Eigentlich wollte ich auf Threads nur eine kleine Alltagsbeobachtung teilen. Wir waren an einem Samstag in einem wirklich schönen Café frühstücken. Das Essen war lecker, der Service freundlich und grundsätzlich gab es überhaupt nichts zu beanstanden. Beim Blick auf die Getränkekarte fiel mir jedoch auf, dass für pflanzliche Alternativen ein Aufpreis von 80 Cent pro Getränk berechnet wurde.

Aus gesundheitlichen Gründen verzichte ich auf H-Milch und bestelle meinen Latte Macchiato daher, wenn möglich, mit Hafermilch bzw. -drink. Mir ist bewusst, dass dafür manchmal ein kleiner Aufpreis verlangt wird. Schließlich besteht ein Latte Macchiato nicht nur aus einem winzigen Schuss Milch, sondern zu einem erheblichen Teil daraus. Trotzdem fand ich 80 Cent ziemlich happig und habe auf Threads gefragt, wie solche Aufschläge dort empfunden werden.

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Und ehrlich gesagt hatte ich nicht mit so viel Feedback gerechnet. Der Beitrag erreichte innerhalb kurzer Zeit mehr als 40.000 Aufrufe und löste eine ausführliche Diskussion aus. Neben Gästen meldeten sich ehemalige Servicekräfte, Menschen aus der Gastronomie und dem Gastrogroßhandel sowie Personen, die selbst pflanzliche Alternativen bestellen, zu Wort. Die Antworten reichten von „Bei uns kostet beides gleich“ bis hin zur Ansicht, dass selbst 80 Cent den tatsächlichen Aufwand kaum abdecken würden.

Natürlich kamen mit zunehmender Reichweite irgendwann auch die üblichen Social-Media-Perlen wie „Jammern auf hohem Niveau“, „Mimimimi“ oder die Vermutung, meine finanzielle Existenz müsse wegen dieser 80 Cent unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen. Offensichtlich gehört zu einer größeren Diskussion irgendwann mindestens eine Person, deren stärkstes Argument aus wiederholten Silben besteht. Der überwiegende Teil der Kommentare war jedoch erfreulich sachlich und zeigte vor allem eines: Die Frage ist erheblich komplizierter, als sie zunächst klingt.

threads diskussion hafermilch

Eine kleine sprachliche Anmerkung vorweg: In meinem ursprünglichen Threads-Beitrag habe ich den geläufigen Begriff „Hafermilch“ verwendet. Da rein pflanzliche Produkte bei ihrer Vermarktung jedoch nicht als „Milch“ bezeichnet werden dürfen, verwende ich in diesem Artikel überwiegend die Begriffe „Haferdrink“, „Sojadrink“ und „Mandeldrink“. Im normalen Sprachgebrauch dürfte trotzdem jeder wissen, was mit „Hafermilch“ gemeint ist, ganz ohne dass die „Milchpolizei“ ausrücken muss.

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Ein Café verkauft nicht nur die Milch

In meinem ursprünglichen Beitrag schrieb ich, dass man im Supermarkt teilweise bereits für 80 Cent fast einen ganzen Liter Haferdrink bekommt. Dieser Vergleich wurde in den Kommentaren häufig aufgegriffen – teilweise, als hätte ich behauptet, ein Café müsse seine Getränke zum Einkaufspreis verkaufen.

Das war natürlich nicht mein Punkt.

Ein Café verkauft nicht nur Kaffeebohnen, Wasser und Milch. Mit dem Preis werden auch Personal, Miete, Strom, Maschinen, Geschirr, Reinigung, Versicherungen und der Platz, an dem man sein Frühstück oder seinen Kaffee genießen kann, bezahlt. Ein Getränk in der Gastronomie kann deshalb nicht so viel kosten wie die Summe seiner Zutaten im Supermarkt.

