In letzter Zeit begegnen mir in der Buchbubble immer häufiger Bilder, auf denen ein Buch scheinbar mitten in seiner eigenen Geschichte gelandet ist. Das Fantasybuch steht vor einer gewaltigen Burg, neben ihm brennen Kerzen, im Hintergrund flattern Banner im Wind und irgendwo liegt dekorativ ein Schwert herum. Alles ist perfekt ausgeleuchtet, dramatisch inszeniert und vermutlich hat selbst das Schwert vorher noch einen Termin beim Visagisten gehabt.

Solche Bilder können sehr beeindruckend aussehen. Gleichzeitig frage ich mich inzwischen oft, wie sie entstanden sind. Wurde die gesamte Szene frei mit einer KI generiert und das Buch anschließend eingefügt? Oder wurde das fertige Buchcover in ein KI-Tool hochgeladen, um daraus ein passendes Werbebild zu erstellen?

Natürlich kann ich das einem einzelnen Bild nicht mit Sicherheit ansehen. Ich möchte deshalb auch niemandem etwas unterstellen. Trotzdem halte ich es für wichtig, über diese Art der Bildgestaltung zu sprechen. Nicht, weil ich grundsätzlich gegen KI bin, sondern weil für mich eine Grenze erreicht ist, wenn fremde kreative Werke als Ausgangsmaterial verwendet werden.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen KI

Vielleicht sollte ich das gleich vorwegnehmen: Ich finde KI nicht automatisch schlecht. Sie kann bei der Ideenfindung helfen, Texte strukturieren, technische Fragen beantworten und aus einer eigenen Beschreibung Bilder erzeugen. Wie bei fast jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es benutzt.

Ein Hammer kann ein Regal zusammenbauen oder ein Loch in die Wand schlagen. Und manchmal auch den Daumen plattmachen, aber das ist ein anderes Thema.

Ich nutze KI ebenfalls. Was ich jedoch nicht mache, ist, Buchcover, Illustrationen oder Fotografien hochzuladen, an denen ich keine entsprechenden Rechte besitze, um daraus neue Bilder für meinen Blog oder meine Social-Media-Kanäle erstellen zu lassen.

Für mich macht es einen Unterschied, ob ich einer KI eine Szene beschreibe oder ihr ein bereits existierendes Werk als Vorlage gebe.

buch die sechs kraniche

Was passiert bei solchen KI-Buchbildern?

Das Prinzip ist ziemlich einfach. Ein vorhandenes Buchcover oder ein Foto des Buches wird in ein Bildprogramm mit generativer KI hochgeladen. Anschließend erhält die KI die Anweisung, das Buch beispielsweise in einer Fantasylandschaft, auf einem herbstlich dekorierten Tisch oder in einem gemütlichen Lesesessel zu zeigen.

Das fertige Ergebnis kann wie ein aufwendig inszeniertes Buchfoto aussehen. Tatsächlich wurde die Szene jedoch nicht fotografiert, sondern auf Grundlage des hochgeladenen Bildes erzeugt.

Das ist besonders für Blogger:innen verlockend. Gute Buchfotos benötigen Zeit, Licht, Platz und eine gewisse Menge an Dekoration. Es gibt auch Tage, an denen selbst eine hübsch platzierte Kaffeetasse aussieht, als hätte sie innerlich bereits gekündigt (und ich dann auch).

KI verspricht dagegen innerhalb weniger Minuten ein perfekt auf das Buch abgestimmtes Bild. Das Problem dabei ist nicht unbedingt die künstlich erzeugte Burg im Hintergrund. Das Problem ist die Frage, ob das Buchcover überhaupt als Vorlage hochgeladen und verarbeitet werden durfte.

Ein Buchcover ist nicht einfach nur Verpackung

Hinter einem Buchcover steckt kreative Arbeit. Es wurde gestaltet, illustriert, fotografiert, zusammengesetzt und typografisch ausgearbeitet. Je nach Cover waren Illustrator:innen, Fotograf:innen, Grafikdesigner:innen, Agenturen oder die interne Designabteilung eines Verlags daran beteiligt.

