Vom White Rocks Beach aus führte uns die Straße immer weiter in Richtung Nordwesten. Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft karger. Hügel, die kaum bewachsen wirkten, weite Flächen ohne erkennbare Struktur, kaum Häuser, kaum Bewegung. Irgendwann schauten wir uns an und meinten halb im Scherz, dass wir uns fühlten, als würden wir über den Mars fahren. Alles war offen, roh und fast surreal.
Glencolumbkille

In Glencolumbkille legten wir einen Zwischenstopp ein. Kein großer Ort, kein touristisches Zentrum, sondern ruhig und bodenständig. In einem kleinen Supermarkt besorgten wir uns etwas fürs Abendessen, nichts Besonderes, einfach das, was man nach einem langen Tag unterwegs braucht. Später saßen wir am Strand, blickten auf das Meer hinaus und ließen den Tag langsam ausklingen. Die Sonne sank tiefer, das Licht wurde weicher und die Stille bekam etwas Beruhigendes. Es war einer dieser Abende, die sich unspektakulär anfühlen und genau deshalb in Erinnerung bleiben.


Silver Strand
Einer unserer eindrucksvollsten Stopps in Donegal war der Silver Strand Malin Beg, auf Irisch An Trá Bhán. Der hufeisenförmige, geschützter Sandstrand liegt eingebettet zwischen hohen Felsen und wirkt beinahe wie eine versteckte Bucht. Von oben führt eine steile Treppe mit 174 Stufen hinunter zum Wasser und erst dort unten wird klar, wie abgeschieden dieser Ort eigentlich ist.

Geografisch gehört der Strand zur Region rund um Slieve League, weshalb er manchmal damit in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich besuchten wir jedoch nicht die berühmten Klippen selbst, sondern blieben an diesem ruhigeren, fast intimen Küstenabschnitt. Und genau das machte den Ort für uns so besonders.

Unsere Unterkunft lag sehr nah an den Klippen zum Silverstrand. Das war schon etwas besonderes. Wir waren die einzigen Gäste im Silver Strand B&B.

Ballycroy National Park
Unsere Wanderung im Ballycroy National Park, eines der größten Hochmoore in Europa, begann am Visitor Centre und endete auch wieder dort. Die Strecke führte uns durch weite Moorlandschaften, vorbei an niedriger Vegetation und mit Blick auf die Berge in der Ferne. Es war eine ruhige, gleichmäßige Wanderung, weniger spektakulär als die Klippen zuvor, dafür umso entschleunigender.

Zurück am Visitor Centre gönnten wir uns vor der Weiterfahrt noch eine kleine Stärkung im Café. Eigentlich ein unscheinbarer Zwischenstopp, wäre da nicht mein Halstuch gewesen. Das hatte ich irgendwo auf der Toilette liegen lassen. Was folgte, war ein kleines Abenteuer, das unerwartet meine Englischkenntnisse forderte.
Eine Besucherin hatte das Tuch gefunden und im Café abgegeben. Dort wusste der Koch allerdings nicht so recht, was er damit anfangen sollte und hatte es kurzerhand entsorgt. Nach etwas Erklären, Nachfragen und leichtem inneren Zittern wurde schließlich im Mülleimer nachgesehen. Und tatsächlich. Mein Halstuch kam wieder zum Vorschein.

Ich war ehrlich erleichtert. Natürlich habe ich es bei der nächsten Gelegenheit gründlich gewaschen. Trotzdem blieb dieser Moment hängen. Nicht wegen des Tuchs selbst, sondern weil er so typisch für eine Reise ist. Kleine Missgeschicke, kurze Unsicherheiten und am Ende doch alles gut.
Achill Island

Schließlich erreichten wir Achill Island und bezogen unsere Unterkunft in Keel. Der Ort liegt direkt am Meer, mit einem langen Strand und viel Raum zum Durchatmen. Nach den rauen Klippen der Slieve League fühlte sich dieser Abschnitt offener an, aber nicht weniger eindrucksvoll. Donegal und der Nordwesten wirkten insgesamt ursprünglicher, weniger inszeniert, als würde Irland hier ein Stück unverstellt bleiben.

Fazit
Dieser Teil der Reise unterschied sich deutlich vom ersten Abschnitt. Während in Nordirland historische Orte und bekannte Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt standen, war es hier vor allem die Landschaft, die den Ton angab. Weite Hügel, raue Küsten, Moorflächen und immer wieder das Meer.

Wir besuchten in diesem Abschnitt keine großen historischen Anlagen oder berühmten Burgruinen. Stattdessen bestimmten Wanderungen, lange Fahrten durch beinahe menschenleere Gegenden und ruhige Abende am Wasser unseren Rhythmus. Es war weniger ein Kapitel zum Abhaken von Highlights, sondern eher eines zum Ankommen, Durchatmen und Beobachten.

Gerade diese Reduktion machte den Nordwesten so besonders. Ohne große Namen und ohne ikonische Bauwerke blieb nur das Wesentliche. Wind, Licht, Weite und das Gefühl, unterwegs zu sein.

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