Trotzdem ist es legitim, einen einzelnen Aufpreis zu hinterfragen. Ein Latte Macchiato hat schließlich bereits einen gastronomisch kalkulierten Preis, in dem die allgemeinen Betriebskosten und eine Gewinnspanne enthalten sein sollten. Die entscheidende Frage lautet also nicht, warum ein Latte Macchiato im Café teurer ist als zu Hause. Sie lautet vielmehr:

Welche zusätzlichen Kosten entstehen dem Café tatsächlich, wenn statt Kuhmilch Haferdrink verwendet wird?

In der Diskussion wurden vor allem vier Erklärungen dafür genannt: ein höherer Einkaufspreis, ein geringerer Verbrauch, mögliche Lebensmittelreste und ein zusätzlicher Arbeitsaufwand. All diese Argumente können zutreffen. Sie gelten jedoch nicht automatisch für jedes Café in gleicher Weise.

Ist Haferdrink im Einkauf wirklich teurer?

Auf diese Frage gibt es offenbar keine allgemeingültige Antwort. Einige Menschen aus der Gastronomie schrieben unter meinen Beitrag, dass der von ihnen verwendete Haferdrink deutlich teurer sei als Kuhmilch. Andere berichteten hingegen von nahezu identischen Einkaufspreisen. Eine Person nannte sogar konkrete Werte aus ihrem Betrieb: Der Haferdrink koste dort konstant 1,25 Euro pro Liter, während sich der Preis der Kuhmilch je nach Bezugsquelle zwischen 1,05 und 1,39 Euro bewege. Für die Gäste würden beide Varianten trotzdem dasselbe kosten.

Diese Beispiele lassen sich natürlich nicht ohne Weiteres auf jedes Café übertragen. Die Preise hängen unter anderem von der Marke, dem Lieferanten, der Abnahmemenge und der verwendeten Sorte ab. Gerade bei Kaffeespezialitäten wird oft eine sogenannte Barista-Version verwendet, die sich besser aufschäumen lässt als manche günstige Standardvariante. Auch Bioqualität oder bestimmte Marken können den Einkaufspreis erhöhen.

Trotzdem zeigt schon das stark vereinfachte Rechenbeispiel, dass der reine Wareneinsatz einen Aufpreis von 80 Cent nicht zwangsläufig erklärt. Angenommen, ein Café zahlt einen Euro für einen Liter Kuhmilch und 1,30 Euro für einen Liter Haferdrink. Für einen großen Latte Macchiato werden beispielsweise 250 Milliliter benötigt. Der Unterschied beim direkten Wareneinsatz beträgt dann lediglich 7,5 Cent.

Das beweist selbstverständlich keine Abzocke. Aus dem Aufpreis können weitere Kosten, mögliche Verluste, zusätzlicher Arbeitsaufwand und die gewünschte Gewinnspanne gedeckt werden. Es zeigt aber, dass 80 Cent in einem solchen Beispiel nicht einfach nur der weitergereichte Preisunterschied zwischen zwei Packungen wären. Es handelt sich um eine bewusste Kalkulationsentscheidung des Betriebs.

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Nicht nur Haferdrink stand zur Auswahl

In dem Café wurde übrigens nicht nur Haferdrink angeboten. Auf der Karte standen außerdem Soja- und Mandeldrink zur Auswahl. Für alle pflanzlichen Varianten wurde derselbe Aufpreis verlangt.

Wie hoch die jeweiligen Einkaufspreise des Cafés tatsächlich waren, weiß ich nicht. Sie können sich je nach Produkt erheblich unterscheiden. So kann Mandeldrink beispielsweise teurer sein als Hafer- oder Sojadrink, während Haferdrink möglicherweise am häufigsten nachgefragt wird. Ohne die konkreten Zahlen des Betriebs wäre jede genaue Berechnung daher nichts anderes als Kaffeesatzlesen – immerhin thematisch passend.