Ein entsprechend individuell gestaltetes Cover kann als persönliche geistige Schöpfung urheberrechtlich geschützt sein. Dabei können nicht nur die gesamte Gestaltung, sondern auch einzelne Illustrationen oder Fotografien geschützt sein.

Nur weil ein Cover im Internet zu finden ist, bedeutet das nicht, dass es frei verwendet oder beliebig verändert werden darf. Auch die Tatsache, dass ein Verlag das Cover für Rezensionen zur Verfügung stellt, erlaubt nicht automatisch jede denkbare weitere Nutzung.

Ein offizielles Pressecover in einen Rezensionsartikel einzubinden und dasselbe Bild in ein KI-System hochzuladen, um daraus eine neue Werbegrafik zu erstellen, sind zwei unterschiedliche Vorgänge.

buch die sprache der drachen

Ist das Hochladen eines Covers in eine KI automatisch illegal?

So einfach ist es rechtlich nicht. Die pauschale Aussage, dass jeder Upload eines fremden Bildes in eine KI automatisch eine Urheberrechtsverletzung sei, wäre mir zu eindeutig. Ebenso leichtfertig wäre jedoch die Behauptung, dabei könne überhaupt kein rechtliches Problem entstehen.

Nach § 16 des Urheberrechtsgesetz umfasst das Vervielfältigungsrecht sowohl dauerhafte als auch vorübergehende Kopien eines Werkes. Beim Hochladen einer Bilddatei auf den Server eines externen Anbieters entsteht grundsätzlich zumindest eine technische Kopie. Ob diese konkrete Nutzung erlaubt ist, hängt unter anderem davon ab, welche Nutzungsrechte, Lizenzen oder gesetzlichen Ausnahmen bestehen.

§ 53 UrhG erlaubt zwar unter bestimmten Voraussetzungen einzelne Kopien zum privaten Gebrauch. Diese Ausnahme gilt jedoch nicht, wenn die Kopie unmittelbar oder mittelbar Erwerbszwecken dient. Bei einem öffentlich geführten Blog, einem professionell wirkenden Bookstagram-Kanal oder einem Account mit Kooperationen sollte man sich daher nicht in die Privatkopier-Ausnahme „kuscheln“.

Wenn das erzeugte Bild erkennbare Bestandteile des ursprünglichen Covers übernimmt, kann zusätzlich die Frage entstehen, ob es sich um eine Bearbeitung oder andere Umgestaltung handelt. Solche Bearbeitungen dürfen nach § 23 UrhG grundsätzlich nur mit Zustimmung des Urhebers veröffentlicht oder verwertet werden, sofern das neu geschaffene Werk keinen hinreichenden Abstand zum Original wahrt oder keine andere gesetzliche Erlaubnis greift.

Das bedeutet jedoch nicht, dass hinter jedem KI-Buchbild eine Abmahnung wartet. Sollte allerdings tatsächlich ein geschütztes Recht verletzt worden sein, sieht das Urheberrecht unter anderem Ansprüche auf Beseitigung, Unterlassung und gegebenenfalls Schadensersatz vor.

Die Beurteilung im Einzelfall hängt immer von verschiedenen Faktoren ab: vom verwendeten Cover, von den vorhandenen Rechten, vom KI-System, vom Ergebnis und von der Art der Veröffentlichung. Genau deshalb würde ich nicht behaupten, dass jedes entsprechende Bild zweifelsfrei illegal ist. Ohne ausdrückliche Erlaubnis ist man allerdings ebenfalls nicht auf der sicheren Seite.

„Aber der/die Autor_in hat doch nichts dagegen“

Vielleicht hat sie/er tatsächlich nichts dagegen. Trotzdem besitzt ein Autor bzw. eine Autorin nicht automatisch sämtliche Rechte an seinem bzw. ihrem Buchcover.

Je nach Vertrag können die Rechte an der Gestaltung beim Verlag, bei einer Agentur, bei einem Fotografen oder bei einem Illustrator liegen. Selbst wenn der Autor/die Autorin das fertige Cover für die eigene Buchwerbung verwenden darf, bedeutet das nicht, dass er/sie anderen Personen erlauben kann, es in eine KI hochzuladen und daraus neue Bilder erzeugen zu lassen.

