Blog oder Social Media? Für viele scheint diese Frage inzwischen keine Rolle mehr zu spielen. Wer sichtbar sein will, muss überall präsent sein, regelmäßig posten, reagieren, teilen und kommentieren. Genau an diesem Punkt merke ich oft, wie ich innerlich aussteige. Nicht, weil mir die Inhalte fehlen, sondern weil mir der Gedanke an dauerhafte Präsenz und ständige Kommunikation schnell zu viel wird.

Als das Thema für den Bloggerschnack im Februar 2026 angekündigt wurde, war mein erster Gedanke daher nicht Begeisterung, sondern Zweifel. Ich habe keine ausgefeilte Content-Strategie, keinen festen Postingplan und keine Lust, mich in Plattform-Logiken zu pressen, die mir nicht liegen. Ich nutze Social Media nur sporadisch und unregelmäßig. Und trotzdem blogge ich seit vielen Jahren. Oder vielleicht gerade deshalb.

Mein Blog als zentraler Ort

Mein Blog ist der Ort, an dem meine Inhalte entstehen. Hier schreibe ich Texte, die Zeit brauchen dürfen: Reiseberichte, Gedanken, Rezensionen und persönliche Reflexionen. Nichts davon ist auf schnelle Reaktionen oder eine hohe Reichweite innerhalb weniger Stunden ausgelegt.

Der Blog ist für mich kein Nebenprojekt, sondern das Fundament. Alles andere baut darauf auf – oder auch nicht. Ich kann einen Artikel veröffentlichen und ihn einfach liegen lassen, ohne ihn sofort überall bewerben zu müssen. Diese Unabhängigkeit ist einer der größten Werte des Bloggens für mich.

Wie ich Social Media tatsächlich nutze

Instagram: Bilder und Stories

Ich nutze Instagram am häufigsten, aber auch dort sehr reduziert. Ich lade hin und wieder Fotos hoch und nutze vor allem die Story-Funktion. Das passt für mich gut, da Bilder für sich sprechen dürfen und keine langen Texte oder Diskussionen erfordern. Für mich ist Instagram kein Ort für ausführliche Inhalte, sondern eher ein visuelles Tagebuch. Mal mehr, mal weniger. Ohne Anspruch auf Regelmäßigkeit.

Mastodon: ruhiger Austausch im Fediverse

Mastodon hat in letzter Zeit für mich an Bedeutung gewonnen. Durch das Fediverse fühlt sich der Austausch dort viel entschleunigter an. Es gibt weniger Druck, weniger Algorithmen und weniger Lärm.
Ich schreibe zwar nicht ständig dort, aber ich fühle mich wohler, weil Kommunikation nicht permanent eingefordert wird. Für jemanden, der introvertiert ist, macht das einen spürbaren Unterschied.

Threads: ein Versuch ohne echtes Zuhause

Ich versuche immer wieder, Threads zu nutzen, merke aber schnell, dass die Plattform für meine Art von Inhalten nicht gut geeignet ist. Bilder und externe Links werden kaum ausgespielt und Texte verschwinden schnell im Feed. Es fühlt sich an, als würde ich ins Leere sprechen. Das ist nicht schlimm, aber eben auch kein Ort, an dem ich gerne bleibe.

Pinterest: noch im Findungsprozess

Ich versuche aktuell noch, Pinterest zu verstehen. Zwar machen viele Blogger dort gute Erfahrungen, doch bin ich mir noch unsicher, wie ich die Plattform sinnvoll nutzen kann und welchen konkreten Mehrwert sie für meine Inhalte hat. Momentan ist Pinterest für mich eher ein Experiment als ein fester Bestandteil meiner Arbeitsabläufe.

TikTok: ein klarer Fehlversuch

Ich nutze TikTok faktisch gar nicht. Zwar habe ich einen Account und dort auch ein einzelnes Video veröffentlicht, doch mit der Plattform bin ich nie wirklich warm geworden. Die Art der Inhalte, die Geschwindigkeit und der starke Fokus auf Videos (Selbstdarstellung) liegen mir einfach nicht. Statt mich dort weiter zu zwingen, habe ich akzeptiert, dass TikTok nicht zu mir passt. Und das ist okay.

Hinzu kommt, dass TikTok als Plattform immer wieder kritisch betrachtet wird. Die App stammt vom chinesischen Unternehmen ByteDance, und insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, Datenverarbeitung und staatliche Einflussmöglichkeiten gibt es seit Jahren Diskussionen und Untersuchungen in verschiedenen Ländern. Auch wenn nicht jede Kritik eindeutig belegt ist, reicht mir diese Unsicherheit aus, um vorsichtig zu bleiben.