Die Tatsache, dass gleich drei Alternativen angeboten werden, kann das Argument der Lagerhaltung zunächst nachvollziehbarer machen. Es ist jedoch möglich, dass mehrere Packungen gleichzeitig geöffnet, gekühlt und rechtzeitig verbraucht werden müssen. Allerdings dürfte das Verlustrisiko bei jeder Sorte unterschiedlich ausfallen. So verursacht ein häufig bestellter Haferdrink nicht automatisch denselben Schwund wie ein Mandeldrink, der vielleicht nur gelegentlich verlangt wird.

Wenn für alle drei Varianten trotzdem pauschal derselbe Aufpreis gilt, deutet das zumindest darauf hin, dass dieser nicht für jeden Drink centgenau aus dem individuellen Einkaufspreis berechnet wurde. Wahrscheinlicher ist eine allgemeine Kalkulation für sämtliche pflanzliche Alternativen.

Die Sache mit der Mehrwertsteuer

In den Kommentaren wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass pflanzliche Drinks mit 19 Prozent Mehrwertsteuer besteuert werden, Kuhmilch hingegen nur mit 7 Prozent. Das ist beim Verkauf der Produkte im Handel grundsätzlich richtig: Milch und bestimmte Milchmischgetränke mit einem Milch- oder Milcherzeugnisanteil von mindestens 75 Prozent gehören zu den ermäßigt besteuerten Waren. Hafer-, Soja- und Mandeldrinks fallen jedoch nicht unter diese Begünstigung und unterliegen daher dem regulären Steuersatz von 19 Prozent.

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Für den im Café am Tisch servierten Latte Macchiato erklärt dieser Unterschied den Aufpreis allerdings nicht. Seit Januar 2026 gilt für Restaurant- und Verpflegungsleistungen bei Speisen zwar wieder der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Getränke sind davon jedoch ausgenommen und werden weiterhin mit 19 Prozent besteuert. Das betrifft sowohl den Latte Macchiato mit Kuhmilch als auch die Variante mit Hafer-, Soja- oder Mandeldrink. (Quelle: BMF)

Anders kann die Einordnung bei einer reinen Lieferung oder einem Getränk zum Mitnehmen ausfallen. Dort können Milchmischgetränke mit einem tierischen Milchanteil von mindestens 75 Prozent ermäßigt besteuert werden, während die pflanzliche Variante den regulären Satz behält. In einem Café mit Bedienung ist die Erklärung „Haferdrink kostet wegen der Mehrwertsteuer 80 Cent mehr“ jedoch deutlich zu kurz gegriffen.

Muss wegen eines Hafer-Lattes die ganze Maschine gereinigt werden?

Eines der häufigsten Argumente in den Kommentaren war der zusätzliche Reinigungsaufwand. Mehrere Personen schrieben, dass bei einem Kaffeevollautomaten das komplette Milchsystem gereinigt oder sogar eine ganze Einheit ausgetauscht werden müsse, bevor eine andere Milchsorte verwendet werden könne. Andere beschrieben hingegen einen deutlich einfacheren Ablauf: Die pflanzliche Alternative wird aus dem Kühlschrank geholt, in einem separaten Kännchen aufgeschäumt und das Kännchen anschließend gespült.

Auch hier können beide Seiten recht haben. Allerdings jeweils nur für den Betrieb, den sie kennen.

In manchen Cafés werden Vollautomaten mit fest angeschlossenem Milchbehälter verwendet. Dort kann ein Wechsel tatsächlich zusätzlichen Aufwand verursachen. Andere Cafés bereiten ihre Kaffeespezialitäten hingegen mit einer Siebträgermaschine zu und schäumen jede Portion in einem separaten Kännchen auf. Wieder andere verfügen über getrennte Systeme oder Behälter für Kuhmilch und pflanzliche Alternativen.

Die pauschale Aussage, dass für jeden Hafer-Latte die komplette Maschine zwangsläufig gereinigt werden müsse, ist deshalb ebenso wenig haltbar wie die Behauptung, dass niemals zusätzlicher Aufwand entstehe. Es hängt von der Technik, dem Arbeitsablauf und davon ab, ob Kreuzkontakte zuverlässig vermieden werden sollen.