Wer eine Erlaubnis einholen möchte, sollte deshalb direkt beim Rechteinhaber nachfragen und die beabsichtigte Nutzung konkret nennen. Die Frage „Darf ich das Cover für meine Rezension verwenden?“ ist etwas anderes als:
„Darf ich das Cover in ein generatives KI-System hochladen, daraus ein neues Bild erstellen lassen und dieses anschließend auf meinem Blog und auf Instagram veröffentlichen?“

Das mag übertrieben genau klingen. Bei Nutzungsrechten ist es allerdings meistens besser, übertrieben genau zu sein, als überraschend teuer. Das wollte ich nur mal hier erwähnen.

Der Schwarze Thron von Kendare Blake

Wird ein hochgeladenes Cover automatisch zum Training verwendet?

In Diskussionen werden auch dazu oft sehr eindeutige Aussagen gemacht. Beispielsweise, dass ein hochgeladenes Bild anschließend für immer in der KI gespeichert sei und das Modell damit weitertrainiert werde.

So pauschal lässt sich das jedoch nicht sagen.

Was ein Anbieter mit hochgeladenen Dateien macht, hängt von seinen Nutzungsbedingungen, den Datenschutzeinstellungen, dem verwendeten Tarif und dem konkreten Dienst ab. Manche Systeme verwenden die Eingaben möglicherweise zur Verbesserung ihrer Angebote, während andere bestimmte Daten oder Tarife davon ausschließen.

Ohne die Bedingungen des jeweiligen Tools zu kennen, kann ich es nicht sagen. Ich würde daher weder behaupten, dass ein Bild garantiert dauerhaft zum Training verwendet wird, noch darauf vertrauen, dass es nach der Generierung sofort vollständig verschwindet.

Für meine Entscheidung spielt das aber nur eine Nebenrolle. Selbst wenn ein Anbieter verspricht, das Cover nicht für das Training zu verwenden, bleibt die Frage bestehen, ob ich überhaupt berechtigt bin, das fremde Werk dorthin hochzuladen und für eine neue Gestaltung zu benutzen.

Meine Lösung: eigene Fotos oder eine feste Vorlage

Normalerweise fotografiere ich meine Bücher selbst. Das gehört für mich zum Bloggen einfach dazu und verbindet meine beiden kreativen Bereiche miteinander. Außerdem zeigen eigene Fotos nicht nur das Buch, sondern auch immer ein kleines Stück des eigenen Stils.

Allerdings habe auch ich nicht immer die Zeit oder Energie, ein Buch passend zu dekorieren, das Licht aufzubauen und anschließend zwanzig nahezu identische Aufnahmen zu sortieren, von denen auf neunzehn irgendwo ein Staubkorn genau dort liegt, wo es am meisten stört.

Deshalb habe ich mir eine feste Vorlage für meine Titelbilder erstellt. Sie passt farblich und gestalterisch zu meinem Blog und kann auch dann verwendet werden, wenn ich kein eigenes Buchfoto verwenden kann.

Das ist vielleicht nicht so spektakulär wie ein Schloss bei Sonnenuntergang. Dafür weiß ich jedoch genau, woher alle Bestandteile stammen und welche Rechte ich daran habe.

Gleichzeitig entsteht durch die wiederkehrende Gestaltung ein Wiedererkennungswert. Wer häufiger auf meinem Blog unterwegs ist, erkennt die Farben, die Aufteilung und den Stil wieder. Eine wiederkehrende Vorlage ist deshalb nicht automatisch langweilig. Sie kann Teil der eigenen visuellen Identität sein.

buch songbird of the sorrows

Welche Alternativen gibt es?

Wer keine Zeit für aufwendige Buchfotografie hat, muss deshalb nicht auf ansprechende Titelbilder verzichten.

Eine Möglichkeit ist die Verwendung einer neutralen Vorlage aus selbst erstellten oder entsprechend lizenzierten Elementen. Auch einfache Hintergründe, Farben, Rahmen und Typografie können professionell wirken. Das Buchcover muss nicht zwingend riesig auf jedem Titelbild zu sehen sein.

