Nach unserer Ankunft in Dublin und der Übernahme des Mietwagens ging es für uns direkt los. Viel Zeit zum Ankommen blieb nicht, denn wir wollten die ersten Kilometer möglichst hinter uns bringen. Dublin war für uns Startpunkt und organisatorische Notwendigkeit, nicht der eigentliche Fokus dieser Reise. Der Roadtrip sollte draußen stattfinden. Auf schmalen Straßen, an der Küste und dort, wo Irland sich von seiner eindrucksvollsten Seite zeigt.
Schon die ersten Stunden im Auto fühlten sich vertraut an. Nach dem Roadtrip durch Schottland im Jahr zuvor wussten wir, was uns erwartet. Linksverkehr, ungewohnte Straßenbreiten und ein sehr eigenes Verständnis davon, was man hier Straße nennt. Trotzdem stellte sich schnell dieses typische Roadtrip-Gefühl ein. Unterwegs sein. Frei entscheiden können. Weiterfahren, wenn es passt.
Erste Etappe: Dublin und die Fahrt Richtung Norden
Nach der Landung holten wir unser Mietauto ab und verließen Dublin relativ zügig. Die Stadt selbst haben wir uns bewusst für das Ende der Reise aufgehoben. Der Weg führte uns Richtung Nordirland, genauer gesagt nach Bushmills, wo wir unsere erste Unterkunft hatten.

Je weiter wir uns von Dublin entfernten, desto ruhiger wurde es. Die Landschaft öffnete sich, die Straßen wurden schmaler und das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein, setzte ein. Für den ersten Tag war das Ziel klar. Ankommen, Strecke machen und am Abend noch hinaus an die Küste.
Natürlich haben wir uns trotz Navi verfahren. Irgendwie meinte es, uns durch ein Wohngebiet zu lotsen. Das Wohngebiet endete aber in einer Sackgasse. Glücklicherweise trafen wir dort auf eine Anwohnerin, die uns den richtigen Weg zurück auf die Straße Richtung Norden zeigte.
Giant’s Causeway zum Sonnenuntergang
Der Giant’s Causeway liegt nur wenige Minuten von Bushmills entfernt und fühlt sich trotzdem an wie eine eigene Welt. Schon der Weg hinunter zur Küste verändert etwas. Der Blick öffnet sich, der Wind wird stärker, das Rauschen des Meeres lauter. Alles wirkt größer, rauer, eindringlicher.

Unten angekommen breiten sich die dunklen Basaltsäulen wie ein unregelmäßiges Mosaik aus. Eine Struktur, die auf den ersten Blick fast künstlich wirkt, so gleichmäßig und doch so unperfekt. Man läuft darüber, bleibt stehen, schaut, klettert ein paar Schritte weiter und verliert dabei schnell jedes Gefühl für Zeit. Der Atlantik schlägt gegen die Felsen, Möwen kreisen über den Klippen und der Wind trägt dieses tiefe, gleichmäßige Geräusch mit sich, das man nicht hört, sondern eher spürt.

Je länger man dort steht, desto weniger denkt man darüber nach, wie dieser Ort entstanden ist. Stattdessen wirkt alles selbstverständlich. Als hätte der Giant’s Causeway schon immer genau so ausgesehen und würde auch noch lange nach uns genau so dort liegen. Vielleicht ist es genau das, was diesen Ort so besonders macht. Er erklärt sich nicht, er ist einfach da.

