Es klingt heute fast absurd, wenn ich daran zurückdenke: Ich hatte panische Angst vorm Fliegen. Nicht dieses typische „Ist mir unangenehm“, sondern richtige Angst. Mit Herzrasen, schlaflosen Nächten und dem festen Gefühl, dass das vielleicht die dümmste Idee meines Lebens war.
Und trotzdem saß ich 2015 plötzlich im Flugzeug nach London.

Rückblickend war genau dieser Flug vermutlich einer der wichtigsten Schritte überhaupt. Denn ohne ihn hätte es viele Reisen auf diesem Blog wahrscheinlich nie gegeben. Kein Tromsø, kein Island, kein Irland, keine spontanen Abenteuer irgendwo im Norden. Irgendwo musste man eben anfangen. Auch wenn der Kopf dabei permanent „Nein“ schreit.
Die Entscheidung überhaupt zu fliegen
Die Reise nach London war lange geplant. Eigentlich hätte ich mich freuen sollen. London war schon immer ein Traumziel für mich. Stattdessen wurde die Vorfreude zunehmend von der Angst überschattet.
Je näher der Abflug rückte, desto schlimmer wurde es.
Menschen, die keine Flugangst haben, unterschätzen oft, wie irrational sich das anfühlt. Man weiß eigentlich, dass Fliegen statistisch sehr sicher ist. Das Gehirn interessiert sich dafür aber ungefähr gar nicht. Das Gehirn entscheidet lieber: „Wir sterben jetzt vermutlich spektakulär über irgendeinem Acker.“ Danke dafür.
Wie ich es geschafft habe? Nun, ich habe geschummelt und bin zu meiner Ärztin gegangen. Sie hat mir Tabletten verschrieben. Es gibt auch welche, die für Kurzflüge geeignet sind. Sie beruhigen einfach und machen etwas müde. Letzterer Zustand trat bei mir natürlich erst nach dem Flug ein 😅 Ich wäre sonst echt schreiend im Gate davongelaufen. Schaf hat auf dem Weg schon ein paar Fluchtversuche probiert. Erfolglos.
Der Tag des Abflugs
Am Flughafen München angekommen war ich nervlich komplett durch. Mein Körper hatte längst beschlossen, dass wir uns in akuter Lebensgefahr befinden. Ich selbst war da mental irgendwo zwischen Fluchtinstinkt und „Augen zu und durch“.
Und trotzdem hilft es tatsächlich, früh genug am Flughafen zu sein. Nicht hetzen zu müssen nimmt schon überraschend viel Stress raus. Gerade beim ersten Flug.
Der Flughafen selbst wirkte damals riesig auf mich. Sicherheitskontrolle, Gate, Boarding – alles neu, alles ungewohnt. Heute läuft man da relativ routiniert durch. Beim ersten Mal fühlt es sich eher an wie ein schlecht erklärtes Escape Room Tutorial.
Der Moment im Flugzeug

Der schlimmste Moment war für mich tatsächlich nicht das Fliegen selbst, sondern das Warten vor dem Start. Dieses Gefühl, jetzt nicht mehr einfach aussteigen zu können.
Ich weiß noch, dass ich damals dem Kabinenpersonal gesagt habe, dass ich Flugangst habe. Und ehrlich? Das war wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen überhaupt. Die Flugbegleiterin war unglaublich freundlich und ruhig. Kein genervtes Augenrollen, kein „Stellen Sie sich nicht so an“, sondern einfach menschlich.
Das hat mir damals enorm geholfen.
Ich wurde sofort gefragt, wo ich sitzen möchte und ob ich erst einmal ein Glas Wasser haben möchte. Sie sagen auch hinten Bescheid. Ich ging dann mit meinem Wasser und Schaf zu meinem Sitzplatz am Fenster. Es dauerte nicht lange, da kam schon der Steward und brachte mir ein Kissen zum Festhalten. Das war wirklich nett.
