Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, ging es für Bine und mich in die TonHalle nach München. Auf dem Programm stand ein Konzert der mongolischen Band The HU, die im Rahmen ihrer „Warrior Chant Tour 2026” auch in Deutschland unterwegs war. Die Band kannte ich natürlich bereits, allerdings hatte ich bisher noch keine Gelegenheit, sie live zu erleben. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie ihre außergewöhnliche Mischung aus traditioneller mongolischer Musik und Rock auf der Bühne klingen würde.

Dass mich an diesem Abend nicht nur The HU begeistern würden, sondern auch die Vorband für eine echte Überraschung sorgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Genau das macht Konzerte manchmal so besonders: Man fährt wegen einer bestimmten Band hin und entdeckt nebenbei noch etwas völlig Neues.

TonHalle München – Konzertlocation im ehemaligen Industrieviertel

Die TonHalle befindet sich im Münchner Werksviertel, nur wenige Gehminuten vom Ostbahnhof entfernt. Das Gelände war früher Teil der Pfanni-Werke und hat sich inzwischen zu einem vielseitigen Viertel mit Veranstaltungsorten, Gastronomie und kulturellen Angeboten entwickelt.

Riesenrad Umadum im Münchner Werksviertel mit dem markanten Gebäude Werksviertel-Mitte im Hintergrund

Die TonHalle selbst bietet bei Stehkonzerten Platz für rund 2.000 Besucher:innen und gehört damit zu den mittelgroßen Konzertlocations in München. Das Konzert von The HU war ausverkauft und entsprechend gut besucht war die Halle an diesem Samstagabend.

Mit meiner Sicht auf die Bühne war ich einigermaßen zufrieden. Allerdings hatte ich mal wieder das typische Konzertproblem: Natürlich musste ausgerechnet vor mir jemand stehen, der größer war als ich. Irgendwie scheint das bei Konzerten ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Ganz egal, wo man sich hinstellt, irgendwo findet sich immer ein besonders großer Mensch, der einem zuverlässig die Sicht versperrt. Aber immerhin konnte ich das Geschehen auf der Bühne noch ganz gut verfolgen.

SKÁLD – Eine unerwartete musikalische Entdeckung

Bevor The HU die Bühne betraten, spielte zunächst die Band SKÁLD. Ich muss gestehen, dass ich die Band vorher überhaupt nicht kannte und daher auch keine besonderen Erwartungen an ihren Auftritt hatte. Umso größer war die positive Überraschung, denn SKÁLD haben mich mit ihrer Musik wirklich begeistert.

Die Band stammt übrigens nicht aus Skandinavien, wie man aufgrund ihres Musikstils vielleicht vermuten könnte, sondern aus Frankreich. SKÁLD widmen sich musikalisch der nordischen Mythologie und lassen sich von alten Überlieferungen, Sagen und der Welt der Wikinger inspirieren. Dabei setzen sie auf traditionelle beziehungsweise historisch inspirierte Instrumente, mehrstimmigen Gesang und Texte, die unter anderem auf Altnordisch vorgetragen werden.

Die französische Nordic-Folk-Band SKÁLD mit traditionellen Trommeln und Gesang als Vorband von The HU in München

Ihre Musik lässt sich am ehesten dem Nordic Folk zuordnen und hat eine ganz eigene Atmosphäre. Der Gesang und die ungewöhnlichen Instrumente verleihen den Stücken einen ursprünglichen, teilweise beinahe mystischen Charakter. Es ist eine Musikrichtung, die sich deutlich von gewöhnlicher Rockmusik unterscheidet, aber gerade deshalb so interessant ist.

SKÁLD haben mit ihrem Auftritt jedenfalls einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Es war eine dieser schönen Konzertentdeckungen, bei denen man sich hinterher fragt, warum man eine Band nicht schon viel früher kennengelernt hat. Ich werde mich auf jeden Fall noch näher mit ihrer Musik beschäftigen. Solche unerwarteten Entdeckungen sind für mich ein schöner Nebeneffekt von Konzertbesuchen.

The HU – Wenn mongolische Tradition auf modernen Rock trifft

Nach SKÁLD war es schließlich Zeit für den eigentlichen Hauptact des Abends: The HU. Die 2016 in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar gegründete Band hat sich mit ihrer ungewöhnlichen Musik inzwischen auch international einen Namen gemacht.

The HU bezeichnen ihren Musikstil selbst als „Hunnu Rock“. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus traditioneller mongolischer Musik, Rock und Metal. Das Besondere daran sind die traditionellen Instrumente und der charakteristische mongolische Kehlkopfgesang, der den Liedern einen unverwechselbaren Klang verleiht.