Bluesky: halb da, halb draußen

Bei Bluesky bin ich ebenfalls nur semi-anwesend. Ich schaue immer mal wieder rein, lese mit und poste gelegentlich etwas, aber ohne echte Regelmäßigkeit oder Bindung. Die Plattform fühlt sich für mich noch sehr im Aufbau begriffen an, vieles wirkt unfertig oder suchend.

Ich kann mir vorstellen, dass Bluesky für manche eine gute Alternative ist, für mich hat sich dort bislang aber kein echtes Zuhause-Gefühl eingestellt. Es ist eher ein weiteres Beispiel dafür, dass bloße Präsenz auf einer Plattform nicht automatisch bedeutet, dass sie auch zu mir passt.

X (ehemals Twitter): bewusst distanziert

Ich habe mich weitgehend von X distanziert. Der Account existiert zwar noch, aber ich habe seit sehr langer Zeit nicht mehr aktiv hineingeschaut. Die Atmosphäre und die Entwicklungen der Plattform fühlen sich für mich nicht mehr stimmig an, weshalb ich mich bewusst zurückgezogen habe.

Facebook: bewusst auf Abstand

Facebook spielt für mich inzwischen kaum noch eine Rolle. In meinem Feed erscheinen hauptsächlich Werbung, vorgeschlagene Seiten und Inhalte von Menschen, denen ich gar nicht folge. Ich habe mich nicht offiziell verabschiedet, nutze die Plattform aber nicht mehr. Manchmal ist Rückzug die sinnvollste Entscheidung.

blog vs. social media

Keine Strategie im klassischen Sinn, eher Chaos

Wenn man unter Strategie einen festen Plan mit klaren Vorgaben versteht, dann habe ich keinen. Stattdessen treffe ich meine Entscheidungen bewusst nach Energie, Alltag und dem Gefühl, ob sich eine Plattform für mich gerade richtig anfühlt. Neue Blogbeiträge werden zwar automatisch geteilt, darüber hinaus entscheide ich aber situativ, ob und wie ich Inhalte zusätzlich auf Social Media begleite. Es gibt Phasen, in denen ich aktiver bin, und Zeiten, in denen Social Media kaum eine Rolle spielt.

Das mag unprofessionell wirken, ist für mich aber die einzige Möglichkeit, Social Media zu nutzen, ohne mich selbst zu überfordern. Mein Ziel ist nicht maximale Reichweite, sondern ein Umgang, der sich langfristig aushalten lässt. Meine Content-Strategie besteht weniger aus Planung als aus Auswahl. Ich entscheide nicht, wo ich überall präsent sein müsste, sondern wo ich mich wohlfühle und bleiben kann.

Wichtig ist mir dabei, Social Media nicht aus Zwang zu nutzen. Nur weil man glaubt, dort mehr Menschen zu erreichen oder automatisch mehr Zugriffe auf den Blog zu bekommen, fühlt es sich für mich nicht richtig an. Reichweite allein ist für mich kein ausreichender Grund, mich in Plattformen zu stürzen, die mir Energie rauben oder auf Dauer nicht zu mir passen. Inhalte verlieren für mich an Wert, wenn sie nur noch mit dem Ziel veröffentlicht werden, bestimmte Zahlen zu erreichen.

Ich nutze selbst eine automatische Verteilung neuer Blogbeiträge, um zumindest eine Grundsichtbarkeit herzustellen. Mir ist aber bewusst, dass reine Automatisierung auf Dauer nicht ausreicht. Genau deshalb bemühe ich mich, insbesondere auf Mastodon zusätzlich selbst zu schreiben und nicht nur Links abzusetzen.

Als Leserin habe ich oft erlebt, dass Kanäle, die ausschließlich aus automatisierten Hinweisen bestehen, schnell an Interesse verlieren. Diese Beobachtung hat meinen Blick darauf geschärft, wie ich Social Media nutzen möchte. Automatisches Teilen kann ein Einstieg sein, ersetzt für mich aber weder einen eigenen Ton noch eine gelegentliche persönliche Einordnung. Wenn ich etwas teile, dann nicht nur, weil es neu ist, sondern weil ich es selbst vertreten möchte.

