Nach den ruhigen Tagen in Connemara wurde die Westküste langsam wieder lebendiger. Die Straßen waren voller, die Parkplätze dichter belegt und an manchen Orten merkte man deutlich, dass wir uns nun in einer der bekanntesten Regionen Irlands bewegten.
Dieser Beitrag ist Teil meiner Irland Roadtrips 2017 Reiseberichte.
Aughnanure Castle
Unser erster Stopp an diesem Tag war Aughnanure Castle. Die Burg wirkte deutlich ursprünglicher und rauer als viele andere Anlagen, die wir bisher gesehen hatten. Dicke Mauern, enge Räume und die Lage direkt am Wasser verliehen dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre. Weniger geschniegelt, mehr echtes Mittelaltergefühl.

- Lage: nahe Oughterard am Lough Corrib, County Galway
- Zeitraum: heutige Burganlage aus dem 16. Jahrhundert
- Besonderheit: ehemalige Hochburg der O’Flahertys
- Status: irisches National Monument
Aughnanure Castle gehörte über mehrere Jahrhunderte dem Clan der O’Flahertys, einer der mächtigsten Familien im Westen Irlands. Die Burg liegt strategisch günstig nahe dem Lough Corrib und war einst ein wichtiger Machtpunkt in Connacht.
Besonders bekannt ist die Verbindung zur legendären Piratin Grace O’Malley, auch Granuaile genannt. Durch ihre Heirat mit Donal O’Flaherty entstand im 16. Jahrhundert ein Bündnis zwischen zwei bedeutenden seefahrenden Clans Irlands.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg mehrfach belagert, erweitert und schließlich aufgegeben. Erst ab den 1960er Jahren begann eine umfangreiche Restaurierung, durch die Aughnanure Castle bis heute erhalten geblieben ist.
Fun Fact: Die Bewohner von Galway sollen so große Angst vor den O’Flahertys gehabt haben, dass über dem Westtor der Stadt einst der Satz stand: „God protect us from the wild O’Flahertys.“




Dunguaire Castle & Kinvara
Später führte uns die Route weiter zum Dunguaire Castle. Im Gegensatz zu Aughnanure wirkte die Burg fast schon wie ein klassisches Postkartenmotiv. Direkt an der Bucht gelegen, ruhig im Wasser gespiegelt und umgeben von einer Landschaft, die beinahe zu perfekt aussah, um echt zu sein.

- Lage: bei Kinvara an der Galway Bay, County Galway
- Erbaut: um 1520
- Bautyp: typisches irisches Tower House
- Besonderheit: bekannt für literarische Treffen und seine markante Lage am Wasser
Dunguaire Castle gehört zu den bekanntesten Burgen an der irischen Westküste. Anders als viele klassische Burgen war es nie eine große militärische Festung, sondern ein sogenanntes Tower House, wie sie zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in Irland häufig gebaut wurden.
Errichtet wurde das Schloss vom Clan der O’Hynes, benannt nach König Guaire von Connacht, der für seine Gastfreundschaft und Großzügigkeit bekannt gewesen sein soll. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Dunguaire Castle mehrfach den Besitzer und verfiel zeitweise, bevor es im 20. Jahrhundert restauriert wurde.
Besonders bekannt wurde die Burg durch den Schriftsteller und Chirurgen Oliver St. John Gogarty, der dort literarische Treffen veranstaltete. Zu den Gästen und Weggefährten gehörten unter anderem William Butler Yeats und Lady Gregory.
Heute ist Dunguaire Castle eine beliebte Sehenswürdigkeit entlang des Wild Atlantic Way und dient unter anderem als Veranstaltungsort für mittelalterliche Bankette.




Anschließend machten wir noch einen gemütlichen Stopp im kleinen Hafenort Kinvara. Dort setzten wir uns in ein Café, tranken Kaffee und ließen es für einen Moment einfach ruhig angehen. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage waren genau diese kleinen Pausen oft genauso wertvoll wie die großen Sehenswürdigkeiten.