Neben mir in der Reihe saßen zwei Männer. Sie wurden auch gleich informiert, dass ich zum ersten Mal fliege, und sie sollten mich ein wenig ablenken. Dabei stellte sich heraus, dass die beiden Herren bei der gleichen Firma arbeiten wie ich 😅 Die halbe Maschine war mit Mitarbeitern dieser Firma besetzt. Lustig. Ich muss auch sagen, die Tablette hat gut gewirkt, ich war echt ruhig und entspannt. Vor dem Start schaute noch einmal eine Stewardess vorbei und fragte, ob alles in Ordnung sei.
Der Start war sehr interessant und ruhig. Als wir durch die Wolken geflogen sind, hat es nur ein wenig gewackelt. Kurz danach kam wieder eine Stewardess zu mir, fragte, wie es mir geht, und sagte, dass sie bei den Rucklern gleich an mich gedacht hat. Echt voll lieb.
Während des Fluges schaute immer wieder jemand vorbei und fragte, ob alles in Ordnung sei. Gegen Ende standen die Stewardessen in meiner Reihe und hatten ein kleines Geschenk für mich, weil ich ja tapfer gewesen war. Es war als Erinnerung an den ersten Flug gedacht. Es war ein kleiner Lufthansa-Plüschkranich.
Dann kam London in Sicht, die Häuser wurden größer und näherten sich. Ich sagte zu meinem Nachbarn: „Jetzt müsste doch sicher gleich die Landebahn kommen …” Als ich aus dem Fenster sah, stellte ich fest, dass sie schon da war, und schon setzte der Flieger auf. Butterweich, wie mein Platznachbar meinte.
Beim Aussteigen legte mir die Stewardess den Arm um die Schultern und fragte, ob es so schlimm gewesen sei. Im Nachhinein: Nein. 😊 Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken ans Fliegen. Ich muss sagen, der Service war echt super! Vor allem, wie sich alle um mich gekümmert haben. Ein perfekter erster Flug.
Was ich heute Menschen mit Flugangst raten würde
Nach einigen Flügen später sehe ich vieles deutlich entspannter. Flugangst verschwindet nicht bei jedem komplett, aber man lernt oft besser damit umzugehen.
Ein paar Dinge, die mir geholfen haben:
- Früh genug am Flughafen sein
Zusätzlicher Stress macht alles schlimmer. Lieber gemütlich ankommen und noch einen Kaffee trinken. - Nicht jedes Geräusch bedeutet Gefahr
Flugzeuge machen Geräusche. Viele Geräusche. Klacken, Summen, Rumpeln, Pfeifen. Die ersten Minuten klingen teilweise wie ein technischer Defekt mit Ansage. Ist meistens völlig normal. - Turbulenzen fühlen sich schlimmer an, als sie sind
Das Flugzeug fällt nicht plötzlich vom Himmel, nur weil es wackelt. Es fühlt sich unangenehm an, ja. Gefährlich ist es normalerweise nicht. - Sich ablenken
Musik, Filme, Spiele oder Gespräche helfen enorm. Das Gehirn beschäftigt sich sonst liebend gern mit Katastrophenszenarien. - Weniger Kaffee vor dem Flug
Koffein + Angst ist eine ziemlich schlechte Kombination. Der Körper denkt sonst endgültig, dass jetzt ein Säbelzahntiger auftaucht. - Dem Personal Bescheid sagen
Wirklich. Flugbegleiter erleben Flugangst ständig. Niemand wird dich dafür auslachen. - Sich selbst nicht dafür verurteilen
Flugangst ist nichts Peinliches. Selbst Menschen, die beruflich viel fliegen, haben teilweise damit zu kämpfen.
Rückflug

Das mulmige Gefühl war natürlich schon da. Aber nicht mehr ganz so schlimm wie beim Hinflug.
Heathrow ist wirklich riesig. Da hat man definitiv die ein oder andere Anlaufstelle mehr. Zuerst mussten wir in der Halle die Terminals für die Gepäckaufgabe von Lufthansa suchen. Diese teilen sich mehrere Fluggesellschaften. Am Terminal haben wir erstmal die Bordkarte und das Kofferetikett ausgedruckt, ohne den Koffer vorher zu wiegen. Danach hieß es anstehen, um den Koffer abzugeben. Ausweis und Bordkarte wurden kontrolliert, der Koffer gewogen und dann ging es weiter zur Sicherheitskontrolle.
