In den letzten beiden Wochen war es hier auf meinem Blog etwas ruhiger. Mich hat eine Erkältung erwischt und wenn man krank zu Hause sitzt, passiert eines von zwei Dingen: Entweder man schläft. Oder man denkt zu viel nach. Ich habe mich für beides entschieden, mit einer ordentlichen Portion Netflix dazwischen 😅 „Agatha Christie’s Seven Dials” kann ich übrigens sehr empfehlen. Die Serie ist ruhig, kurzweilig und angenehm unaufgeregt. Und ja, den ersten Teil der vierten Staffel von Bridgerton habe ich natürlich auch am Stück durchgesuchtet.
Und dann sitzt man da. Krank, etwas entschleunigt, ohne Alltagslärm.
Kennt ihr das, wenn dann plötzlich diese Gedanken kommen? Nicht die großen existenziellen Dramen, sondern dieses leise „Wo stehe ich eigentlich gerade?“.

Kurzfristig denkt man an Reisepläne, an Dinge, die man noch erleben möchte. Aber irgendwann landet man unweigerlich beim Thema Arbeit.
Beruflich bin ich aktuell an einem Punkt, angelangt, an dem es… nun ja… nicht wirklich weitergeht. Ich habe mir über die Jahre viel Wissen angeeignet und Aufgaben übernommen, die sonst niemand in meinem Bereich macht. Gleichzeitig hat das alles nur noch wenig mit meiner ursprünglichen Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung zu tun. Dadurch stellt sich zwangsläufig die Frage nach Weiterbildung.
Diese Frage habe ich mir nicht erst gestern gestellt. Vor einigen Jahren habe ich ein Fernstudium der Medieninformatik begonnen, bin aber nach zwei Semestern gescheitert. Nicht aus Dummheit, sondern aufgrund meiner Alltagsrealität: Präsenzunterricht in Darmstadt, viel Fahrerei und in Kombination mit meiner Angststörung einfach keine gute Idee.
Danach habe ich mich bei der IHK umgesehen. Vorgeschlagen wurde mir die Weiterbildung zum Betriebswirt. Inhaltlich durchaus interessant – mein Abi in Wirtschaft und Recht war nicht umsonst eine Eins – aber vier Jahre neben der Arbeit, drei Abende die Woche Unterricht? Nein. Ganz klares Nein. Das löst bei mir kein Karrierekribbeln aus, sondern Unbehagen.
Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich passt es gerade.
Ich habe geregelte Arbeitszeiten, Überstunden halten sich im Rahmen und ich kann fast immer so Urlaub nehmen, wie ich möchte. Außerdem stimmt die Work-Life-Balance. Auch finanziell komme ich klar. Es ist kein Luxusleben, aber solide.

Spoiler: Man denkt trotzdem weiter darüber nach.
Warum? Weil es immer Menschen im Umfeld gibt, die laut über Karriere sprechen, mit ihrem Gehalt prahlen und beiläufig erwähnen, was sie sich „spontan” leisten können. Dinge, für die man selbst sparen oder einen Kredit aufnehmen müsste. Und ja, das triggert Vergleiche. Leider.
Letztendlich ist es eine Frage der Prioritäten. Für mich gewinnt aktuell ganz klar die Lebensqualität. Eine Karriere um jeden Preis reizt mich nicht. Also hake ich das Thema Arbeit erst einmal ab und genieße es, dass es mir gut genug ist. Das ist keine Resignation, sondern eine bewusste Entscheidung.
Privat läuft es ruhig und friedlich mit einem gesunden Maß an Chaos. Völlig absurd haben zudem bereits die Urlaubsplanungen für Anfang 2027 begonnen. Ich weiß selbst nicht, wie das passiert ist, aber ich beschwere mich nicht 😅

Was mich allerdings schon länger nicht loslässt, ist ein ganz anderer Gedanke. Fotografie.

