Nachtalben stehen selten im Rampenlicht der Fantasy, und gerade zwischen all den bekannten, oft erzählten Figuren wie Vampiren und Werwölfen war für mich sofort klar, dass „Nachtlügen“ meine Aufmerksamkeit hat.

Ich habe mir das Buch auf der Leipziger Buchmesse 2026 gekauft, wo es mir direkt ins Auge gefallen ist. Es erschien bereits im März 2025 und war für den SERAPH 2026 in der Kategorie Bestes Buch nominiert. Und ganz ehrlich, das merkt man.

Inhalt

Tagsüber arbeitet Isra im Varieté und schlägt sich mit den Launen ihrer Gäste herum. Nachts jedoch wird sie zu etwas ganz anderem. Als Nachtalb schleicht sie sich in fremde Schlafzimmer, stiehlt Träume und formt daraus Albträume, die genau auf die tiefsten Ängste ihrer Opfer zugeschnitten sind.

Nachtalbe können selbst nicht träumen, sind aber auf Träume angewiesen, um zu überleben. Isra galt lange als großes Talent in der Traummanipulation. Doch seit ein Träumer durch einen ihrer Albträume gestorben ist, gerät sie zunehmend unter Druck. Sie steht unter Beobachtung und droht aus der Gesellschaft der Albe ausgeschlossen zu werden.

Als sie dann auch noch mit einem verbotenen Klartraum in Berührung kommt und Realität und Halluzinationen zunehmend verschwimmen, gerät ihr Leben endgültig aus dem Gleichgewicht.

>>Eine nachtschwarze Hommage an die Träume – vor allem an die bösen. Mysteriös und temporeich.<< Kai Meyer

Buch auf einen Blick

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Nachtlügen von Lisanne Surborg

Autorin: Lisanne Surborg
Titel: Nachtlügen
Reihe: Einzelband
Genre: Urban Fantasy
Erscheinung: 15. März 2025
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 464

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Mein Eindruck

Ich hatte schon beim Anlesen ein Problem. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen.

Trotz der fast 500 Seiten bin ich unglaublich schnell durchgekommen und habe mir vorgenommen regelmäßig über den Tag ein bisschen zu lesen. Am Ende wurden es dann Mal fast hundert Seiten am Stück.

Isra mochte ich direkt. Ihre Zweifel, ihre Ängste und ihr innerer Konflikt sind sehr greifbar. Sie wirkt nicht überhöht oder perfekt, sondern menschlich, auch wenn sie keiner ist. Gerade diese Mischung macht sie als Figur so stark.

Die Welt der Nachtalbe ist dabei erstaunlich zugänglich. Sie wird nicht überladen erklärt, sondern bleibt klar und fokussiert. Trotzdem hat sie Tiefe und wirkt in sich stimmig. Besonders die Intermezzos zwischen den Kapiteln haben mir gut gefallen. Diese kurzen Einschübe liefern Hintergrundwissen und Einblicke in Regeln und Strukturen, ohne den Lesefluss zu stören.

Träume, Klarträume und düstere Atmosphäre

Ein besonders spannender Aspekt war für mich das Thema Klarträumen. Diese sogenannten luziden Träume eröffnen ganz neue Möglichkeiten innerhalb der Geschichte und bringen eine zusätzliche Ebene hinein.

Die Traumsequenzen sind intensiv und atmosphärisch dicht. Manche sind wunderschön, andere unangenehm und düster. Das Buch vor dem Schlafengehen zu lesen ist daher vielleicht nicht für jeden die beste Idee.

Nebenbei greift die Geschichte auch Themen wie Angstverarbeitung und die Bedeutung von Träumen auf. Das passiert eher subtil und nicht belehrend, was ich sehr angenehm fand.

Schwächen

So sehr ich das Buch mochte, es ist nicht perfekt.

Zwischendurch verliert die Handlung etwas an Tempo. Es gibt Passagen, die sich ziehen und in denen man das Gefühl bekommt, dass sich die Geschichte im Kreis dreht.

Einige Nebenfiguren bleiben außerdem recht blass. Marek und Adrik sind zwar sympathisch, aber man erfährt nicht viel über sie. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Auch das Ende hat mich nicht ganz abgeholt. Es ist nicht schlecht, aber ich hatte mir mehr Intensität und einen stärkeren emotionalen Nachhall erhofft. Manche Entwicklungen wirken etwas zu schnell abgehandelt oder nicht ganz zu Ende gedacht.

Kleine Kritikpunkte im Detail

Die vielen Traumsequenzen sind zwar atmosphärisch stark, bremsen die Spannung an manchen Stellen jedoch etwas aus.

Es gibt außerdem einzelne Situationen, in denen die Reaktionen der Figuren nicht ganz schlüssig wirken. Das fällt nicht ständig auf, aber wenn, dann stört es ein wenig.

Der Schauplatz des Varietés bleibt eher im Hintergrund, obwohl er gerade zu Beginn eine spannende Kulisse bietet. Hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Was hängen bleibt

Was für mich besonders heraussticht, sind die ruhigen, leisen Momente.

Isras innere Zerrissenheit, ihr Umgang mit Schuld und Angst und auch ihre Beziehung zu ihrer Schwester bleiben im Gedächtnis. Gerade diese emotionalen Aspekte tragen die Geschichte.

Auch die Liebesgeschichte ist sehr zurückhaltend erzählt und fügt sich gut ein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Fazit

Lisanne Surborg hat mit „Nachtlügen“ eine ungewöhnliche und frische Idee ins Fantasygenre gebracht. Nachtalbe als zentrale Figuren funktionieren erstaunlich gut und sorgen für eine eigene, düstere Atmosphäre.

Die Protagonistin ist authentisch und trägt die Geschichte, auch wenn die Nebenfiguren etwas zu kurz kommen. Der Schreibstil ist angenehm und zieht einen schnell in die Welt hinein. Die Handlung startet stark, verliert zwischendurch etwas an Spannung und nimmt zum Ende hin wieder Fahrt auf.

Für mich bleibt es trotz kleiner Schwächen ein echtes Highlight. Ich bin ehrlich gespannt, was von Lisanne Surborg noch kommen wird.

Tropes in Nachtlügen

  • Dream Manipulation
  • Lucid Dreaming
  • Morally Grey Protagonist
  • Hidden World
  • Forbidden Ability
  • Inner Darkness
  • Slow Burn Romance

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