Ein Kommentar brachte die unterschiedlichen Annahmen besonders gut auf den Punkt. Die Person vermutete, dass der normale Latte Macchiato auf Knopfdruck aus dem Vollautomaten komme, während der Haferdrink erst aus dem Kühlschrank geholt, separat aufgeschäumt und anschließend alles gespült werden müsse. Das wäre tatsächlich zusätzlicher Arbeitsaufwand. Ob der Ablauf in dem von mir besuchten Café genau so war, weiß ich jedoch nicht. Das lässt sich von außen schlicht nicht beurteilen.

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Wird die angebrochene Packung wirklich weggeworfen?

Ein weiteres häufig genanntes Argument war die mögliche Entsorgung angebrochener Packungen. Im schlimmsten Fall bestellt nur eine einzige Person Haferdrink und der gesamte Rest muss später weggeworfen werden, schrieb eine ehemalige Servicekraft.

Auch dieses Szenario ist nachvollziehbar. Wenn eine bestimmte Sorte nur sehr selten bestellt wird, kann es vorkommen, dass die Packung nicht rechtzeitig aufgebraucht wird. Diese Verluste muss ein Betrieb selbstverständlich in seine Kalkulation einbeziehen.

Dass nach einem einzigen Latte Macchiato zwangsläufig fast ein ganzer Liter entsorgt werden muss, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Entscheidend sind die Bestellhäufigkeit der Sorte in den nächsten Tagen, die Lagerung des Produkts und die Vorgaben nach dem Öffnen.

Unter meinem Beitrag berichteten Menschen aus München und Berlin, dass pflanzliche Alternativen dort inzwischen teilweise genauso häufig oder sogar häufiger bestellt werden wie Kuhmilch. Eine andere Person aus der Gastronomie schrieb, ihr Betrieb habe bei Kuh- und Haferdrink annähernd denselben Durchsatz. In solchen Cafés dürfte das Risiko einer halb vollen, vergessenen Packung überschaubar sein.

Ein kleines Café mit überwiegend traditionellem Publikum hat dagegen möglicherweise eine ganz andere Nachfrage. Genau deshalb lässt sich der gleiche Aufpreis nicht für jeden Betrieb gleichermaßen bewerten.

Aufpreis oder Mischkalkulation?

Besonders interessant fand ich die Kommentare von Menschen aus Cafés, die inzwischen vollständig auf einen Aufpreis verzichten. Dort werden die unterschiedlichen Kosten über eine Mischkalkulation aufgefangen. Anstatt beispielsweise drei Hafer-Cappuccinos pro Tag jeweils 80 Cent teurer zu machen, könnten alle verkauften Cappuccinos einige Cent mehr kosten.

Eine solche Kalkulation hat durchaus Vorteile. Die Getränkekarte bleibt übersichtlicher und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Kuhmilch trinken, müssen für eine alternative Milch nicht sichtbar mehr bezahlen. Gleichzeitig kann der Betrieb unterschiedliche Einkaufspreise und Arbeitsabläufe in seinen allgemeinen Verkaufspreis einrechnen.

Andere Kommentierende empfanden dies wiederum als unfair. Warum sollten Gäste, die Kuhmilch bestellen, einen Teil der Kosten für einen pflanzlichen Drink übernehmen, den sie gar nicht bestellt haben?

Auch diese Sichtweise ist nachvollziehbar. Allerdings gehört Mischkalkulation in der Gastronomie zum Alltag. Nicht jedes Getränk und jedes Gericht wirft exakt dieselbe Marge ab. So wird der schwarze Kaffee nicht ausschließlich nach den verwendeten Gramm Bohnen abgerechnet, während beim Latte Macchiato jede Sekunde Arbeitszeit, jedes Tropfen Spülwasser und der Verschleiß des Milchkännchens einzeln auf der Rechnung erscheinen.