Rund um den Giant’s Causeway ranken sich zahlreiche Legenden. Die bekannteste erzählt von dem Riesen Fionn mac Cumhaill, der den steinernen Damm gebaut haben soll, um seinem schottischen Widersacher entgegenzutreten. Auch wenn man diese Geschichte heute eher schmunzelnd hört, passt sie erstaunlich gut zu diesem Ort. Zwischen all den kantigen Steinen, dem Meer und dem Wind wirkt die Vorstellung von Riesen plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Wir waren am frühen Abend dort, als sich die Besuchermenge langsam lichtete. Das Licht wurde weicher, die Farben ruhiger und der Ort gewann noch einmal an Tiefe. Der Giant’s Causeway war für uns kein Ort, den man einfach nur gesehen hat. Er war ein Moment. Einer, der bleibt.
Dunluce Castle und White Rocks Beach
Ganz im Norden Irlands trifft der Atlantik mit voller Wucht auf die Küste des County Antrim. Die Landschaft ist rau, offen und beeindruckend zugleich. An Tagen mit gutem Wetter wirkt sie fast friedlich, doch schon bei Wind und grauem Himmel kann man erahnen, wie unwirtlich diese Gegend sein kann. Selbst im Sommer fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, wie hart die Winter hier oben sein müssen.

Am nächsten Tag folgten weitere Stopps entlang der nordirischen Küste. Dunluce Castle war einer davon. Schon der Blick auf die auf den Klippen thronende Burgruine reicht aus, um zu verstehen, warum dieser Ort so spektakulär ist.
Dunluce Castle
Dunluce Castle gehört zu den eindrucksvollsten Burgruinen Irlands. Die Anlage thront spektakulär auf einem Basaltfelsen an der zerklüfteten Nordküste des County Antrim, zwischen Portballintrae und Portrush. Allein die Lage sorgt dafür, dass man schon beim ersten Blick versteht, warum dieser Ort bis heute so faszinierend wirkt.

Die Geschichte der Burg reicht weit zurück. Bereits vorchristlich soll sich auf dem Felsen eine befestigte Anlage befunden haben. Sicher belegt ist, dass Dunluce Castle ab dem frühen 16. Jahrhundert im Besitz der Familie McQuillan war. Im Laufe der Zeit wechselte die Burg mehrfach den Besitzer und war immer wieder Schauplatz von Belagerungen und Konflikten. Im Jahr 1584 übernahmen schließlich die MacDonnells die Anlage.
Ein besonderes Ereignis ereignete sich im Jahr 1588, als ein Schiff der Spanischen Armada unweit der Küste vor Dunluce Castle auf Grund lief. Das Wrack wurde geplündert und der Erlös soll später in den Ausbau und die Verschönerung der Burg geflossen sein. Ein Detail, das zeigt, wie eng Geschichte, Meer und Macht an diesem Ort miteinander verknüpft sind.

Im 17. Jahrhundert wurde Dunluce Castle schließlich aufgegeben. Um die genauen Gründe ranken sich bis heute verschiedene Geschichten. Einer Legende zufolge sei das ständige Brausen des Meeres den Bewohnern irgendwann zu viel geworden. Eine andere Erzählung berichtet davon, dass im Jahr 1639 die Küche der Burg mitsamt Personal ins Meer gestürzt sei. Historische Darstellungen aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigen jedoch, dass die Anlage zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend erhalten war, was darauf hindeutet, dass Teile des Felsabbruchs erst später erfolgt sein müssen.

Heute ist Dunluce Castle eine Ruine, die ihre Wirkung nicht verloren hat. Im Gegenteil. Die Kombination aus Lage, Geschichte und Verfall macht diesen Ort zu einem der eindrucksvollsten Stopps an der nordirischen Küste.
In den letzten Jahren wurde Dunluce Castle häufig mit der Serie Game of Thrones in Verbindung gebracht. Die Burgruine diente dabei jedoch nicht als klassischer Drehort, sondern vielmehr als visuelle Inspiration für Pyke, den Sitz des Hauses Greyjoy. Die markante Lage auf den Klippen und die dramatische Silhouette flossen in die Gestaltung der Burg in der Serie ein, die letztlich mithilfe von CGI umgesetzt wurde.