Doolin & St Anthony’s B&B
Nach dem Stopp in Kinvara machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Doolin, wo wir im St Anthony’s B&B übernachteten. Lange hielten wir uns dort allerdings nicht auf. Unsere Gastgeberin hatte uns einen Tipp gegeben, wie wir zu den Cliffs of Moher gelangen könnten, ohne direkt an den großen Besucherparkplätzen zu landen.


Der Weg dorthin war allerdings ein wenig abenteuerlich. Die Straße wurde immer schmaler und bei Gegenverkehr fragte man sich kurzzeitig, wie zwei Autos hier eigentlich gleichzeitig vorbeikommen sollen. Spätestens dort verstand man wieder sehr gut, warum irische Straßen ihren ganz eigenen Ruf haben.
Cliffs of Moher
Als wir schließlich bei den Cliffs of Moher ankamen, war es bereits später Nachmittag. Dazu kam kräftiger Wind, der über die Klippen zog und einem deutlich machte, dass der Atlantik hier das Sagen hat. Vielleicht war genau deshalb vergleichsweise wenig los. Nach all den Bildern und Berichten über Menschenmassen fühlte sich das beinahe unwirklich an.

Wir wanderten ein Stück entlang der Klippen. Der Weg verlief stellenweise sehr nah an den Abbrüchen und machte schnell klar, dass man hier aufmerksam bleiben sollte. Gleichzeitig war die Aussicht schlicht beeindruckend. Die Klippen fielen steil in den Atlantik ab, Möwen kreisten unterhalb der Felsen und irgendwo in der Ferne verschwammen Meer und Himmel beinahe miteinander.


Trotz der Bekanntheit und der vielen Besucher, die normalerweise hier unterwegs sind, verloren die Cliffs of Moher nichts von ihrer Wirkung. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Uhrzeit. Vielleicht aber auch einfach daran, dass manche Orte ihren Ruf nicht ohne Grund haben.


- Lage: Westküste Irlands im County Clare
- Länge: über 8 Kilometer
- Höchster Punkt: ca. 214 Meter
- Besonderheit: eine der bekanntesten Kliffküsten Europas
Die Cliffs of Moher gehören zu den berühmtesten Natursehenswürdigkeiten Irlands. Die steilen Klippen ziehen sich entlang der Atlantikküste zwischen Doolin und Liscannor und ragen an vielen Stellen nahezu senkrecht aus dem Meer.
Ihren Namen verdanken die Klippen einem alten Steinfort namens „Moher O’Ruan“, das einst nahe Hag’s Head stand. Heute erinnert nur noch wenig daran, doch der Name blieb erhalten.
Trotz ihrer Bekanntheit haben die Cliffs of Moher nichts von ihrer Wirkung verloren. Vor allem bei windigem Wetter wird schnell klar, wie rau und mächtig der Atlantik an dieser Küste sein kann.
Am Abend kehrten wir im Gus O’Connor’s Pub ein, nur wenige Schritte von unserer Unterkunft entfernt. Nach einem langen Tag schmeckte das Essen dort gleich doppelt gut. Das Pub war gut besucht, die Atmosphäre gemütlich und irgendwo spielte irische Musik.
Doolin Pier
Später zog es uns noch hinunter zum Doolin Pier, wo wir den Sonnenuntergang über dem Atlantik beobachteten. Die Luft war kühl, der Wind noch immer präsent und langsam wurde es ruhiger am Wasser. Während draußen die letzten Farben des Tages langsam verschwanden, wirkte selbst der sonst so bekannte Wild Atlantic Way plötzlich still und fast ein wenig friedlich.

Dieser Abschnitt zeigte uns deutlicher als zuvor, wie schmal der Grat zwischen berühmtem Postkartenmotiv und echtem Reiseerlebnis sein kann. Und vielleicht war genau das Teil seines Reizes.





Oh, was für traumhafte Bilder, da bekommt man direkt Lust selbst loszufahren. Da bekommt man direkt Fernweh! LG Edeline