Dort habe ich wieder mein ganzes Zeug brav in die Wannen sortiert, inklusive Schaf. Bis ich selbst durch war, dauerte es allerdings ewig, weil vor mir eine Reisende wirklich sehr gründlich durchsucht wurde. Irgendwann durfte ich dann aber ebenfalls durch. Ohne Probleme.
Im Duty Free habe ich mir noch ein Parfüm gekauft. Über meine Lufthansa-App bekam ich dann auch das Gate A19 mitgeteilt, weil die Anzeigetafeln gerade Probleme hatten.
Trotzdem konnte das Boarding nicht pünktlich beginnen. Wie wir später erfahren haben, hing die Crew noch in der Sicherheitskontrolle fest. Das Boarding selbst ging dann aber recht zügig. Jeder wollte offensichtlich einfach nur los.
Doch dann kam direkt die nächste schlechte Nachricht: Eine der Startbahnen wurde gesperrt. Unser sehr mitteilungsfreudiger Pilot erklärte, dass es dadurch ungefähr 10 bis 15 Minuten länger dauern würde, was seiner Meinung nach allerdings noch ziemlich kurz sei. Tatsächlich dauerte es dann aber wirklich nicht viel länger, bis wir das Gate verließen und zur Startbahn rollten.
Dort konnte ich sogar einen Airbus A380 beim Start beobachten. Mich erinnert dieses Flugzeug ja immer ein bisschen an eine Hummel.
Der Start selbst war diesmal deutlich kräftiger. Wir wurden richtig in die Sitze gedrückt und das Flugzeug ruckelte beim Abheben wesentlich mehr als auf dem Hinflug.
Diesmal hatte ich allerdings nicht ganz so viel Glück mit meinen Sitznachbarn. Neben mir saß ein ungefähr zwölfjähriger Junge, der gefühlt die Hälfte der Zeit eher auf meinem Sitz als auf seinem saß. Ich habe ihn immer wieder dezent zurückgedrängt, aber der war so hyperaktiv, dass das nicht lange geholfen hat. Den Vater schien das Ganze eher wenig zu interessieren.
Nach einer Stunde und zwanzig Minuten landeten wir schließlich wieder gut in München. Viel zu warm übrigens.
Und YouTube meinte später allen Ernstes, mein Video von der Landung sei verwackelt. Hey, das Flugzeug hat gewackelt! 😄
Und wie war der Flug nun?
Dieser Punkt auf meiner Liste wäre damit nun also auch erledigt. Yeah, ich bin geflogen! 😀
Und rückblickend war es definitiv die richtige Entscheidung, mit Lufthansa zu fliegen. Gerade die Betreuung beim ersten Flug hat mir wirklich sehr geholfen. Deshalb würde ich vermutlich auch beim nächsten Mal wieder mit Lufthansa fliegen. Ja… das klingt tatsächlich so, als würde ich nochmal einen Urlaub mit Flug antreten.
Klar, meine Angst wird wahrscheinlich nie ganz verschwinden. Aber jetzt weiß ich zumindest, was mich erwartet. Und ich kann lernen, besser damit umzugehen. Jeder Mensch hat vor irgendetwas Angst und ich finde das völlig okay.
Ich weiß zwar noch nicht, wie weit weg ich irgendwann einmal fliegen werde oder kann, aber mein Plan ist ja, nächstes Jahr nochmal nach London zu reisen. Und wenn eine kleine Aya das Fliegen inzwischen auch schafft, mag sie vielleicht irgendwann mit mir nach Schottland, Norwegen oder Island reisen. 😀
Also: Nicht aufgeben.
Ich habe gute zehn Jahre gebraucht, um mich zu trauen. Aber am Ende habe ich es eben doch geschafft.




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