Zu den Instrumenten gehören beispielsweise die Morin Khuur, eine traditionelle mongolische Streichlaute, die auch als Pferdekopfgeige bekannt ist, sowie die Tovshuur, eine gezupfte Laute. Kombiniert mit E-Gitarren, Bass und Schlagzeug entsteht ein einzigartiger Sound.

Sänger von The HU während seines Auftritts in der TonHalle München im Scheinwerferlicht

Was mich an der Musik von The HU besonders fasziniert, ist dieser ungewöhnliche Klang, der durch das Zusammenspiel der traditionellen mongolischen Instrumente mit den klassischen Rockinstrumenten entsteht. Die Pferdekopfgeigen und der tiefe Kehlkopfgesang verleihen den Songs eine ganz eigene Atmosphäre. Mal kraftvoll und treibend, dann wieder fast melancholisch. Es ist schwer, diesen Sound mit dem einer anderen Band zu vergleichen. Und diese besonderen Klänge einmal live zu erleben war für mich ein ganz anderes Erlebnis, als die Musik nur über Lautsprecher oder Kopfhörer zu hören.

Eine großartige Stimmung und kleine Sprachprobleme

Besonders gut gefallen hat mir an diesem Abend die Stimmung in der TonHalle. Die Musik von The HU ging nicht nur mir in die Beine, denn es schien, als würde fast die gesamte Halle tanzen. Überall wurde mitgewippt, zur Musik bewegt und die Band gefeiert.

Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die meisten Besucher vermutlich kein Mongolisch sprechen. Während man bei anderen Konzerten irgendwann die Refrains lauthals mitsingen kann, ist das bei The HU doch etwas schwieriger. Zumindest für mich! Bei den Texten musste ich passen, aber zum Glück kann man auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse jede Menge Spaß haben. Tanzen funktioniert schließlich auch ganz hervorragend ohne Übersetzung.

Das zeigt für mich, dass Musik keine gemeinsame Sprache braucht, um Menschen zu begeistern. Man muss nicht jedes Wort verstehen, um die Energie eines Songs zu spüren oder sich von einem Rhythmus mitreißen zu lassen.

Blick über das Konzertpublikum auf die von weißen und violetten Scheinwerfern beleuchtete Bühne von The HU

Yuve Yuve Yu – Ein besonderer Konzertmoment

Ein Song, der mir von diesem Abend besonders in Erinnerung geblieben ist, war „Yuve Yuve Yu“. Mit diesem Lied gelang The HU 2018 einer ihrer ersten großen internationalen Erfolge. Der Song machte die Band durch YouTube weit über die Grenzen der Mongolei hinaus bekannt und gehört bis heute zu ihren bekanntesten Stücken.

Für mich war es jedenfalls etwas Besonderes, diesen Song endlich einmal live zu hören. Gerade bei Liedern, die man bereits kennt und mag, ist die Vorfreude natürlich besonders groß. Wenn sie dann tatsächlich auf der Bühne gespielt werden, ist das noch einmal ein ganz anderes Erlebnis.

Mein Fazit – Zwei Bands, zwei musikalische Welten

Mein erster Konzertbesuch bei The HU hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Mischung aus mongolischen Instrumenten, Kehlkopfgesang und modernen Rockelementen klingt auf Aufnahmen schon außergewöhnlich, live kommt dieser spezielle Sound aber noch einmal ganz anders zur Geltung. Dazu kam die großartige Stimmung in der TonHalle, in der kaum jemand stillstehen konnte.

Eine besonders schöne Überraschung war für mich allerdings auch SKÁLD. Ohne große Erwartungen an die Vorband gegangen, habe ich an diesem Abend eine Band kennengelernt, deren Musik mich sofort begeistert hat. Mit ihren nordischen Klängen bildeten sie einen interessanten Kontrast zu The HU, gleichzeitig passten beide Bands musikalisch erstaunlich gut zusammen.

The HU live in München mit kompletter Bandbesetzung, mongolischen Instrumenten und zahlreichen Zuschauern

So wurde aus einem Konzertabend gleich eine kleine musikalische Reise durch zwei unterschiedliche Kulturkreise: von der nordischen Sagenwelt bis in die mongolische Steppe. Und genau solche Abende bleiben mir besonders gerne in Erinnerung.

Nur das mit den großen Menschen direkt vor mir könnte sich bei zukünftigen Konzerten vielleicht irgendwann einmal ändern. Aber ich fürchte, da bin ich etwas zu optimistisch 😉

Kennt ihr The HU oder SKÁLD bereits? Und habt ihr schon einmal bei einem Konzert eine Vorband entdeckt, die euch völlig unerwartet begeistert hat?

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