Ich war auf der Suche nach einem Cozy Fantasy Roman. Also genau nach so einer Geschichte, die nicht mit epischen Schlachten um sich wirft, sondern eher wie eine warme Decke funktioniert. Fündig geworden bin ich beim Klett-Cotta Verlag mit The House Witch von Emilie Nikota. Und ganz ehrlich: Schon das Cover hat genau das versprochen, was ich gebraucht habe: Ruhe, Magie und ein bisschen Eskapismus.

[Dieses Buch wurde mir vom Klett-Cotta Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.]

Inhalt

König Norman regiert das Reich von Daxaria. Eigentlich.
Denn plötzlich taucht ein neuer Koch am Hof auf, der mehr Einfluss gewinnt, als man es von jemandem erwarten würde, der „nur“ am Herd steht.

Finlay Ashowan ist nicht einfach nur ein begnadeter Koch. Er ist eine Haushexe. Seine Magie wirkt nicht in großen, zerstörerischen Gesten, sondern im Kleinen: in Räumen, im Essen, im Miteinander. Während er sich seinen Platz am Hof erarbeitet und das Vertrauen der königlichen Familie gewinnt, ziehen im Hintergrund politische Spannungen auf. Intrigen, Prophezeiungen und eine drohende Gefahr aus dem Nachbarreich sorgen dafür, dass es eben doch nicht nur beim gemütlichen Kochen bleibt.

An seiner Seite: eine ganze Reihe unterschiedlichster Figuren, darunter die schlagfertige Lady Annika Jenoure und sein schwarzer Kater Kraken.

buch the house witch delemhach

Autorin: Delemhach Emilie Nikota
Titel: The House Witch: Der Koch des Königs
Reihe: The House Witch
Band: 1
Genre: Cozy Fantasy
Erscheinung: 14. März 2026
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 624

Amazon* | Thalia* | Hugendubel

Meine Meinung

Ich sag’s direkt: Dieses Buch lebt nicht von Spannung. Wer hier epische Fantasy erwartet, ist schlicht im falschen Regal unterwegs. Was The House Witch stattdessen macht, ist etwas ganz anderes und ehrlich gesagt deutlich schwieriger: Es erschafft Atmosphäre. Und zwar konstant.

Der Fokus liegt klar auf Fin, seiner Arbeit in der Küche, seinen Beziehungen zu den Menschen am Hof und seiner Entwicklung als Figur. Die politischen Konflikte sind da, aber eher wie ein Hintergrundrauschen. Sie treiben die Handlung nicht wirklich voran, sondern geben ihr eher ein leichtes Fundament.

Und genau das muss man wollen.
Wenn nicht, wird’s zäh. Punkt.

Ich habe am Anfang tatsächlich gebraucht, um reinzukommen. Nicht wegen des Schreibstils. Der ist angenehm und flüssig, sondern weil das Tempo wirklich gemächlich ist. Die Geschichte nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Teilweise vielleicht sogar zu viel. Aber: Wenn man sich darauf einlässt, funktioniert es.

Cozy Fantasy, wie sie sein soll

Das Herzstück des Buches ist ganz klar die Küche.
Und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber: Diese Küche fühlt sich an wie ein Zuhause.

Fins Magie ist dabei das genaue Gegenteil von dem, was man aus klassischer Fantasy kennt. Keine Feuerbälle, keine Weltuntergänge. Stattdessen schwebendes Geschirr, perfekt abgestimmte Gerichte und ein feines Gespür für Menschen. Seine Fähigkeiten wurden lange als „nutzlos“ abgetan und genau darin liegt eine der stärksten Botschaften des Buches: Stärke muss nicht laut sein.

Das Ganze wird getragen von einer angenehm leichten, oft humorvollen Stimmung. Gerade die Dialoge funktionieren richtig gut. Wortgefechte, kleine Sticheleien und absurde Situationen sorgen immer wieder für ehrliche Lacher.

Und ja, „Vermaledeiter Magiersohn“ bleibt hängen.

Charaktere: Das eigentliche Highlight

Wenn das Buch eines wirklich kann, dann Figuren.

Fin ist kein strahlender Held. Er ist schlagfertig, manchmal ein bisschen drüber und bringt sich mit seiner großen Klappe regelmäßig selbst in Schwierigkeiten. Gleichzeitig hat er ein enormes Herz und einen starken moralischen Kompass.

Seine Dynamik mit den anderen Figuren ist genau das, was das Buch trägt:

  • die Schlagabtausche mit Annika
  • die kleinen, fast schon brüderlichen Momente mit Prinz Eric
  • die Reibereien mit Magier Lee
  • sein Beschützerinstinkt gegenüber Hannah

Und dann ist da noch Kraken, der Kater, der stellenweise mehr Persönlichkeit hat als so mancher Nebencharakter in anderen Büchern.

Man merkt einfach: Hier wurde viel Liebe in die Figuren gesteckt.

Worldbuilding & kleine Stolpersteine

Die Welt an sich ist solide, aber nicht übermäßig tief. Es gibt interessante Ansätze. Vor allem bei den unterschiedlichen Magiesystemen und der Unterscheidung zwischen Hexen und Magiern.

Aber: Das Ganze bleibt oft eher an der Oberfläche.

Dazu kommen ein paar kleine Brüche, die mich kurz rausgezogen haben. Moderne Begriffe oder Essensreferenzen, die sich einfach nicht ganz stimmig in dieses Setting einfügen. Nichts Dramatisches, aber merkbar.

Und dann sind da noch Handlungsstränge, die angerissen werden und einfach… verschwinden.
Kraken hatte zum Beispiel Momente, die nach mehr geschrien haben und dann kam nichts mehr.

Kritik, die man nicht ignorieren kann

So sehr ich das Buch mochte, es hat klare Schwächen:

  • Das Tempo ist teilweise sehr langsam
  • Der Mittelteil zieht sich spürbar
  • Einige Stränge verlaufen im Sand
  • Die Spannung ist… überschaubar

Das ist kein Buch, das man „durchsuchten“ will. Eher eins, das man nebenbei liest, wenn man runterkommen möchte.

Fazit

The House Witch ist kein Buch für jeden. Und das ist auch gut so.

Wenn du eine epische, plotgetriebene Fantasy suchst, lass es. Du wirst dich nur langweilen.
Wenn du aber genau das Gegenteil willst – eine warme, ruhige Geschichte mit viel Herz, Humor und Figuren, die sich wie echte Menschen anfühlen – dann bist du hier richtig.

Für mich war es wie ein Besuch an einem Ort, an dem man einfach mal durchatmen kann.

Und genau das macht dieses Buch besonders.

Bewertung

⭐⭐⭐⭐☆ (4 von 5 Sternen)
Mit ein paar Kürzungen wäre es fast perfekt gewesen.

Tropes & Vibes

  • Cozy Fantasy
  • Found Family
  • Slow Burn Romance
  • Magical Household
  • Grumpy x Sharp-Tongued Dynamics
  • Court Intrigue (light)
  • Talking Animal Companion

Kategorisiert in:

Rezensionen,