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Zwischen Nähe und Distanz – vorsichtiger Umgang mit Social Media

Was mich an Social Media generell abschreckt, ist die Gefahr, abhängig zu werden. Die permanente Verfügbarkeit, das ständige Nachsehen, ob es neue Reaktionen gibt, und der unterschwellige Druck, präsent zu bleiben, können schnell mehr Raum einnehmen, als mir guttut. Ich habe gemerkt, dass mir dieser Mechanismus nicht immer gut bekommt und dass ich bewusst Abstand halten muss.

Hinzu kommt die Frage, wie viel man von sich selbst preisgeben möchte. Social Media verleitet dazu, Persönliches schnell und ungefiltert zu teilen. Grenzen verschwimmen und manchmal merkt man erst im Nachhinein, dass man mehr von sich gezeigt hat, als man eigentlich wollte. Für mich hängt das eng mit Selbstschutz zusammen.

Der Blog bietet mir in dieser Hinsicht einen anderen Rahmen. Ich kann Inhalte reflektierter veröffentlichen, Texte bewusst formulieren und entscheiden, was öffentlich sein soll und was nicht. Diese Kontrolle ist mir wichtig und einer der Gründe, warum ich Social Media nur ergänzend nutze und nicht als Hauptplattform für meine Inhalte.

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Introvertiert sein – online wie offline

Schon im echten Leben fällt mir Kommunikation nicht leicht. Kontakte knüpfen, Gespräche führen, sichtbar sein. Das ändert sich im Internet nicht. Auch dort bin ich introvertiert.
Social Media lebt von schnellen Reaktionen, Austausch und Dauerpräsenz. Genau das kostet mich viel Energie. Der Blog hingegen erlaubt mir asynchrone Kommunikation1. Ich schreibe, wenn ich etwas zu sagen habe und lasse den Text dann ins WWW los. Das entspricht besser meiner Art, Gedanken zu verarbeiten.

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Fazit: Blogautorin mit Social-Media-Anbindung

Für mich haben Blog und Social Media sehr unterschiedliche Rollen. Mein Blog ist ein Ort, an dem Inhalte entstehen, wachsen und dauerhaft präsent sind. Social Media nutze ich ergänzend, unregelmäßig und bewusst dosiert. Nicht aus strategischen Gründen, sondern weil es zu mir passt.

Ich habe gelernt, dass ich keine dauerhafte Präsenz auf mehreren Plattformen brauche, um meine Inhalte ernst zu nehmen. Mein Umgang mit Social Media ist von Pausen geprägt, von Versuchen und dem ehrlichen Eingeständnis, dass Kommunikation für mich anstrengend sein kann.

Mein Blog bleibt mein Zuhause. Social Media ist ein zusätzlicher Raum, den ich betrete, wenn es sich richtig anfühlt, und wieder verlasse, wenn es mir zu viel wird. Und genau so funktioniert es für mich.

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Weiterführende Gedanken

Zum Thema Blog und Social Media habe ich bereits früher einen Artikel mit ähnlichem Titel geschrieben. Darin gehe ich weniger auf meine persönliche Nutzung ein, sondern stelle die grundsätzliche Frage, ob Social Media einen Blog ersetzen kann. Für mich ist das klar zu verneinen. Wer ausschließlich in den Social Media veröffentlicht, ist in meinen Augen kein Blogger, sondern ein Content-Creator auf fremden Plattformen. Diese Haltung hat sich für mich bis heute nicht geändert.

Der heutige Artikel knüpft daran an, setzt aber einen anderen Schwerpunkt. Es geht nicht um Abgrenzung, sondern darum, wie ich selbst mit Blog und Social Media umgehe und warum mein Blog weiterhin das Fundament meiner Inhalte bleibt.

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Was ist eigentlich der #bloggerschnack?

Der #bloggerschnack ist eine monatliche Mitmach-Aktion aus dem Bloghexen-Forum. Jeden Monat gibt es ein neues Thema – querbeet und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Egal, ob Buchblog, Reiseblog oder Gedankenwelt: Alle Blogger*innen sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!

Wenn du mehr erfahren oder selbst mitmachen möchtest, schau gern im Bloghexen-Forum vorbei.

Hier findest du weitere Beiträge zum aktuellen Thema:

📰 hanghuhn – flying thoughts
📰 …

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  1. Bei der asynchronen Kommunikation findet ein zeitversetzter Informationsaustausch statt, bei dem Sender und Empfänger nicht gleichzeitig aktiv sein müssen. ↩︎
Fediverse-Reaktionen

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