Letztlich entscheidet jeder Betrieb selbst, ob er die Kosten auf alle Produkte verteilt oder bestimmte Wünsche mit einem sichtbaren Zuschlag versieht. Der Aufpreis ist also keine naturgegebene wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern eine von mehreren möglichen Kalkulationsformen.

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Ist Haferdrink noch ein Sonderwunsch?

Einige Kommentare bezeichneten die pflanzliche Alternative als „Extrawunsch“. Wer eine andere Milch als die Standardmilch wolle, müsse dafür eben mehr bezahlen. Wem das zu teuer ist, der kann schließlich Espresso oder Americano bestellen.

Aus Sicht eines Betriebs kann ein selten bestelltes Produkt tatsächlich zusätzlichen Aufwand verursachen. Trotzdem stellt sich die Frage, ab welchem Punkt eine Alternative überhaupt noch als Sonderwunsch gelten kann.

Hafer-, Soja- und Mandeldrinks sind heute keine exotischen Produkte mehr, nach denen man erst in einem geheimen Ritual im hintersten Lagerraum suchen muss. Menschen bestellen sie aus gesundheitlichen Gründen, wegen einer Unverträglichkeit, aus ethischen Überzeugungen, aus Umweltgründen oder ganz einfach, weil sie ihnen besser schmecken.

Gerade Haferdrink ist inzwischen in vielen Cafés ein selbstverständlicher Bestandteil der Getränkekarte. Je häufiger er bestellt wird, desto schwächer werden Argumente wie angebrochene Einzelpackungen oder ein außergewöhnlicher Arbeitsaufwand. In anderen Regionen oder Betrieben kann die Nachfrage jedoch weiterhin gering sein. Genau dieser Unterschied erklärt vermutlich, warum die Erfahrungen in den Kommentaren so unterschiedlich waren.

Vielleicht lautet die eigentliche Frage deshalb gar nicht:

Ist ein Aufpreis für Haferdrink grundsätzlich gerechtfertigt?

Sondern vielmehr:

Ab wann hört eine pflanzliche Alternative auf, eine Ausnahme zu sein?

Warum sich die Kommentare so stark widersprachen

Besonders faszinierend an der Diskussion fand ich, dass selbst die Menschen mit Erfahrung in der Gastronomie zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen kamen.

So erklärte eine ehemalige Servicekraft, 80 Cent seien aufgrund von Lagerung, Reinigung und möglicher Entsorgung nachvollziehbar. Eine Gastronomin schrieb hingegen, dass sie den Betrag ebenfalls zu hoch finde und selbst mit Mischkalkulation gearbeitet habe. In einem anderen Betrieb kosten Kuhmilch und Haferdrink für die Gäste gleich viel. Andere Cafés wiederum verlangen 90 Cent, einen Euro oder sogar 1,50 Euro Aufpreis.

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Diese Aussagen schließen einander nicht zwangsläufig aus. Sie zeigen vor allem, wie unterschiedlich Cafés organisiert sein können. Der eine Betrieb arbeitet mit einem Vollautomaten, der andere mit einer Siebträgermaschine. Das eine Café verkauft drei Hafer-Lattes pro Woche, das andere dreißig am Vormittag. Manche kaufen im Großhandel ein, andere bei verschiedenen Lieferanten oder zeitweise sogar im Einzelhandel. Hinzu kommen regionale Unterschiede und die verschiedenen Erwartungen des Publikums.

Das Problem entsteht erst dann, wenn die Erfahrung aus einem einzelnen Betrieb als unumstößliche Wahrheit für die gesamte Gastronomie dargestellt wird. „Bei uns ist das so“ ist ein hilfreicher Einblick. „Deshalb muss das überall so sein“ ist dagegen eher Milchschaumlogik.

Sind 80 Cent nun gerechtfertigt?

