Warum 2025 kein Erfolgsbericht wurde – sondern ein Jahr, das einfach da war.

Jahresrückblicke haben etwas Verlockendes. Sie geben dem Chaos Struktur, ziehen Linien unter Erlebnisse und versprechen am Ende so etwas wie Sinn. Ein Jahr wird zusammengefaltet, beschriftet und abgelegt. Erledigt. Abgehakt. Bewertet.

Vielleicht ist das genau der Punkt, an dem ich dieses Jahr ausgestiegen bin.

Nicht, weil das Jahr 2025 ohne Vorkommnisse war. Ganz im Gegenteil.
Aber vieles von dem, was passiert ist, fühlt sich nicht wie Kapitel an. Nicht nach Learnings. Es fühlt sich nicht so an, als könnte man es sauber als Vorher-und-nachher erzählen. Und ehrlich gesagt habe ich gemerkt, dass mir dieser Drang, allem rückblickend Bedeutung zu geben, zunehmend fremd wird.

Das Jahr 2025 war kein lautes Jahr.
Es war kein Jahr der großen Entscheidungen oder sichtbaren Durchbrüche.
Es war kein Jahr, das nach außen besonders beeindruckend wirken wollte.

Es war eher eines von denen, die sich erst im Nachhinein als wichtig entpuppen – nicht, weil etwas explodiert ist, sondern weil vieles einfach geblieben ist. Routinen. Beziehungen. Gedanken. Zweifel. Ruhephasen. Auch Müdigkeit. Und das alles ohne große Dramaturgie.

Ich habe lange überlegt, ob ich einen klassischen Jahresrückblick schreiben soll. Einen mit Struktur, Fazit und Ausblick. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Das wäre kein ehrlicher Text. Sondern einer, der Erwartungen erfüllt, die gerade nicht meine sind.

Dieser Text ist also kein Anti-Text aus Trotz.
Er ist vielmehr ein bewusstes Nicht-Zusammenfassen.
Ein Innehalten ohne abschließende Folgerung.

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Was dieses Jahr nicht war

2025 war kein „krasses Erfolgsjahr“.
Es war kein Jahr der großen Transformationen. Kein Jahr, in dem sich alles neu sortiert hat.

Und das fühlt sich inzwischen nicht mehr nach einem Defizit an. Sondern nach Realität.

Nicht jedes Jahr muss etwas beweisen. Nicht jedes Jahr muss wachsen, skalieren oder sich rechtfertigen. Manche Jahre sind eher ein Fundament. Still, tragfähig, unspektakulär.

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Dinge, die geblieben sind

Bestimmte Menschen.
Bestimmte Wege, die sich vertraut anfühlen.
Der Wunsch nach Ruhe – und nach Texten, die nichts verkaufen wollen.

Ich habe gemerkt, wie wertvoll Beständigkeit für mich geworden ist. Wie sehr ich es schätze, wenn Dinge nicht ständig neu gedacht werden müssen. Wenn man nicht dauernd fragt, ob man „mehr“ daraus machen sollte.

Manchmal reicht es, dass etwas da ist.

Was ich losgelassen habe

Den Anspruch, jedes Jahr sinnvoll erklären zu müssen.
Den Vergleich mit all den lauten Rückblicken, die so tun, als wäre Klarheit ein Produkt des Jahresendes..
Und ein Stück weit auch die Idee, dass Stillstand automatisch etwas Negatives ist.

Nicht alles, was sich langsam anfühlt, ist falsch.

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Ein paar Dinge, die trotzdem da waren

Es gab natürlich auch Momente, die geblieben sind – nicht als Highlights, sondern als Erinnerungen. Eine große Überschrift gab es dafür manchmal (noch) nicht.

Im März ein Besuch der Leipziger Buchmesse mit Mairaji.
Im Februar und April Auswärtsspiele des ERC Ingolstadt in Mannheim und Köln.
Im August ein kurzer Trip mit Micha nach Latsch, irgendwo zwischen Eishockey, Sommerluft und Alltagspause.
Im September eine Woche Gran Canaria – mit Sonne, Abstand und dem Treffen mit Spooky.
Im Oktober die Polaris, diesmal mit Emma.

Keine dieser Reisen muss größer gemacht werden, als sie war. Aber jede hatte ihren Platz. Und das reicht.

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Warum ich keinen Ausblick brauche

Ich brauche weder ein Motto für 2026 noch eine Liste mit sieben Zielen.
Und auch keinen Satz wie „Nächstes Jahr wird alles anders“.

Manches darf offen bleiben.
Manches entwickelt sich leise weiter, ohne Plan und ohne Überschrift.

to do liste 2026

Und vielleicht ist genau das mein Fazit für dieses Jahr:
Nicht alles muss rund sein, um wertvoll zu sein.

Vielleicht braucht ein Jahr gar keinen Abschluss.
Keinen Satz, der alles einordnet, und keinen Blick nach vorne, der schon weiß, wohin es gehen soll.

Manches darf unfertig bleiben.
Manches entfaltet seine Wirkung erst später. Oder es ist gar nicht sichtbar.

2025 war kein Jahr, das laut um Aufmerksamkeit gebeten hat. Es hat sich eher zwischen den Zeilen abgespielt. In Begegnungen, in Momenten des Daseins, im Wiedererkennen dessen, was bleibt.

Und vielleicht reicht das.
Ein Jahr, das nicht erklärt werden muss.
Ein Text, der nichts zusammenfasst.
Ein Weitergehen ohne Überschrift.

Mehr braucht es gerade nicht.

Zum Schluss

Zum Schluss bleibt nur noch eines:
Ich wünsche allen, die hier mitlesen und diesen Weg begleiten, einen guten Start ins neue Jahr.
Möge es ruhig beginnen – und sich in deinem eigenen Tempo entfalten.

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