Mit der Bahn durch Norwegen: Die schönsten Zugstrecken zwischen Fjell und Fjord
Norwegen kennt man aus Prospekten: Fjorde, Berge, Weite. Doch die eigentliche Magie beginnt oft zwischen zwei Bahnhöfen. Wer mit dem Zug reist, erlebt das Land nicht im Vorbeifahren, sondern mittendrin. Diese besonderen Bahnstrecken machen die Reise selbst zum Highlight, ergänzt um persönliche Erfahrungen aus meinen eigenen Trips.
Warum Zugfahren in Norwegen so besonders ist
Zugfahren in Norwegen ist mehr als Fortbewegung. Die Strecke ist Teil des Erlebnisses. Statt sich auf schmale Straßen, Wetterumschwünge oder endlose Tunnel zu konzentrieren, sitzt du im Abteil und schaust zu, wie Seen, Hochplateaus und Täler vorbeiziehen. Perfekt zum Fotografieren, Lesen oder einfach Abschalten.
Ich schreibe das nicht theoretisch: Nach mehreren Reisen rund um Tromsø und meinem Interrail-Trip durch Skandinavien 2023 hat sich für mich klar gezeigt, wie entspannt und eindrucksvoll Norwegen per Bahn ist. Weniger Reizüberflutung, mehr Landschaft. Genau mein Ding.

Dovrebahn – mein persönliches Highlight
Die Fahrt mit der Dovrebahn von Trondheim nach Oslo war für mich eines der Highlights meiner Skandinavienreise. Ein ganzer Tag im Zug und keine Minute davon fühlte sich wie „reine Strecke“ an.
Die Bahn führt über das Dovrefjell, vorbei an weitem Hochland, rauer Landschaft und dieser besonderen norwegischen Stille. Je weiter man fährt, desto deutlicher spürt man den Übergang von Natur zur Stadt. Für mich war das pures Naturkino, ganz ohne Ablenkung.
Mehr Eindrücke von dieser Fahrt findest du in meinem Artikel TrainTrip durch Skandinavien – Teil 3.

Weitere Zugstrecken, die man sich merken sollte
Bergenbahn
Oslo–Bergen über die Hardangervidda. Weite Ebenen, Seen, Schnee und ein deutlicher Bruch zwischen urbanem Raum und Wildnis. Eine der bekanntesten Strecken – zurecht.
Flåmbahn
Kurz, steil und spektakulär. In weniger als einer Stunde geht es vom Hochland hinunter nach Flåm am Fjord. Wasserfälle, enge Kurven, permanente Wow-Momente.
Raumabanen
Von Dombås nach Åndalsnes. Brücken, steile Felswände und die Trollwand als ständiger Begleiter. Extrem fotogen und angenehm entschleunigt.
Nordlandsbahn
Von Trondheim bis Bodø. Weit, ruhig, nordisch. Ideal, wenn man sich dem Norden langsam nähern will. Wichtig dabei: Die Strecke endet in Bodø. Für Tromsø braucht es anschließend Bus, Fähre oder Flug.
Ofotbanen
Von Narvik zur schwedischen Grenze: Arktis-Fjorde, Berge, Anschluss nach Kiruna/Stockholm. Perfekt für Nordnorwegen-Reisende, die weiter wollen.
Meine Zugfahrt mit der Ofotbanen kannst du im TrainTrip Skandinavien Teil 1 nachlesen.

Norient-Express: Luxuszug oder Luftschloss?
Wenn du in den letzten Monaten Artikel über Norwegen gelesen hast, bist du vielleicht über den angeblichen Luxuszug „Norient-Express“ gestolpert. Die Idee klingt verlockend: mehrtägige Zugreise, Suiten statt Abteile, Panoramawagen, Gourmetküche, ein rollendes Boutique-Hotel auf ausgewählten Strecken.
Die Realität ist allerdings deutlich nüchterner. Die ursprünglich beteiligte Bahngesellschaft SJ Norge ist aus dem Projekt ausgestiegen. Norwegische Fachmedien berichten von Verzögerungen und unklaren Perspektiven. Zwar wird weiter an Konzepten gearbeitet, doch Stand heute ist offen, ob – und wann – ein Zug unter diesem Namen tatsächlich fahren wird.
Für die Reiseplanung heißt das: spannend zu beobachten, aber aktuell keine verlässliche Option. Wer seine Norwegenreise plant, sollte den Norient-Express eher als Vision im Hinterkopf behalten – nicht als festen Programmpunkt.
Warum Faktencheck beim Thema Zug wichtig ist
Gerade bei spektakulären Zugideen verschwimmt schnell die Grenze zwischen Wunschbild und Realität. Bestes Beispiel: der angebliche Panorama-Nordlichtzug nach Tromsø, der sich bei genauerem Hinsehen als KI-Fake entpuppte.
Fakt ist: Das norwegische Schienennetz endet in Bodø. Glasdächer Richtung Polarnacht existieren bislang nur in Visualisierungen. Wer Norwegen realistisch und entspannt bereisen will, sollte Marketingversprechen immer gegenchecken.
Details dazu in KI Panorama Zug in Norwegen? Warum das Projekt nicht existiert.
Reality-Check: Wenn Vision, Marketing und KI verschwimmen
Schaut man sich die Berichte zum Norient-Express und die kursierenden Geschichten über einen angeblichen Panorama-Nordlichtzug genauer an, liegt ein Zusammenhang nahe. Reale Konzepte, frühe Projektideen und Marketingvisualisierungen – etwa von Panoramawagen oder luxuriösen Beobachtungsbereichen – liefern perfekte Versatzstücke für Weitererzählungen. Werden diese Inhalte ungeprüft übernommen oder von KI-Systemen neu zusammengesetzt, entsteht schnell ein Zug, der auf dem Papier beeindruckt, in der Realität aber nie existiert hat.
Der Unterschied ist entscheidend: Der Norient-Express ist bislang eine Vision mit offenem Ausgang. Ein durchgehender Panorama-Zug bis Tromsø hingegen widerspricht dem tatsächlichen norwegischen Schienennetz. Wer Norwegen mit dem Zug bereisen möchte, tut daher gut daran, zwischen Idee, Planung und Betrieb zu unterscheiden – und nicht jedem perfekt inszenierten Bild zu glauben. Die echten Zugstrecken des Landes sind eindrucksvoll genug. Man muss sie nicht schöner erfinden, als sie ohnehin schon sind.

So planst du deine Zugreise durch Norwegen
Buchung:
Am zuverlässigsten über vy.no oder entur.no. Früh buchen lohnt sich – besonders auf beliebten Strecken.
Routenideen:
- Südnorwegen: Dovrebahn + Raumabanen kombinieren
- Norden: Nordlandsbahn bis Bodø, danach flexibel weiter mit Fähre, Bus oder Flug
Norwegen mit dem Zug bedeutet nicht, möglichst schnell anzukommen. Es bedeutet, unterwegs zu sein – und genau darin liegt der Reiz.
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