Ich bin keine typische Buchbloggerin und das ist okay
Wenn man an einen typische*n Buchblogger*in bzw. Bookfluencer*in denkt, hat man oft ein ziemlich klares Bild vor Augen: Jemand, der/die regelmäßig neue Bücher liest und diese in ausführlichen Rezensionen auf dem Blog oder Social Media bespricht. Viele stellen ihre aktuellen Leselisten oder Neuzugänge vor, nehmen an Blogtouren1und Lesechallenges2teil oder sind auf Plattformen wie Instagram, Twitter oder TikTok aktiv. Natürlich mit perfekt inszenierten Buchfotos. Häufig gibt es eine Spezialisierung auf bestimmte Genres wie z. B. Romance, Fantasy oder Thriller, und auch bei Buchmessen, Lesungen oder Online-Events sind sie gerne dabei.
TL;DR3: Ich bin keine typische Buchbloggerin. Ich lese und schreibe aus Leidenschaft, nicht für Reichweite oder Trends. Still, ehrlich und auf meine Weise.
Kurz gesagt: Der klassische Buchblog lebt vom regelmäßigen Austausch über Bücher, viel Community-Interaktion und einer gewissen optischen Ästhetik.
Und genau hier fängt es bei mir an, anders zu werden. Ich liebe Bücher. Ich liebe das Schreiben. Aber ich bewege mich abseits dieses glitzernden Pfades – stiller, langsamer und vielleicht ein wenig eigenwilliger. In diesem Beitrag möchte ich erzählen, warum ich mich selbst nicht als „klassische Buchbloggerin“ sehe – und was das für mich eigentlich bedeutet.
In den sozialen Medien wirkt vieles laut, schnell, perfekt inszeniert. Da mitzuhalten, fällt mir schwer, nicht nur wegen des Tempos, sondern weil ich als eher introvertierte Person meine ganz eigene Art habe, Dinge anzugehen. Ich bin nicht gut darin, auf mich aufmerksam zu machen oder mich „sichtbar“ zu machen. Ich bin einfach… da. Manchmal komme ich mir vor wie ein winziger, stiller Stern in diesem grellen Buchuniversum.
Ich weiß, dass ich mich oft selbst zurückhalte. Aus Unsicherheit, aus Gewohnheit, vielleicht auch, weil ich mich nicht gerne in den Mittelpunkt stelle. Deshalb bin ich auch kaum vernetzt, obwohl ich es mir manchmal wünsche. Veranstaltungen? Events? Kooperationen? Das sind Chancen, die bei mir sehr selten vorkommen, wenn man so leise bleibt wie ich.
Und doch: Das ist okay.

Warum ich keine typische Buchbloggerin bin: Eine ehrliche Liste
- „Jeden Monat 10 Rezensionen posten“ ❌
– Ähm… nope. Manchmal lese ich viel, manchmal wenig. Und selbst wenn ich viel lese, heißt das nicht, dass ich auch viel darüber schreiben möchte. #Mood - „Immer topaktuelle Neuerscheinungen lesen“ ❌
– Ich liebe Backlist-Bücher. Und manchmal greife ich zu Titeln, die schon seit Jahren in meinem Regal warten. Trends? Können andere gerne verfolgen. Mein Trend ist seit Jahren Bücher über Hexen. - „Bookstagram mit Hochglanzfotos“ ❌
– Ich habe Bücher. Ich habe eine Kamera. Aber oft fehlt mir Zeit, Licht oder schlicht die Motivation, sie hübsch auf einer Picknickdecke neben einer Tasse Kaffee zu drapieren. (Und dann regnet’s auch noch.) Trotzdem gebe ich mir bei jedem Bild Mühe 😊 - „Leselisten, Lesechallenges & Lesemonate“ ❌
– Klingt super organisiert, ist aber nicht mein Ding. Ich lese, worauf ich Lust habe – spontan, chaotisch und ganz ohne Challenge-Druck. - „Ich gehe auf jede Buchmesse und vernetze mich mit allen“ ❌
– Ich liebe es, in Bücherwelten abzutauchen, aber große Events sind nicht immer mein Wohlfühlort. Und Smalltalk sowieso nicht 😅 aber ehrlich gesagt würde ich schon gerne mal… - „Lesen aus Leidenschaft“ ✅
– Immer. Ich liebe Geschichten, Charaktere, fremde Welten. Und ich teile das gerne, aber in meinem Tempo, auf meine Weise. - „Schreiben, wenn mir etwas am Herzen liegt“ ✅
– Ich muss nicht jede Geschichte analysieren. Aber wenn ein Buch etwas in mir auslöst, dann landet es hier auf dem Blog. Mit ehrlichen Worten, nicht immer perfekt, aber immer echt. - „Ich bin ich. Und das reicht.“ ✅
– Vielleicht bin ich keine typische Buchbloggerin, aber genau das macht meinen Blog zu dem, was er ist: persönlich, eigenwillig und vielleicht ein kleines bisschen magisch. Ich muss nicht um jeden Preis auffallen…

