, Widerstand und Neubeginn. Genau diese historische Tiefe macht eine Rundreise durch Irland so eindrucksvoll und erklärt, warum Klöster, Burgen und Ruinen fester Bestandteil nahezu jeder Route sind.

Unsere Route im Überblick
Zur besseren Übersicht habe ich den Roadtrip im Nachhinein in mehrere Abschnitte eingeteilt. Diese orientieren sich nicht streng an administrativen Regionen, sondern am tatsächlichen Reiseverlauf. (Artikel und die Links folgen).
Abschnitt 1: Start in Dublin und Nordirland
Dublin war unser Ausgangspunkt. Nach der Landung und der Übernahme des Mietwagens ging es direkt Richtung Norden. In Bushmills bezogen wir unsere erste Unterkunft und erkundeten den Giant’s Causeway zum Sonnenuntergang. Weitere Stopps waren Dunluce Castle und der White Rocks Beach. Ein intensiver Einstieg mit viel Küste und ersten echten Wow Momenten.
-> zum Artikel
Abschnitt 2: Donegal und der wilde Nordwesten
Weiter ging es in den Nordwesten. Malin Beg, Glencolumbkille und die Slieve League gehörten zu den weiteren eindrucksvollste Orten der gesamten Reise. Die Landschaft wirkte rau, weit und erstaunlich menschenleer. Über den Ballycroy National Park erreichten wir Achill Island, wo wir in Keel übernachteten. Dieser Abschnitt fühlte sich besonders ursprünglich an.
Abschnitt 3: Connemara und die Westküste
Mit dem Killary Fjord, der Kylemore Abbey und einer Wanderung im Connemara National Park wechselte die Stimmung. Die Landschaft wurde weicher, ohne an Eindruck zu verlieren. In der Nähe von Clifden ließen wir uns treiben und erkundeten die Umgebung rund um unsere Unterkunft.
Abschnitt 4: Clare und die berühmte Westküste
Über Burgen wie Aughnanure und Dunguaire erreichten wir die Cliffs of Moher. Trotz der vielen Besucher waren sie beeindruckend. In Doolin, direkt an der Küste, übernachteten wir und ließen den Tag am Pier ausklingen. Ein Abschnitt, der zeigte, wie schmal der Grat zwischen Postkartenmotiv und Realität sein kann.
Abschnitt 5: Kerry und der Südwesten
Nach der Fährüberfahrt über den River Shannon folgten die Dingle Peninsula und später der Ring of Kerry samt Skellig Ring. Orte wie Inch Strand, Kerry Cliffs, Ballinskelligs Castle und Lady’s View reihten sich aneinander. Landschaftlich war dieser Teil eine regelrechte Eskalation, auch wenn er deutlich touristischer war als andere Abschnitte.
Abschnitt 6: Midlands und historische Orte
Im Landesinneren wurde es ruhiger. Der Killarney National Park, Muckross Abbey, Cahir Castle, Hore Abbey und der Rock of Cashel bestimmten diesen Teil der Reise. Klöster, Burgen und Geschichte standen im Vordergrund. In Laragh fanden wir zudem eines der besten Pubs der Reise.
Abschnitt 7: Wicklow Mountains und Abschluss
Zum Ende führte uns der Weg in die Wicklow Mountains. Glendalough mit seinen Seen und der monastischen Anlage war ein perfekter Ort zum Durchatmen. Der Besuch des Powerscourt Estate bildete den letzten Höhepunkt, bevor wir nach Dublin zurückkehrten und den Mietwagen abgaben.
Dublin zum Abschluss
Am letzten vollen Tag erkundeten wir Dublin zu Fuß. Besonders das Trinity College blieb in Erinnerung. Nach vielen Tagen Natur, Küste und Ruhe war die Stadt ein spannender Kontrast und ein runder Abschluss dieser Reise.

Fazit
Rückblickend war dieser Roadtrip genau die richtige Entscheidung. Nicht perfekt durchgetaktet, nicht immer vorhersehbar, aber genau deshalb so angenehm. Irland lässt sich nicht gut in feste Pläne pressen. Wer bereit ist, sich auf das Tempo des Landes einzulassen, wird belohnt. Mit Umwegen, mit Stille, mit Momenten, die bleiben.
In den kommenden Artikeln gehe ich die einzelnen Abschnitte dieses Roadtrips genauer durch. Mit persönlichen Eindrücken, vielen Fotos und Gedanken zu Orten, die mich bis heute begleiten.
Hinweis: Die Reise fand 2017 statt. Preise, Öffnungszeiten und Bedingungen können sich seitdem geändert haben.

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@hexe@weltenwanderer.blog Ja, Irland wäre auch mal wieder dran. Da auch Freundin und Familie besuchen
Danke für euren Bericht
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Ich werde bald wieder für ein paar Tage nach Irland fliegen. Ich freue mich schon sehr drauf 🤩
@hexe@weltenwanderer.blog da wünsche ich euch viel Spaß ❤️
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Danke! Ich zähle schon die Tage 😁
Ich wollte immer gerne eine Rucksackwanderung durch Schottland oder Irland machen… irgendwie kam es nie dazu, aber wir waren immerhin mal so 10 Tage in Dublin und in Edinburgh und haben jeweils alles drumherum kennengelernt. Irgendwann definitiv auch nochmal Ziele, die mehr erkundet werden wollen.