Nach der Diskussion ist meine Antwort differenzierter: Ein Aufpreis kann je nach Betrieb und Situation nachvollziehbar sein. Genau 80 Cent sind jedoch weder zwingend notwendig noch überall üblich.

Höhere Einkaufspreise, eine geringe Nachfrage, mögliche Lebensmittelreste und aufwendigere Arbeitsabläufe können eine Rolle spielen. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Cafés, dass es auch mit einem geringeren Zuschlag, über Mischkalkulation oder vollständig ohne Aufpreis funktioniert.

Die Mehrwertsteuer allein kann die 80 Cent jedenfalls nicht erklären. Auch der reine Unterschied beim Wareneinsatz dürfte in vielen Fällen deutlich geringer ausfallen. Letztlich handelt es sich um eine unternehmerische Kalkulationsentscheidung. Gäste dürfen diese Entscheidung trotzdem teuer finden, ohne deshalb die Gastronomie grundsätzlich nicht zu verstehen oder unmittelbar vor der Privatinsolvenz zu stehen.

Genau darum ging es in meinem ursprünglichen Beitrag. Nicht darum, dass ein Café zum Supermarktpreis arbeiten soll. Auch nicht darum, dass pflanzliche Alternativen zwingend kostenlos angeboten werden müssen. Und auch nicht darum, dass mich 80 Cent finanziell ruinieren.

Es ging um die einfache Frage, ob die Höhe dieses konkreten Aufpreises noch angemessen ist.

Mein Fazit – und ein großes Dankeschön

Nach Dutzenden Kommentaren von Gästen, Baristas, Servicekräften und Menschen aus der Gastronomie habe ich vor allem eines gelernt: Es gibt keine allgemeingültige Antwort.

Es gibt Cafés, in denen 80 Cent aufgrund der verwendeten Produkte, der geringen Nachfrage oder der Arbeitsabläufe nachvollziehbar sein mögen. In anderen Betrieben wird dieselbe Leistung hingegen ganz selbstverständlich ohne Aufpreis angeboten. Die Frage ist also nicht, ob ein Haferdrink grundsätzlich einen Zuschlag rechtfertigt, sondern welche zusätzlichen Kosten im jeweiligen Café tatsächlich entstehen und ob diese transparent und angemessen kalkuliert werden.

Deshalb möchte ich mich ganz bewusst bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, sachlich auf meine Frage zu antworten. Besonders wertvoll waren für mich die ausführlichen Kommentare von Menschen aus der Gastronomie. Sie haben nicht einfach „zu teuer“ oder „völlig normal“ geschrieben, sondern ihre Einkäufe, ihre Maschinen, ihre Arbeitsabläufe oder ihre Form der Kalkulation erklärt.

Auch die unterschiedlichen Erfahrungen von Gästen fand ich spannend. Einige berichteten von Cafés ohne jeden Zuschlag, andere kannten Aufpreise von bis zu 1,50 Euro. Wieder andere erklärten, dass pflanzliche Alternativen in ihrer Stadt längst genauso häufig bestellt würden wie Kuhmilch.

Genau diese Antworten haben meinen Blick auf das Thema erweitert und aus einer kleinen Alltagsbeobachtung eine äußerst interessante Diskussion gemacht. Dafür ein wirklich großes Dankeschön an alle, die sich bei ihrer Antwort Mühe gegeben und ihre Perspektive geteilt haben.

Die Kommentare à la „Mimimi“ oder „Jammern auf hohem Niveau“ dürfen derweil gern dort bleiben, wo sie inhaltlich hingehören: am Boden des leeren Milchkännchens.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dieser Diskussion: Es ging längst nicht mehr nur um 80 Cent. Es ging darum, wie unterschiedlich Cafés arbeiten, wie verschieden Menschen Preise bewerten und welche Erkenntnisse man aus einer Diskussion gewinnen kann, wenn nicht nur laut, sondern auch argumentativ diskutiert wird.

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Quelle Titelbild: Pixabay

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