Buchblogger*in oder Bookfluencer*in – ist das nicht das Gleiche?
Die Begriffe werden heute oft durcheinandergeworfen, meinen aber nicht dasselbe.
Eine Buchblogger*in kommt klassisch aus dem Schreiben: aus dem Blog, aus längeren Texten, aus Gedanken, Einordnung und persönlicher Auseinandersetzung mit Büchern. Social Media ist hier meist Ergänzung, nicht der Mittelpunkt.
Eine Bookfluencer*in hingegen ist in erster Linie auf Social Media zuhause. Der Fokus liegt auf Sichtbarkeit, Reichweite, Trends und visueller Inszenierung. Bücher werden dort häufig in kurzen Formaten gezeigt, empfohlen oder beworben, angepasst an Algorithmen und Plattformlogiken.
Natürlich gibt es Überschneidungen. Aber nicht jede Person, die Bücher postet, bloggt. Und nicht jede Buchblogger*in möchte influencen.
Oder anders gesagt:
Nicht jede*r, der ein Buch hochhält, erzählt auch eine Geschichte.

Fazit
Ich werde nie die sein, die auf jeder Buchmesse in der ersten Reihe sitzt, mit allen vernetzt ist und täglich Bookstagram-Content liefert. Und das ist gut so.
Mein Blog ist kein Hochglanzmagazin, sondern ein stiller Ort für Gedanken, Geschichten und Gefühle. Ich blogge nicht für Klicks oder Reichweite. Ich blogge, weil ich Bücher liebe. Weil ich Worte liebe. Und weil ich gerne einen kleinen Platz im Netz habe, an dem ich einfach ich sein darf.

Was mich an der Buchbubble manchmal abschreckt und ich weiß, dass nicht alle so sind, ist diese laute, fast schon grelle Art der Selbstinszenierung, die man auf Social Media oft sieht. Dieses ständige Sichtbar-sein-Müssen. Für jemanden wie mich, der lieber beobachtet als performt, ist das anstrengend. Und ehrlich gesagt: Es fühlt sich oft nicht echt an. Vielleicht ist das nur mein Eindruck, aber er reicht aus, um mich zurückzuhalten.
Ich bin keine typische Buchbloggerin / Bookfluencerin. Ich bin eine leise Wanderin zwischen den Seiten.
Und wenn du dich manchmal genauso fühlst – verloren zwischen all dem Glanz, aber mit brennender Liebe zu Büchern – dann bist du hier richtig. Du bist nicht allein 💜
PS: Und trotzdem – wenn ich ganz ehrlich zu mir bin: Tief in meinem Innersten würde ich mich schon freuen, einmal zu einem Event eingeladen zu werden oder Teil eines Blogger*innen-Teams zu sein. Nicht wegen Reichweite oder Sichtbarkeit. Sondern weil es sich manchmal schön anfühlen würde, gesehen zu werden. Auch als leiser Mensch.

- Eine Blogtour ist eine koordinierte Online-Buchpromotion, bei der mehrere Blogs (oder Social-Media-Kanäle) zeitlich abgestimmt Inhalte zu ein und demselben Buch veröffentlichen. ↩︎
- Eine Lesechallenge ist eine vorgegebene Leseaufgabe für einen bestimmten Zeitraum (meist ein Monat oder ein Jahr). Ziel ist es, durch Regeln oder Vorgaben zum Lesen zu motivieren, oft in Form von Zahlen, Kategorien oder Themen. ↩︎
- TL;DR bedeutet „Too Long; Didn’t Read“ ↩︎
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Also ich war zwar irgendwie mit in der Szene unterwegs, aber vor allem durch liebe Menschen, die ich irgendwie im Laufe der Jahre kennen und schätzen gelernt habe. Aber ständig Bücher lesen, dazu komme ich auch nie. Ich finde auch, dass sie sich in Qualität oft unterscheiden. Ich schreibe selten eine richtige Inhaltsangabe, erzähle mehr von meiner Wahrnehmung usw… und warum mir ein Buch gefallen hat. Andere posten erst einmal den Klappentext, dann eine Inhaltsangabe und dann ein fixes Fazit. Auch das ist ok, wenn man kurz wissen will, worum es geht. Es gibt solche und solche und das Feld ist weit. Bei manchen frage ich mich auch, ob die überhaupt noch was anderes machen als lesen und ob es wirklich so viel Freude bereitet. Es kommen so viele Bücher ständig raus…und man hat ja doch bevorzugte Genre usw…