Auch ohne direkte Dreharbeiten vor Ort erklärt diese Verbindung, warum Dunluce Castle heute ein beliebter Anziehungspunkt für viele Besucher ist. Die eigentliche Wirkung des Ortes entsteht jedoch unabhängig davon, allein durch seine Lage, Geschichte und Atmosphäre.
Whiterocks Bay
Während unseres Besuchs an der Whiterocks Bay, auch als White Rocks Beach bekannt, ließen wir es ruhig angehen. Wir machten einen gemütlichen Spaziergang am Strand, ohne großes Ziel, einfach nur entlang der Küste. Der helle Sand, das Rauschen der Wellen und der Blick auf die Felsen sorgten ganz von selbst für Entschleunigung. Irgendwann zog ich spontan meine Schuhe aus und stellte die Füße in den Atlantik. Das Wasser war eiskalt, wie man es erwartet, aber es wurde eine weitere bleibende Erinnerung für die Sammlung.

Der Whiterocks Bay macht seinem Namen alle Ehre. Entlang der Küste ziehen sich helle Kalkfelsen, die sich deutlich von den dunkleren Klippen der Umgebung abheben. Der Küstenabschnitt reicht von der Nähe Portrush bis in Richtung Dunluce Castle und wirkt offen, weit und fast ein wenig unwirklich.

Über Jahrhunderte haben Wind und Meer ihre Spuren im weichen Gestein hinterlassen. Dabei sind Höhlen, Bögen und freistehende Felsformationen entstanden, die die Küste besonders abwechslungsreich machen. Einige dieser Formen lassen sich gut vom Strand aus erreichen, andere erkennt man schon aus der Entfernung, wie etwa der bekannte Wishing Arch. Mit etwas Fantasie lassen sich in den Felsen immer wieder Figuren und Gesichter entdecken. Vom Mageracross Parkplatz aus erkennt man mit Blick Richtung Dunluce Castle sogar eine Formation, die an ein Gesicht erinnert und oft als Giant’s Head bezeichnet wird.
Unterkunft in Bushmills und erstes Ankommen
Unsere Unterkunft in Bushmills war das Carnside Guest House. Ein großer Pluspunkt war die Lage, denn von dort aus konnte man den Giant’s Causeway sogar zu Fuß erreichen. Gerade nach der Fahrt von Dublin war das unglaublich angenehm und nahm viel Hektik aus dem ersten Abend.

Die Unterkunft selbst war ruhig gelegen, herzlich geführt und genau richtig, um nach einem langen Tag anzukommen. Wir ließen den Abend entspannt ausklingen und merkten schnell, dass diese Art zu reisen für uns perfekt war. Kein strikter Zeitplan, kein Abhaken von Sehenswürdigkeiten, sondern ein grober Rahmen und die Freiheit, spontan zu entscheiden, wie der nächste Tag aussehen sollte.

Fazit des ersten Abschnitts
Der Start unseres Irland Roadtrips war intensiv, aber genau richtig. Die Strecke von Dublin nach Nordirland bot einen sanften Einstieg, erste Küstenmomente und gleich zu Beginn Orte, die Eindruck hinterlassen haben. Giant’s Causeway, Dunluce Castle und die nordirische Küste waren ein starkes erstes Kapitel und machten Lust auf alles, was noch vor uns lag und gaben einen Vorgeschmack auf das Irland, das uns in den nächsten Tagen erwarten sollte.

Im nächsten Abschnitt führte uns der Weg weiter in den Nordwesten Irlands. Nach Donegal, zu abgelegenen Stränden, hohen Klippen und Landschaften, die noch einmal ganz anders wirkten.

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Omg, ich liebe alles daran!
Da kriegt man ja direkt Fernweh bei den Fotos 💕 mich schreckt nur die Kommunikation und das Linksfahren davor so sehr ab 🙈 Mutig wart ihr, dass ihr das Abenteuer gemacht habt!
Da wir im Jahr zuvor bereits einen Roadtrip durch Schottland gemacht hatten, war die Angst vor dem Linksverkehr dieses Mal fast nicht vorhanden. 😄 Zwar ist mein Englisch nicht so gut, aber die Kommunikation hat trotzdem geklappt. Manchmal muss man es einfach wagen.