Ich fotografiere seit meinem sechsten Lebensjahr. Natürlich hatte ich damals keine Ahnung, aber ich war voller kindlicher Begeisterung und wollte alles festhalten. Die Welt war spannend und die Kamera ein Werkzeug, um sie mir ein bisschen zu bewahren. Über die Qualität der Bilder von damals müssen wir nicht reden. Aber der Wunsch, Momente einzufangen, war schon damals vorhanden.
Über die Jahre habe ich viel gelernt. VHS-Kurse, Bücher, unzählige Versuche, viel Ausschuss und ein paar Bilder, auf die ich heute noch stolz bin. Vieles davon kam aus dem Bauch heraus. Intuition, Gefühl, Ausprobieren. Und trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass da noch mehr ist. Mehr Tiefe, mehr Verständnis, mehr Bewusstsein dafür, warum ein Bild funktioniert und ein anderes nicht.
Fotografie ist für mich nie nur Technik gewesen. Es geht nicht um die perfekte Kamera oder die neuesten Einstellungen. Es geht um Stimmung. Um Licht. Um diesen kurzen Moment, in dem alles passt. Es ist Gefühl, wenn man auf den Auslöser drückt und weiß, dass genau jetzt etwas eingefangen wurde, das man so nie wieder sehen wird.
Vielleicht bin ich genau an diesem Punkt angelangt. Ich möchte dieser Leidenschaft mehr Raum geben. Nicht, um daraus zwangsläufig etwas machen zu müssen. Nicht, um mich irgendwo einzuordnen. Sondern um sie ernster zu nehmen. Auch mir selbst gegenüber.
Deshalb spiele ich mit dem Gedanken, mich im Bereich Fotografie weiterzubilden. Um Struktur zu bekommen. Mein Wissen zu vertiefen. Vielleicht sogar mit einem Zertifikat, nicht als Statussymbol, sondern als Zeichen dafür, dass ich mir selbst etwas zutraue.
Also habe ich angefangen zu recherchieren. Es gibt Fernstudiengänge mit Laufzeiten zwischen sechs und vierzehn Monaten. Das klingt machbar. Was mich dabei allerdings bremst, ist diese Intransparenz. Viele Anbieter nennen ihre Preise erst, wenn man seine persönlichen Daten hinterlässt. Das fühlt sich nicht gut an. Es fühlt sich nicht vertrauensvoll an. Und Fotografie ist für mich etwas sehr Persönliches.
In klassischen Fotografie-Communitys bin ich kaum unterwegs. Nicht aus Ablehnung, sondern aus Selbstschutz. Ich habe dort Erfahrungen gemacht, die mir die Freude genommen haben. Grenzüberschreitungen, unangenehme Kommentare, Situationen, die ich nicht noch einmal erleben möchte. Auch in einer reinen Frauen-Community war ich nur kurz. Als ich meine Adresse nicht öffentlich teilen wollte, wurde ich ausgeschlossen. Das hat mir gezeigt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss.
Vielleicht bin ich eine Einzelgängerin. Vielleicht bin ich auch einfach jemand, der gerne in Ruhe lernt. Jemand, der lieber beobachtet, als sich laut in Gruppen zu präsentieren. Und das ist in Ordnung.
Fotografie begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Sie war immer da, auch wenn sie manchmal mehr im Hintergrund stand. Und vielleicht ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt, ihr wieder ein bisschen mehr Raum zu geben. Ohne Druck. Ohne Zielvorgabe. Einfach, weil sie mir guttut.
Vielleicht bin ich genau an diesem Punkt. Weder an einem Neuanfang noch an einem Ende, sondern irgendwo dazwischen. An einem Ort, an dem nichts entschieden werden muss. An dem Gedanken, einfach da sein zu dürfen, ohne sofort eine Richtung vorgeben zu müssen. Fotografie ist gerade so ein Gedanke. Still, beharrlich, ohne Eile. Vielleicht reicht es im Moment, dem zuzuhören, ohne sofort einzuordnen.

Und nein, die Ruhe hier im Blog lag nicht nur an meiner Erkältung. Ich hatte ein kleines Kreativtief, eine Schreibblockade, und brauchte Zeit zum Nachdenken. Auch das gehört dazu.
Wie Erik Range (Gronkh) neulich in seinem Stream sinngemäß sagte: Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Manchmal braucht sie einfach Ruhe, um sich zu erholen.
Recht hat er. Und genau diese Ruhe habe ich mir genommen.

Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden durch deepl.com/write korrigiert, ebenso einige Grammatikfehler. Leider hatte keines meiner Lektoratsschäfchen Zeit, den Text vorab zu lesen.
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Das mit dem Nachdenken kenne ich… vor allem, wenn man das Gefühl hat im Stillstand zu stecken. Aber diese Fernkurse um sich einfach mal so in Bereichen weiterzubilden… sind da deine Erfahrungen gut? Ich stelle mir das so schwer vor mich darauf zu konzentrieren!