Für die eigentliche Rezension kann offizielles Pressematerial des Verlags verwendet werden, sofern die dort genannten Nutzungsbedingungen eingehalten werden. Die Tatsache, dass eine Coverdatei auf einer Verlagsseite zum Download bereitsteht, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie verändert, an Dritte weitergegeben oder als Vorlage in einer KI benutzt werden darf.

Eine weitere Möglichkeit ist ein eigenes Foto des Buches. Dabei wird das vorhandene Cover nicht künstlich erweitert oder umgestaltet, sondern das physische Buch wird in einer selbst geschaffenen Fotoszene gezeigt. Für die Veröffentlichung sollte das Bild außerdem in einem nachvollziehbaren Zusammenhang mit dem Buch stehen, beispielsweise innerhalb einer Rezension. Die notwendigen Quellen- und Urheberangaben dürfen nicht vergessen werden. Das gesetzliche Zitatrecht erlaubt die Nutzung veröffentlichter Werke nur, wenn der konkrete Zitatzweck den Umfang der Verwendung rechtfertigt.

Wer KI dennoch für ein atmosphärisches Titelbild nutzen möchte, kann eine Szene ausschließlich über Text beschreiben und das Buchcover später gar nicht oder nur im Rahmen einer ausdrücklich erlaubten Verwendung separat zeigen. Dafür muss das fremde Cover nicht als Bildvorlage im KI-System landen.

Eine KI-Kennzeichnung löst das eigentliche Problem nicht

Selbstverständlich finde ich es sinnvoll, KI-generierte Bilder als solche zu kennzeichnen. Transparenz ist besser, als ein künstlich erzeugtes Bild als eigene Fotografie auszugeben.

Eine Kennzeichnung mit „KI-generiert“ beantwortet jedoch nicht die Frage nach den Rechten am verwendeten Ausgangsmaterial. Ein solcher Hinweis unter dem Bild macht eine unklare Nutzung nicht nachträglich erlaubt. Er sagt lediglich, wie das Ergebnis entstanden ist.

Das gilt übrigens nicht nur für Buchcover. Das Gleiche betrifft auch fremde Fotografien, Illustrationen, Fanarts, Logos oder Bilder von Künstler:innen. Wer das Ausgangsmaterial nicht selbst erstellt hat, sollte vor dem Hochladen klären, ob eine solche Nutzung gestattet ist.

Es geht mir nicht um eine Hexenjagd

Mit diesem Beitrag möchte ich niemanden öffentlich an den Pranger stellen. Ich glaube tatsächlich, dass vielen Nutzerinnen und Nutzern nicht bewusst ist, dass ein KI-Tool fremde Rechte nicht einfach verschwinden lässt.

Die Anwendung wirkt unkompliziert: Bild hochladen, Anweisung eingeben, Ergebnis speichern. Zwischen diesen drei Schritten erscheint jedoch kein kleiner Urheberrechtsanwalt auf dem Bildschirm, der warnend mit einem Gesetzbuch um sich schlägt. Vielleicht wäre das gelegentlich gar keine schlechte Funktion.

Trotzdem tragen wir selbst die Verantwortung für das Material, das wir verwenden. Gerade in einer Community, die von Büchern und kreativer Arbeit lebt, sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir mit den Werken anderer umgehen.

Ich finde KI als Werkzeug völlig in Ordnung. Meine persönliche Grenze ist jedoch erreicht, wenn ich dafür Bilder, Fotografien oder Buchcover hochladen müsste, an denen ich nicht die notwendigen Rechte besitze. In diesem Fall nutze ich lieber meine eigenen Vorlagen, fotografiere das Buch später oder verzichte auf die perfekt inszenierte Fantasyszene.

Mein Blog überlebt auch ohne eine brennende Burg im Hintergrund. Die Coverkünstler:innen haben es hingegen verdient, dass ihre Arbeit nicht einfach zum kostenlosen Rohmaterial für den nächsten mit KI erzeugten Social-Media-Post wird.

Wie geht ihr damit um? Nutzt ihr KI für eure Blog- oder Social-Media-Bilder und wo zieht ihr persönlich die Grenze?

Hinweis: In diesem Beitrag teile ich meine persönliche Einschätzung und meinen Umgang mit dem Thema. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Stand der rechtlichen Informationen: Juli 2026.